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Mitmachen oder abmelden

Mitmachen oder abmelden

Facebook ändert morgen seine Nutzungsbedingungen. Künftig will das soziale Netzwerk noch mehr Daten seiner Nutzer sammeln. Sie sollen gleichzeitig aber auch mehr Kontrolle darüber bekommen. Wer mit den neuen Regeln nicht einverstanden ist, kann nur auf eine Art reagieren: Indem er sich abmeldet.

Ab morgen gelten im sozialen Netzwerk Facebook neue Geschäftsbedingungen (AGB). Nutzer sollen mehr Möglichkeiten haben, Privatsphäre- und Sichtbarkeitseinstellungen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite ermöglichen es die neuen Regeln aber auch, dass Facebook noch mehr Daten seiner Nutzer sammelt. Die Mitglieder von Facebook haben nur zwei Möglichkeiten zur Wahl: Akzeptieren oder Abmelden.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät daher, sich die umfangreichen neuen Regeln gut durchzulesen. Rechtsanwältin Sabine Petri sagt, auch wenn Nutzer einzelnen Punkten nicht widersprechen können, sei es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, was mit den eigenen Daten passiert. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Datenschutz: Facebook will es Nutzern leichter machen, zu entscheiden, wer ihre Inhalte sehen darf. Dazu gibt es jetzt Anleitungen und Möglichkeiten, die Analyse von besuchten Seiten und Apps zu kontrollieren. Verbraucherschützerin Petri weist darauf hin, dass Nutzer aktiv werden müssen. Neue Funktionen sind standardmäßig aktiviert und müssten in der Regel abgestellt werden, wenn man mit ihnen nicht einverstanden sei. Und man müsse sich bewusst sein, dass trotz aller Einstellungen Facebook alles erfahre und auswerte.

Standortdaten: Künftig können Standortdaten mit denen der Freunde und mit Werbeanzeigen verbunden werden. Wer seinen Standort mitteilt, kann etwa Informationen über Restaurants in der Nähe oder Neuigkeiten von Freunden angezeigt bekommen. Wer das nicht möchte, sollte der Facebook-App auf seinem Smartphone keinen Zugriff auf das GPS-Modul gewähren. Doch nicht jede Plattform räumt diese Möglichkeit ein.

Werbung: Facebook will Werbung auf den Einzelnutzer zuschneiden. Bislang werden die Inhalte der Anzeigen aus "Gefällt mir"-Angaben und anderen Aktivitäten im Netzwerk generiert. Bald sollen auch besuchte Webseiten und genutzte Apps ausgewertet werden. Das Netzwerk ist in der Lage, die Aktivitäten seiner eingeloggten Nutzer im Netz teilweise nachzuvollziehen. Wer dann etwa online ein Paar Sportschuhe kauft, könnte beispielsweise Anzeigen für Sportkurse oder andere Trainingskleidung sehen.

Künftig können Facebook-Nutzer Werbeanzeigen auf ihre Relevanz bewerten. Dazu wird auch sichtbar gemacht, in welche Zielgruppe Facebook die Nutzer einordnet und warum sie eine bestimmte Anzeige sehen. Laut Facebook soll so sichergestellt werden, dass Nutzer nur relevante Werbung angezeigt bekommen.

Neue Funktionen: Das Netzwerk will seine Kunden durch neue Optionen wie einen "Kaufen"-Knopf enger an sich binden. So könnte der Kauf von Waren direkt über das Facebook-Konto erfolgen. Damit könnte das Unternehmen neben Nutzungsdaten auch an Einkaufsgewohnheiten und Zahlungsdaten der Kunden kommen. "Aus Verbraucherschutzsicht ist das sehr kritisch zu bewerten", sagt Sabine Petri. Durch Zusammenführung dieser Daten könnten umfassende Personenprofile erstellt werden. Petri empfiehlt, die Sichtbarkeit von Beiträgen zu kontrollieren und in den Privatsphäre-Einstellungen auf minimale Auswertung der persönlichen Daten zu Werbezwecken zu setzen. Und Facebook-Nutzer müssen wachsam sein: "Man sollte regelmäßig nachsehen, ob die Einstellungen noch so sind, wie man sie eingestellt hatte." Die neuen Nutzungsbedingungen von Facebook sind jetzt auch Thema im Bundestag: Gestern diskutierte der Rechtsausschuss über die geplanten Änderungen. Abgeordnete und Datenschützer kritisierten das Online-Netzwerk. Facebook gebe nicht ausreichend Auskunft darüber, welche Nutzerdaten gesammelt und verknüpft würden. "Die Frage ist: Welche Daten werden im Hintergrund gesammelt, und wie gehen die verschiedenen Unternehmen damit um?", sagte Mechthild Heil (CDU ), die in der Unionsfraktion für den Verbraucherschutz zuständig ist.

Zu Facebook gehört auch der beliebte Chat-Dienst Whatsapp und das Fotonetzwerk Instagram. Das Online-Netzwerk versicherte stets, dass zwischen Facebook und Whatsapp keine Daten ausgetauscht würden. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar kritisierte jedoch, die geplanten Änderungen würden einen Datenaustausch zumindest ermöglichen. Caspar erklärte, es sei unklar, ob aus den Daten Nutzerprofile gebildet würden und ob die Weiternutzung als Einwilligung ausreiche. "Facebook ist nach wie vor nicht der Meinung, dass deutsches Datenschutzrecht gilt", sagte er.

Ulrich Kelber (SPD ), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium kritisierte vor allem, dass Nutzer den Änderungen nur entgehen können, indem sie sich aus dem sozialen Netzwerk abmelden. Facebook gehe mit den neuen AGB "sehr weit".