Neue Regelungen ab Februar: Bundesnetzagentur will Aus für Abofallen

Neue Regelungen ab Februar 2020 : Netzagentur will das Aus für Abofallen

Oft reicht auf dem Smartphone ein falscher Fingertipp für ein ungewolltes Handyabo. Das soll sich bald ändern.

Im Internet bieten zahlreiche Unternehmen zahlungspflichtige Abonnements für ihre Dienstleistungen an. Manche Anbieter versuchen, besonders Smartphone-Nutzern unbemerkt ein Abo unterzuschieben. Wer nicht aufpasst, kann schon mit einem Fingertipp in einer solchen Kostenfalle landen. Davor und vor betrügerischen Abrechnungen will die Bundesnetzagentur Anwender in Zukunft besser schützen.

Dazu führt die Behörde neue Regeln für Mobilfunkanbieter ein. Sie müssen bis spätestens am 1. Februar 2020 das sogenannte Redirect-Verfahren einführen, wenn sie weiterhin Leistungen von und für Drittanbieter abrechnen wollen, erklärt die Behörde. Das Redirect-Verfahren („to redirect“, auf Deutsch „umleiten“) funktioniert so: Ist ein Smartphone-Nutzer kurz davor, auf dem Smartphone ein Abo abzuschließen, das nicht vom eigenen Mobilfunkanbieter angeboten wird, wird er auf eine Bezahlseite umgeleitet, auf der er den Kauf bestätigen muss.

Solche Verfahren hätten einige Anbieter bereits eingerichtet, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mit der neuen Regelung werde das jedoch zur Plficht. Auch eine Geld-zurück-Garantie soll es ab 1. Februar geben, die bei vielen ungewollten Drittanbieter-Abrechnungen gelten soll. Der Mobilfunkbetreiber müsste dem Kunden unrechtmäßig berechnete Beträge dann zurückerstatten.

All das soll dafür sorgen, dass Nutzer nicht mehr so leicht in Abofallen tappen können. Solche Fallen stellen viele sogenannte Drittanbieter auf. So werden Firmen genannt, die Produkte und Dienstleistungen an Internetnutzer verkaufen, aber weder zu dem Internetanbieter oder Mobilfunkbetreiber gehören, noch von diesem beauftragt wurden. Drittanbieter lassen ihre Dienste allerdings über die Handyrechnung eines Mobilfunkanbieters abrechnen, wie zum Beispiel die Deutsche Telekom, Vodafone oder O2. Möglich sei das dank eines Programms, das auf vielen Internetseiten im Hintergrund laufe, erklärt die Verbraucherzentrale. Das funktioniere aber nur, wenn das Gerät über Mobilfunk mit dem Internet verbunden sei. Wer nur über WLAN im Internet surfe, sei vor solchen Betrugsmaschen sicher, sagen die Verbraucherschützer.

Ist ein Nutzer jedoch in die Falle getappt, falle ihm das oft nicht auf, mahnt die Verbraucherzentrale. Nicht selten merkten Betroffene erst Monate später, was alles von ihrem Konto abgebucht wird. Laut den Verbraucherschützern sind Fälle bekannt, bei denen Nutzer von gängigen Internetseiten ohne etwas anzutippen auf unbekannte Seiten umgeleitet wurden. Das Ergebnis waren ungewollte Abos mit bis zu 9,99 Euro pro Woche. Und das, obwohl eigentlich ein Vertrag erst dann wirksam werde, wenn der Nutzer einem Kauf unmissverständlich zugestimmt habe. Dazu sei ein Klick auf eine Schaltfläche erforderlich, die eindeutig beschriftet sein müsse. Darauf müsse „Kaufen“, „zahlungspflichtig bestellen“ oder eine ähnlich klare Formulierung stehen, erläutert die Verbraucherzentrale.

Für Nutzer sei es zudem schwierig, zu erkennen, bei welchem Unternehmen sie ein Abonnement abgeschlossen haben. Denn der Betrag tauche unter anderen Posten auf der normalen Rechnung des Mobilfunkanbieters auf. Der eigentliche Anbieter sei auf der Rechnung oft nicht genannt, dort finde sich nur der Name einer Abrechnungsfirma.

Wie viele Nutzer von Abofallen betroffen sind, berichtete die Stiftung Warentest. Laut dem Bericht wurden in diesem Jahr 41 000 Mobilfunkkunden falsche oder zu hohe Rechnungen aufgestellt. Dabei ging es um Dienste und Abos von Drittanbietern, die die Handynutzer gar nicht bestellt hatten.

Bis die neuen Regelungen in Kraft treten, können sich Nutzer mit einer Drittanbietersperre schützen. Eine solche Sperre kann man sich beim eigenen Mobilfunkbetreiber einrichten lassen. Das geht per Brief, per E-Mail und oft auch über das Kundenportal oder eine App des Mobilfunkanbieters, erklärt die Verbraucherzentrale. Mit der Sperre können Drittanbieter über die Handyrechnung keine Dienste mehr abrechnen.

Beschweren können sich Nutzer per E-Mail bei der Bundes­netz­agentur unter ­rufnummernmissbrauch@bnetza.de.

(dpa)
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