Nutzer haben beim Streaming die Wahl zwischen sehr verschiedenen Angeboten.

Anbieter locken mit Eigenproduktionen : Filmspektakel gibt es im Abonnement

Streaming-Dienste für Videos werden immer beliebter. Nutzer haben die Wahl zwischen sehr verschiedenen Angeboten.

Fernsehzeitungen haben immer weniger Leser, DVDs und selbst Blu-rays wirken fast überholt. Streaming ist das Zauberwort, wenn es um aktuelle Serien und Filme geht. Mehr als jeder dritte Deutsche nutzt laut Digitalverband Bitkom hin und wieder Streaming-Dienste. Den passenden für den eigenen Bedarf zu finden, ist bei den unterschiedlichen Preisen und Angeboten aber nicht leicht.

Einer der größten Anbieter auf dem Markt ist Netflix. Der US-amerikanische Dienst ist besonders beim jüngeren Publikum beliebt. „Netflix glänzt vor allem mit den selbst produzierten Serien und Filmen“, sagt Maximilian Reichlin, Redaktionsleiter vom Internet-Portal „trusted“. Dazu zählten Reihen wie Stranger Things, House of Cards oder Narcos. Diese Filme seien zumindest zu Beginn nur für Netflix-Kunden verfügbar. Der Streaming-Dienst schaffe es so, Nutzer zu locken und zu binden, erklärt Reichlin.

Dieser Ansatz findet viele Nachahmer: „Der Trend geht zu Eigenproduktionen, die dann exklusiv bei einem Anbieter verfügbar sind“, sagt Simone Vintz von der Stiftung Warentest. Wer die neuesten Kinofilme sehen wolle, sei Netflix hingegen falsch.

 Das günstigste Abo kostet acht Euro pro Monat. Im Premium-Abo für 14 Euro gibt es Videos in besonders hoher Auflösung. Zudem können vier Personen das Angebot gleichzeitig über dasselbe Nutzerkonto verwenden. Den Zugang zu einzelnen Filmen oder Serienfolgen ermöglicht Netflix nicht.

Der Erfolg von Amazons Video-Dienst Prime liegt auch darin begründet, dass zahlende Premium-Kunden des Online-Händlers, den Zugang zu Filmen und Serien ohne zusätzliche Kosten erhalten. Amazon Prime ist nur jährlich abschließbar und kostet 49 Euro. Die Stärke des Angebots ist, dass die Auswahl genreübergreifend groß ist. Neben Klassikern zeigt auch Amazon immer mehr eigene Produktionen. Allerdings sind nicht alle verfügbaren Filme im Prime-Abo enthalten. Für viele Filme müssen ein bis fünf Euro extra gezahlt werden. Filmfans können bei Amazon also fast alles finden, müssen aber eventuell mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Der deutsche Anbieter Maxdome setzt ebenfalls auf eine Kombination aus Abonnement und Einzelkauf. Das bringt dasselbe Problem wie bei Amazon mit sich: Die Flatrate für acht Euro monatlich umfasst viele Filme, doch neue Kinoproduktionen und Serien kosten meist drei bis sieben Euro extra. Björn Becher vom Internetportal Filmstarts.de bemängelt, dass es nur wenige Eigenproduktionen mit deutschen Schauspielern bei Maxdome gebe. Die Bild- und Tonqualität sei bei Netflix, Amazon und Maxdome vergleichbar gut.

Darüber hinaus gibt es Streaming-Anbieter, die primär keine Abo-Modelle anbieten, sondern auf Einzelabrufe (Video on Demand) setzen. Dazu gehören etwa ­Alleskino.de, Chili, Flimmit, Mubi, Onlinefilm.org, Rakuten TV, Sky Store und Videociety. Die Preise pro Film liegen meist zwischen einem und sieben Euro.

Bald schon kommen weitere Anbieter auf den Markt. Disney hat für 2019 mit Disney Play einen eigenen Streaming-Dienst angekündigt. Das bedeutet möglicherweise, dass Disney-Filme langfristig bei anderen Anbietern verschwinden werden. Dabei geht es nicht nur um Animationsfilme, sondern auch um Produktionen wie die Marvel-Filme (etwa die „Iron Man“-Reihe), „Star Wars“ oder „Fluch der Karibik“. Auch Warner hat für 2019 einen eigenen Streaming-Dienst angekündigt, der Produktionen der Warner-Tochter HBO wie „Game of Thrones“ umfassen dürfte. Kürzliche berichtete zudem die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass wohl auch Apple kurz davor steht, ein eigenes Angebot für Filme und Serien im Abonnement auf die Beine zu stellen. Ähnlich wie Netflix und Amazon plane der Konzern, auf Eigenproduktionen und exklusive Inhalte zu setzen. Besitzer von Apple-Geräten erhielten ohne weitere Kosten Zugang zu dem Video-Aufgebot, berichtete zudem der US-Fernsehsender CNBC. Der Dienst soll demnach im Sommer starten.

„Es wird mittelfristig mehr Anbieter geben – langfristig geht es ums Überleben“, prognostiziert Björn Becher. Das bedeute aber auch, dass die Preise für die Streaming-Abos wohl zumindest vorerst nicht steigen werden. Eine Lösung, bei der der Nutzer Zugang zu den Inhalten aller Dienste erhalte, gebe es weder jetzt noch in absehbarer Zukunft. Die Anbieter setzten wohl weiter auf exklusive Eigenproduktionen. Nutzer mit breit gefächertem Filminteresse müssten entweder mehrere Dienste abonnieren oder ihren Anbieter immer wieder wechseln.

(dpa)
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