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Mit Kleingeld um die ganze Welt

Mit Kleingeld um die ganze Welt

Für kleines Geld an die entlegensten Orte der Welt reisen, Landluft schnuppern und alternative Lebenskonzepte kennenlernen – die Internetseite der Organisation World-Wide Opportunities on Organic Farms (Wwoof) versucht, Freiwillige und Farmer zusammenzubringen.

Wer gerne verreist, aber nur auf eine kleine Portokasse zurückgreifen kann, dem könnte die Wwoof Webseite zu einer preisgünstigen Reise verhelfen - vorausgesetzt man scheut keine körperliche Arbeit. Wwoof steht für World-Wide Opportunities on Organic Farms, zu Deutsch: weltweite Möglichkeiten auf Biobauernhöfen. Entgegen aller Vorurteile trifft man dort nicht ausschließlich auf Neo-Hippies und eingefleischte Veganer, sondern auch auf Leute, die schlicht einen nachhaltigen Lebensstil führen wollen.

Bereits 1971 in Großbritannien gegründet, ist Wwoof heute ein weltweites Netzwerk, das Freiwillige und Farmer zusammenbringt, um gemeinsam zu arbeiten. Mittlerweile gibt es mehr als 6000 ökologische Bauernhöfe in hundert Ländern. Egal ob zur Kürbisernte auf Hokkaido in Japan, zum Granatapfel-Pflücken in die Türkei oder auf einer Kaffeeplantage in Peru - überall auf der Welt suchen Farmer und Kleinunternehmer freiwillige Helfer. Dabei ist das Arbeitspensum klar geregelt: Die Freiwilligen arbeiten fünf Tage die Woche bis maximal sechs Stunden pro Tag und erhalten im Gegenzug freie Kost und Logis. Das macht Fernreisen finanzierbar, schließlich müssen die Reisenden so nur für die An- und Abreise selbst aufkommen.

Wie funktioniert "Wwoofing"? Am Anfang der Reise steht die Entscheidung über die Wunsch-Destination. Jedes Land hat seine eigene Wwoof-Internet-Seite - dort können sich Interessierte anmelden. Die Mitgliedschaft gilt für ein Jahr und kostet 25 Euro. Danach haben angehende Wwoofer Zugriff auf die Profile der Gastgeber und können diese direkt anschreiben. Neben klassischen Farmen gibt es auch Ecotourismus-Betriebe, Imkereien und Künstlergemeinschaften, die für ihre Projekte Freiwillige suchen. Je nach Wunsch und Bedarf bleiben die Freiwilligen von ein paar Tagen über Wochen bis hin zu mehrere Monate bei einem Gastgeber. Auf die Art können sie an verschiedenen Orten arbeiten. Neben Wwoof ermöglichen auch zwei andere große Internetportale mit ähnlichen Konzepten das Arbeiten und Reisen im Ausland: Workaway und Help Exchange.

Floor van Dun aus Belgien ist das erste Mal mit Wwoof unterwegs. Die 23-Jährige hat zuerst auf einem ökologischen Hof in Schweden Tomaten gepflückt. Dann ist ihr das kleine Hostel "Tivedstorp" nahe des Nationalparks Tiveden mitten in der schwedischen Wildnis zwischen Stockholm und Göteborg aufgefallen. Hier sucht man Helfer für die Gartenarbeit und ein Café. Floor zieht als Helferin in eine kleine Holzhütte. Wie lange sie an diesem Ort bleibt, weiß sie noch nicht. "Das Beste am Wwoofen ist, dass man so viele unterschiedliche Leute trifft und Einblicke in eine ganz andere Lebensweise erhält, mit der man sonst eher nicht in Kontakt kommt", sagt sie. Der Freiwilligendienst fühle sich kaum wie Arbeit an, sondern wie ein Austausch, ein Geben und Nehmen.

Ziel der Organisation ist es nach eigenen Angaben, "kulturelle Erfahrungen und Lernerfahrungen zu fördern, wobei auf einer Grundlage von Vertrauen und geldlosem Austausch eine nachhaltige, globale Gemeinschaft aufgebaut wird". Tatsächlich wurde Floor sehr herzlich in diese Gemeinschaft aufgenommen - an ihrem zweiten Tag beim Schafescheren. Geduldig hat ihr Lisa Szanto, 31, Inhaberin des Hostels und stolze Besitzerin von fünf misstrauischen Schafen, den Umgang mit der Schere gezeigt. Ihr ist der Kontakt zu den Freiwilligen und das gemeinsame Arbeiten sehr wichtig: "Ohne die Freiwilligen könnten wir das Hostel fast nicht betreiben. Sie sind uns eine große Hilfe." So lernte Floor denn auch während ihres Arbeitsurlaubs traditionelle Holzzäune zu bauen, Wanderwege zu markieren und einen Stall auszumisten, ohne dass man dabei in Jauche versinkt. Abends sitzt man gemeinsam am Kamin, redet über Schweden und die Freuden des Landlebens oder lauscht einfach nur dem leisen Knistern des Feuers.

Nicht immer verlaufen die Aufenthalte so harmonisch. "Bisher hatten wir großes Glück mit unseren Freiwilligen, oft haben sich sogar Freundschaften ergeben. Aber es kann auch zu Missverständnissen kommen oder die Chemie stimmt einfach nicht", sagt Lisa. Deshalb wähle sie ihre Wwoofer sorgfältig aus. "Wir raten dazu, Probleme und Konflikte vor Ort anzusprechen und nach Wegen für eine Lösung zu suchen. Wenn Hilfestellung benötigt wird, können sich Hofbesitzer und Wwoofer jederzeit an uns wenden", so Jan-Philipp Gutt, Vorstandsmitglied von Wwoof Deutschland.

wwoof.de

workaway.info

helpx.net