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Mitleser unerwünscht

Berlin. Bislang ist die digital signierte De-Mail noch ein kleiner Ladenhüter. Dabei soll die Technik den Schriftverkehr zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen auf Papier künftig weitgehend ersetzen. Internet-Anbieter überarbeiten ihre Angebote. dpa-Mitarbeiter Till Simon Nagel

Die De-Mail wurde bei ihrer Einführung als sichere E-Mail-Variante angepriesen, die die klassische Behördenpost ersetzen soll. Gleichwohl hielt sich die Begeisterung bei den Bürgern in Grenzen. Aktuell haben sich rund zwei Millionen Menschen in Deutschland ihre De-Mail-Adresse gesichert, aber nur mehrere Hunderttausend haben wie gefordert, ihre persönlichen Daten hinzugefügt, um den digital signierten Schriftverkehr nutzen zu können.

Innenministerium und Anbieter wollen die Zahl der Nutzer steigern - auch durch einfachere Verschlüsselung . Ab April wollen die großen De-Mail-Provider Telekom, Francotyp-Postalia und United Internet (UI), also 1&1, GMX und Web.de, ein Verfahren anbieten, mit dem Nutzer ihre De-Mails recht bequem mit der PGP-Technik Ende-zu-Ende verschlüsseln können. PGP steht für Pretty Good Privacy - also ziemlich gute Privatsphäre - und ist ein Verschlüsselungs-Programm, das wie ein Vorhängeschloss funktioniert: Jeder kann es abschließen, aber nur einer kann es öffnen. Dazu gibt es zwei Schlüssel. Mit dem öffentlichen Schlüssel kann der Sender Nachrichten in ein Kauderwelsch aus Zahlen und Buchstaben verwandeln. Mit dem privaten Schlüssel, den nur der Empfänger besitzt, können dann die verschlüsselten Nachrichten wieder entziffert werden. Die Bürger und Ämter können damit Behördenpost digital erledigen, ohne das Dritte den Briefwechsel einsehen können. Hier die wichtigsten Fakten zur De-Mail:

Voraussetzungen: Um die De-Mail nutzen zu können, muss der Nutzer einige technische Voraussetzungen erfüllen. Die Verschlüsselung funktioniert beispielsweise nur mit neueren Browsern, die aktuelle Sicherheitsprotokolle zur Datenübertragung akzeptieren. Das von der Arbeitsgemeinschaft De-Mail vorgestellte Verschlüsselungs-Verfahren soll allerdings erst einmal nur mit den Browsern Firefox und Chrome funktionieren. Beide sind allerdings kostenlos erhältlich.

Beantragung: Ein De-Mail-Konto zu eröffnen, ist nach wie vor recht kompliziert. Man muss nämlich persönliche Daten angeben. Das kann über den elektronischen Personalausweis oder eine elektronische Signatur erfolgen. Auch eine persönliche Anmeldung ist möglich - etwa in Niederlassungen der Telekom. Manche Anbieter schicken auch Personal zum Kunden. Künftig sollen sich Nutzer nach Angaben von Dirk Backofen, Leiter für Marketing bei der Telekom, auch über ein bestehendes Bankkonto anmelden können. Registrieren kann man sich auf den Webseiten der Anbieter.

Monatskosten: Monatliche Kosten berechnet momentan keiner der De-Mail-Provider. Allerdings können für die Registrierung Kosten anfallen. UI etwa berechnet zwischen sechs und zehn Euro, bei der Francotyp-Postalia-Tochter Mentana-Claimsoft kostet es zwischen 13 und 15 Euro - aber nur, wenn sich der Kunde nicht digital anmelden kann und eine persönliche Anmeldung nötig ist. Bei der Telekom ist sowohl die Einrichtung des Postfachs als auch die Identifikation kostenlos.

Versandkosten: Der Versand einer De-Mail ist bei UI kostenlos, die Telekom bietet sie zunächst bis Ende Januar 2016 kostenlos an. Danach werden nach bisherigen Plänen ab der vierten Mail 39 Cent pro Nachricht fällig. Mentana-Claimsoft berechnet momentan ab 28 Cent für eine De-Mail. Aus Anbieterkreisen hört man aber immer wieder, dass Privatkunden künftig De-Mails kostenlos versenden können. So sollen mehr Nutzer für den Dienst gewonnen werden.