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Mehr Freiheit für Android-Smartphones

Mehr Freiheit für Android-Smartphones

Android-Geräte werden mit ein paar Kniffen zu offeneren Systemen. Der sogenannte Root-Zugang gibt Nutzern viele Rechte, birgt aber auch Risiken.

Wer das Smartphone an der Wurzel packen kann, wird zum Superuser. So werden Nutzer genannt, die Zugriff auf das sogenannte "Root"-Konto eines Betriebssystems haben. Der Begriff Root kommt aus der Welt der Großrechner.

Smartphones mit dem Betriebssystem Android werden meist mit einem vom Hersteller angepassten Betriebssystem ausgeliefert. Das erlaubt mal mehr und mal weniger Optionen, was Aussehen und Funktion angeht. Doch wer gern mehr Kontrolle über sein Gerät haben will, hat auch bei Android die Möglichkeit, per "Root" selbst zum System-Administrator mit weitreichender Kontrolle zu werden. Mit dem Root-Zugriff lässt sich etwa das komplette Android-System sichern, erklärt Hannes Czerulla vom Fachmagazin c't. Ähnlich wie bei Apples iOS können so alle Daten und Einstellungen und auch ganze Apps gesichert werden, damit sie im Notfall wieder zur Verfügung stehen.

Im Root-Konto gibt es auch umfangreiche Einstellungen zum Rechtemanagement. Etwa, ob eine App die Kontaktliste lesen kann oder andere persönliche Daten einsehen darf. Czerulla rät hier aber zur Vorsicht. Gewährt der Nutzer einer App mehr Rechte, als sie eigentlich haben sollte, ist die Sicherheit der eigenen Daten auf dem Gerät gefährdet. "Apps sollten nur die Zugriffsrechte erhalten, die sie unbedingt brauchen." Werden einer App andersherum zu wenig Rechte gewährt, funktioniert sie möglicherweise nicht mehr richtig.

Dieses Problem lässt sich allerdings mit dem Android-Programm SRT Appguard umgehen (backes-srt.com). Es wurde vom Saarbrücker Professor für Informationssicherheit Michael Backes entwickelt. Mit ihr kann der Nutzer genau sehen, welche Daten alle installierten Apps sammeln. Sollte dann zu erkennen sein, dass ein Chat-Programm zum Beispiel Telefondaten aufzeichnet, kann der Nutzer diese Funktion einfach unterbinden.

Aber wie funktioniert nun dieses sogenannte Rooten? Je nach Gerät und installierter Android-Version ziemlich unterschiedlich. Detaillierte Anleitungen gibt es im Netz zum Beispiel bei pcwelt.de. Wichtig: Vor dem Rooten sollten unbedingt alle Daten gesichert werden. PC Welt rät etwa zur Software "MyPhoneExplorer" oder den Backup-Lösungen der Hersteller.

Das Rooten selbst findet meist durch die Installation und Ausführung eines Android-Programmpaketes, einer sogenannten APK-Datei, statt. Andere Wege funktionieren über eine Kabelverbindung zum Computer. Hannes Czerulla warnt aber vor Apps, die mit einem automatischen Root-Vorgang werben: "1-Click-Rooting-Apps versprechen eine bequeme Lösung, könnten aber versuchen, den Nutzer auf unseriöse Seiten zu locken oder selbst Daten abzugreifen."

Ist der Vorgang abgeschlossen, sollte geprüft werden, ob alles korrekt funktioniert hat. Dabei helfen Apps wie Root Check oder Root Checker aus dem Google Play Store. Im Erfolgsfall sind Nutzer nun mit Administratorrechten ausgestattet.

Ist ein Smartphone gerootet, ist auch der Weg für ein anderes Betriebssystem frei. Diese freien Speicher versprechen zum Beispiel mehr Freiheiten für den Nutzer, ein schnelleres Gerät und längere Akkulaufzeiten. Weil bei der Installation Smartphones gelegentlich den Dienst einstellen, ist der Wechsel des Betriebssystems allerdings nur etwas für erfahrenere Nutzer. Die Experten raten, die Installation erst einmal auf einem älteren Gerät zu testen.

Ob man nun nur Administratorrechte erlangt oder das Betriebssystem wechselt: Nutzer müssen immer im Hinterkopf behalten, dass es ein Eingriff in das System ist, der von den Herstellern nicht gewollt ist. Im Schadensfall kann der Hersteller die Garantie verweigern, wenn sich nicht ausschließen lässt, dass die Manipulation am Betriebssystem mit dem Schaden zu tun haben könnte. Die Gewährleistung ist laut Matthias Kirschner davon nicht betroffen.

Gut zu wissen: Der einfache Vorgang kann meist recht leicht rückgängig gemacht werden. Wie das funktioniert, unterscheidet sich auch wieder je nach Gerät und genutzter Methode. Meist reichen das Löschen einiger Dateien und ein anschließender Neustart.