Neue Studie: Soziale Medien wirken sich kaum auf die Zufriedenheit aus.

Soziale Medien und Lebenszufriedenheit : Bei Verzicht auf Facebook nicht glücklicher

Soziale Medien machen Jugendliche einsam und unglücklich, so die verbreitete Annahme. Eine aktuelle Untersuchung stellt das in Frage.

Forscher gingen bisher davon aus, dass die Nutzung sozialer Medien einen deutlichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit von Erwachsenen und Kindern hat. Doch möglicherweise sind die Zusammenhänge nicht so einfach, wie es scheint. Sozialwissenschaftler der Universitäten Oxford und Hohenheim sind in einer Untersuchung zum Ergebnis gekommen, dass nichts dran ist an der Facebook-Depression. Sie sagen: „Soziale Medien wirken sich kaum auf die allgemeine Lebenszufriedenheit aus.“

Die Wissenschaftler haben in einer Langzeitstudie über einen Zeitraum von acht Jahren 5492 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 15 Jahren zu ihren Internetgewohnheiten und ihrem Lebensgefühl befragt. „Wir haben eine ganz schwache Wechselwirkung zwischen dem Konsum von sozialen Medien und der Lebenszufriedenheit gefunden“, so die Forscher. Nehme die Nutzung sozialer Medien zu, reduziere sich das Wohlbefinden nur geringfügig. Gleichzeitig steige bei sinkender Lebenszufriedenheit der Konsum sozialer Medien leicht. Die Auswirkungen seien bei jungen Frauen etwas ausgeprägter als bei Männern. Woher der Unterschied rühre, sei aber noch nicht ausreichend erforscht.

Der negative Effekt sei minimal: Die Häufigkeit, mit der Jugendliche mit ihren Eltern zusammen zu Abend essen, habe einen etwa gleich großen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit wie die Nutzung sozialer Medien. „In Zahlen ausgedrückt lassen sich Veränderungen in der Lebenszufriedenheit nur zu weniger als einem Prozent auf den Social-Media-Konsum zurückführen“, sagt Tobias Dienlin, Medienpsychologe an der Universität Hohenheim. Auch die Zeit, die Personen vor dem Bildschirm verbringen, habe keine negativen Folgen für die psychische Gesundheit.

 Frühere Untersuchungen waren zu einem anderen Ergebnis gekommen. Psychologen der Universität von Pennsylvania in Philadelphia berichteten, es gebe einen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und Depressionen. Auch die Forscher der Stanford University in Kalifornien und der New York University kamen zum Ergebnis, dass Menschen zufriedener waren, wenn sie auf soziale Netzwerke, wie etwa Facebook, verzichteten. Negative Gefühle wie Angst oder Depression hätten bei eingestellter Nutzung ebenfalls abgenommen. Vereinfacht gesagt: Wer auf Facebook verzichtet, ist glücklicher.

Die Forscher der Universitäten Hohenheim und Oxford sagen, bisherige Studien zum Thema hätten nur eine begrenzte Aussagekraft, da meist die Teilnehmerzahlen zu gering oder die Auswertungen zu einfach gewesen seien. Oft handele es sich nur um Momentaufnahmen mit wenigen Befragungen in einem relativ kurzen Zeitraum.

Laut einer weiteren aktuellen Erhebung der Universität Oxford mit 17 000 Jugendlichen aus Irland, den USA und England mache es auch keinen Unterschied für das Wohlbefinden, ob die Jugendlichen zwei Stunden, eine Stunde oder nur 30 Minuten vor einem Bildschirm verbringen. Auch die Annahme, dass die Bildschirmnutzung besonders vor dem Schlafengehen große Auswirkungen auf die psychische Gesundheit habe, habe sich nicht bestätigt. „Wenn Sie allgemein ­glücklich sind in Beruf, Familie oder Ihrem Leben, dann wird die zweistündige Nutzung sozialer Medien ihre Lebenszufriedenheit nicht schlagartig verringern. Studien, die das Gegenteil behaupten, beziehen sich meist auf die Stimmung. Wenn Ihr Arbeitskollege statt Ihnen befördert wurde und er das den ganzen Tag auf Facebook veröffentlicht, dann wird das Ihre Stimmung senken und kurzweilig auch ihre Lebenszufriedenheit“, sagt Dienlin.

Negative Effekte sozialer Medien auf das Wohlbefinden seien nur von kurzer Dauer – das sei die Hauptaussage von Studien, die negative Auswirkungen bestätigt sähen, erklären die Forscher der Universitäten Oxford und Hohenheim. „Der Zusammenhang sozialer Medien mit der Lebenszufriedenheit ist differenzierter als angenommen. Das haben wir bei unserer eigenen Untersuchung festgestellt“, erläutern die Forscher.

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