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Airbnb und Co.
Mehr als Luftmatratze und Frühstück

Wohnungsschlüssel statt Hotelschlüssel: Wer seine Reiseunterkunft auf Plattformen wie Airbnb bucht, übernachtet in privaten Räumen.
Wohnungsschlüssel statt Hotelschlüssel: Wer seine Reiseunterkunft auf Plattformen wie Airbnb bucht, übernachtet in privaten Räumen. FOTO: dpa-tmn / Jens Kalaene
Saarbrücken. Immer mehr Menschen übernachten im Urlaub in privaten Unterkünften, die über das Internet angeboten werden. Von Katja Sponholz

Wer eine Städtereise nach Barcelona oder einen Strandurlaub in Italien plant, muss nicht mehr zwangsläufig im Hotel übernachten. Immer mehr Menschen greifen auf Privatunterkünfte zurück. Vermittelt werden diese über Online-Plattformen wie Airbnb – der Name setzt sich zusammen aus „Airbed and Breakfast“, Luftmatratze und Frühstück. Tatsächlich reicht das Spektrum an Übernachtungsmöglichkeiten auf der Plattform von der Couch bis zum kompletten Haus. Der ursprüngliche Gedanke, seine eigenen Räumlichkeiten kurzfristig privat zu vermieten, ist bei vielen Anbietern jedoch in den Hintergrund gerückt. Das könnte weitreichende Folgen haben.


Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen die Vermittlung privater Wohnungsangebote über Internet-Plattformen: Rund 14,5 Millionen Übernachtungen werden jährlich nach einer Untersuchung des Immobilienentwicklers GBI über Online-Portale wie Airbnb, Wimdu oder 9flats vermittelt, ohne von der amtlichen Statistik erfasst zu werden. Für die Studie wurden 2016 knapp 180 Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern untersucht.



Das Phänomen konzentriere sich besonders auf die Metropolen. Mehr als zehn Millionen solcher Übernachtungen fänden in Berlin, München, Hamburg und Köln statt. Die restlichen rund vier Millionen Übernachtungen in Privatquartieren verteilten sich auf die übrigen 175 Städte. „Viele Großstädte in Deutschland und Europa haben diese Form der Zimmervermietung schon als Problem erkannt“, meint Frank Hohrath, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA im Saarland. Denn zahlreiche Unterkünfte würden professionell verwaltet und so dem Mietmarkt entzogen, was zu steigenden Mieten führe.

Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch eine Studie der TU Wien. In der österreichischen Hauptstadt gebe es mittlerweile viele Großanbieter, die mehrere Wohnungen gleichzeitig auf Airbnb anböten. Viele seien außerdem dauerhaft Ferienunterkünfte. „Mit dem ursprünglichen Gedanken der kurzfristigen Vermietung der Wohnzimmercouch oder eines gerade leer stehenden Zimmers hat Airbnb nicht mehr viel zu tun“, bilanzierte Forscher Roman Seidl.

Auch in Saarbrücken betrachtet man die Situation aufmerksam: Denn mit den steigenden Übernachtungszahlen in der saarländischen Landeshauptstadt wachse auch der Markt professionell vermarkteter Privatwohnungen. Anfang 2017 gab es laut DEHOGA im Regionalverband Saarbrücken 138 Angebote von privaten Unterkünften allein auf Airbnb. Knapp 30 Prozent der Angebote wurden zwischen vier und sechs Monaten, 37 Prozent zwischen sieben und neun Monaten auf Airbnb angeboten.

Der Hotel- und Gaststättenverband weist darauf hin, dass die gewerbliche Vermietung von Zimmern Regeln unterliege: angefangen von der Meldepflicht des Gastes bis zur Entrichtung von Gewerbesteuern an die Stadt. „Die Mieteinkünfte sind steuerpflichtig“, so Hohrath, „und auch die baulichen Anforderungen an Beherbergungsstätten dürfen nicht vergessen werden.“ Die Stadt müsse seiner Ansicht nach die gewerbsmäßige Vermietung in Saarbrücken erfassen. „Nicht nur, um hier gleichen Wettbewerb zu schaffen , sondern um ihren Pflichten als Ordnungsbehörde nachzukommen.“

Allein durch die Ankündigung, diese Art der Vermietung regulieren zu wollen, könne die Stadt ein Signal senden, meint Hohrath. „Je später die Ankündigung und die Kontrolle erfolgt, desto mehr Boden geht verloren.“

Nach Auskunft von Airbnb-Sprecher Julian Trautwein handele es sich bei der großen Mehrheit der Gastgeber auf Airbnb um Bürger, die ihr Zuhause vermieteten, um sich etwas dazuzuverdienen, wenn sie selbst beruflich oder privat unterwegs seien. „Diese Art der Vermietung verknappt keinen Wohnraum, sondern führt zu einer effizienteren Nutzung des Wohnraums“, betont er. Zudem nutzten auch traditionelle Übernachtungsbetriebe wie Ferienwohnungen oder Bed & Breakfasts Airbnb als Vertriebsweg.

Der Digitalverband Bitkom spricht sich ebenfalls dafür aus, dass die Politik die Akzeptanz für die neuen Formen des Reisens weiter erhöhen sollte. „Das gelegentliche Vermieten von privatem Wohnraum muss vom kommerziellen Ferienwohnungsbetrieb abgegrenzt werden“, fordert Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Seiner Ansicht nach sei es Verschwendung von Wohnraum, gelegentliches Vermieten zu verbieten.

Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Bitkom bieten derzeit zwölf Prozent der Internetnutzer in Deutschland ihre Räumlichkeiten zur kurzfristigen Untermiete an, Tendenz steigend. Laut Rohleder spielen für viele private Vermieter neben den finanziellen vor allem auch soziale Aspekte eine Rolle. Sie schätzten es etwa, Kontakt zu Reisenden zu knüpfen oder ihren Gästen Tipps zum Wohnort mitzugeben.