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Mit speziellen Apps können Hobbymusiker am Smartphone kreativ werden.

Musik-Apps : Musik-Apps schaffen neue Möglichkeiten

Mit speziellen Programmen können Hobbymusiker an Smartphone und Tablet kreativ werden.

Wer mit dem Smartphone Musik machen möchte, wird in den App Stores für iOS und Android schnell fündig. „Die Bandbreite an Apps für Musik ist sehr umfangreich“, sagt Benjamin Lucks vom IT-Portal Netzwelt.de.

Grob könne man zwischen drei Arten von Anwendungen unterscheiden, so der Softwarefachmann: Apps, die beim Musizieren unterstützen. Programmen, die musikalisch weiterbilden. Und schließlich Software, mit der das Smartphone oder Tablet selbst zum Instrument wird.

Zur ersten Kategorien gehörten Stimmgerät und Metronom. „Für Laien und Profis sind die Apps in den meisten Anwendungsbereichen vollkommen ausreichend“, sagt Florian Werner, Musikpädagoge an der Universität Erlangen-Nürnberg. Metronom-Apps wie die kostenpflichtige Anwendung Tonal Energy sind vielseitig einsetzbar und verfügen über praktische Funktionen wie automatische Temposteigerung oder Sprachausgabe für Zählzeiten.

Das Angebot an Apps zum Musizieren ist vielfältig. Foto: dpa-tmn/Catherine Waibel

Für die musikalische Weiterbildung gibt es zum Beispiel die kostenlose iOS-App Tonic, mit der man dank Augmented Reality die Griffe für verschiedene Akkorde am Klavier lernen kann. „Hierfür hält man das Smartphone über das Klavier und dann zeigt die App Akkorde an“, erklärt Werner. Spielerisch mit der Kadenz-Harmonik beschäftigen können sich Lernwillige mit der kostenlosen iPad-App Tin Pan Rythm. Musik-Lern-Apps wie SimplyPiano und Yousician hören beim Spielen zu und kritisieren.

Mit Apps lässt sich aber auch richtig musizieren. Werner leitet an seiner Universität ein iPad-Ensemble: Statt auf Klavier, Geige oder Schlagzeug spielen die Mitglieder des Ensembles auf Tablets. „Das muss man sich vorstellen wie eine normale Band“, erklärt er. Jedes Mitglied hat eine Musik-App auf dem Tablet installiert, zusammen musiziert die Gruppe live. „Das Schöne an den Musik-Apps ist, dass sie sehr niedrigschwellig sind“, meint er.

Einsteigern empfiehlt Werner zum Beispiel die kostenlose iOS-App „Playground“. „Hier wischt man und kann nicht falsch spielen.“ Auch die ebenfalls kostenlose iOS-App Keezy, bei der Nutzer auf acht Feldern spielen, sei für Anfänger gut geeignet. Werner arbeitet vor allem mit iOS-Apps. Ein Grund dafür sei die Latenzzeit. „Bei Android-Apps ist die Zeit zwischen dem Drücken und dem Ton zu groß.“ Für das Spielen in einer Gruppe seien solche Anwendungen deshalb ungeeignet.

Musik-Apps sind aber kein Ersatz für herkömmliche Instrumente, sondern als eigenständiges Instrumentarium zu verstehen, sagt Matthias Krebs von der Forschungsstelle Appmusik der Universität der Künste Berlin. „Wichtig ist, zu verstehen, dass Musik-Apps eben kein Klavier, Geige, Drumset sein können.“ Der Unterschied zwischen einem Klavier und einer Klavier-App sei mindestens genauso groß wie zwischen einem Klavier und einer Geige.

„Häufig sind Leute von ihren Erwartungen an eine App ganz eingeschränkt und dann übersehen sie die Potenziale der digitalen Instrumente“, sagt Krebs. In Bezug auf die Klangvielfalt vergleicht er das Angebot an Apps mit dem Besuch eines Musikladens: „Überall hängen verrückte Instrumente. Nur auf dem Smartphone oder Tablet hat man diese Musikwelt immer bei sich.“

Will man etwas Wirkungsvolles erreichen, fordern Musik-Apps wie herkömmliche Instrumente Übungsdisziplin. Allerdings empfinden viele App-Nutzer den Einstieg als sehr leicht. „Dadurch gewinnt man dann schnell neue Ideen, was man eigentlich selbst machen will“, sagt Krebs. Mit der App „Jambl“, die es kostenlos für Android und iOS gibt, komme man etwa sehr schnell ins Improvisieren.

Auch die Möglichkeit, Apps zu kombinieren, findet Krebs interessant. „Dadurch eröffnet sich Nutzenden die Möglichkeit, selbst zum Instrumentenbauer zu werden.“ Beispiele sind die kostenpflichtigen iOS-Anwendungen „AUM“ und „Audiobus“ in Kombination mit verschiedenen Audio-Unit-Apps. Mittlerweile veröffentlichen einige große Unternehmen wie Korg oder Yamaha auch ihre Synthesizer als Apps. Diese stünden den teuren Hardware-Geräten in ihrer Klangqualität in nichts mehr nach, so Krebs.

Die Anwendungsbereiche von Appmusik sind vielfältig. Krebs ist an verschiedenen Projekten beteiligt, unter anderem mit großen Kultur- und Bildungsinstitutionen wie der Elbphilharmonie oder dem Staatstheater München. Beim Gestalten von Klängen und musikalischen Strukturen soll in den Workshops auch ein Dialog zwischen den Teilnehmenden zustande kommen. „Häufig steht im Fokus, dass Bands gegründet werden und die Teilnehmenden erfahren, wie es sich anfühlt, sich musikalisch-körperlich mitzuteilen.“

Tablets spielen in der App-Musik eine größere Rolle als die kleinen Smartphones. Anfänger müssen in die Apps nicht unbedingt Geld investieren. Einige Anwendungen sind in der Vollversion gratis, andere verfügen über eine kostenlose Probeversion. Das Einblenden von Werbeanzeigen ist allerdings während des Musizierens störend. „Wer das Smartphone als festen Bestandteil in sein musikalisches Schaffen einarbeiten will, sollte ein bisschen Geld investieren“, rät Lucks.

(dpa)