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Aus- und Weiterbildung
Neue Formen des digitalen Lernens

 Mithilfe von Online-Kursen können Nutzer vom heimischen Sessel aus lernen oder sich fortbilden.
Mithilfe von Online-Kursen können Nutzer vom heimischen Sessel aus lernen oder sich fortbilden. FOTO: Christin Klose/dpa-tmn / Christin Klose
Köln. Offene Internet-Lehrgänge bieten Wissen für jeden. Das Konzept findet in Deutschland immer mehr Freunde. Von Lisa Konstantinidis (kna) und Martin Trappen

Wer sich weiterbilden will, dem stehen heutzutage im Internet viele Möglichkeiten offen. Im Netz werden weltweit zahlreiche frei zugängliche Online-Kurse angeboten. „Massive Open Online Courses“ (MOOCs) nennt sich das Konzept. Für sie gelten – anders als Seminaren oder Vorlesungen an Universitäten – keine Zugangsbeschränkungen. Oft sind sie auch noch kostenlos. Daher melden sich zu diesen Kursen meist hunderte oder sogar tausende Teilnehmer an. In den Lehrgängen vermitteln Dozenten die Inhalte in zehn- bis 30-minütigen Videos, die in einem bestimmten Zeitraum abrufbar sind. Teilweise gibt es auch zusätzliche Lernmaterialien oder Literaturempfehlungen.


Die Idee offener Internetkurse stammt ursprünglich aus den USA und ist im englischsprachigen Raum weit verbreitet. Zu den Anbieten gehören sowohl Universitäten als auch Unternehmen. Während die Hochschulen akademisches Wissen vermitteln, wollen Firmen hauptsächlich ihre Angestellten an verschiedenen Standorten weiterbilden. Auch die Weltgesundheitsorganisation nutzt offene Internet-Lehrgänge, um etwa Helfer in Krisengebieten auf Einsätze vorzubereiten.

Mittlerweile gibt es auch deutsche Anbieter. Zu den größten Plattformen im deutschsprachigen Raum gehören die Portale des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI), der Fachhochschule Lübeck, die gemeinsame Plattform der Technischen Universität und der Universität Graz in Österreich sowie die Firma iversity in Berlin.



Aber nicht alle Kurse funktionieren gleich. Einige orientieren sich am klassischen Frontalunterricht: Dozenten stellen Videos zur Verfügung, Tests kontrollieren den Lernfortschritt. Oft ist der Abschluss eines Lehrgangs auch mit einem Zertifikat verbunden. Bei diesen Kursen steht der reine Wissenserwerb der Teilnehmer im Vordergrund. Wer lieber mit Anderen zusammen lernt, ist in solchen Kursen besser aufgehoben, die auf eine aktive Beteiligung aller Teilnehmer setzen. Diese werden meist als cMOOC bezeichnet. Das „c“ steht für „connected“ („verbunden“), die Teilnehmer sollen sich also untereinander austauschen. Das können sie etwa in sozialen Netzwerken, Diskussionsforen oder Blogs tun. „Diese Kurse werden von den Studierenden gestaltet. Sie erarbeiten sich den Stoff gemeinsam“, erklärt Stefanie Schweiger. Sie ist Referentin für Kommunikation am Hasso-Plattner-Institut (HPI).

„Ein Studium oder eine Ausbildung kann ein Online-Kurs nicht ersetzen“, sagt Schweiger, „allerdings können solche Kurse qualitativ hochwertiges Wissen vermitteln und lebenslanges Lernen unterstützen.“

2012 erregten die Internet-Seminare erstmals große Aufmerksamkeit. Das schürte die Angst, dass Universitäten von den Online-Kursen verdrängt werden könnten. Diese Befürchtungen entbehrten jeder Grundlage, so Schweiger. „Dennoch verzeichnet beispielsweise unsere eigene Plattform openHPI eine stetig wachsende Teilnehmerzahl, inzwischen sind es über 550 000.“

Kritiker bemängelten häufig, dass viele Teilnehmer die Online-Kurse vorzeitig abbrechen würden. Auch am HPI kenne man das Problem: „Es braucht definitiv Eigenverantwortung und Disziplin“, erklärt Schweiger. Anbieter setzten deshalb häufig auf zusätzliche Motivationsmechanismen. Wer sich aktiv an Kursen beteilige, erhalte beispielsweise virtuelle Punkte oder Abzeichen. Bei vielen Teilnehmern funktioniere das. Die Abschlussquote der Internet-Lehrgänge, die das HPI anbietet, liegt den Angaben des Instituts zufolge bei über 30 Prozent.