Mediziner testen Botox in der Borderline-Behandlung

Mediziner testen Botox in der Borderline-Behandlung

Eine Anti-Falten-Behandlung kann Patienten helfen, die an einer sogenannten Borderline-Störung leiden, berichtet die Medizinische Hochschule Hannover. Sie will die Wirkung der Botox-Injektionen nun genauer untersuchen.

Hannover. Eine Behandlung mit dem Anti-Falten-Medikament Botox kann Menschen helfen, die an einer Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs leiden, berichten Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule ( MHH) Hannover. "Botox hat zudem den Vorteil, dass seine Wirkung monatelang anhält", sagt Professor Dr. Tillmann Krüger.

Menschen mit der Borderline-Erkrankung haben extreme Stimmungsschwankungen. Sie sind impulsiv, stehen unter hochgradiger innerer Anspannung und verletzen sich oft selbst, so die MHH. In Deutschland seien etwa fünf Prozent der Bevölkerung betroffen. Drei Vierteln der Patienten könne heute geholfen werden, wenn sie sich auf eine umfassende Psychotherapie einlassen.

Die Wissenschaftler der MHH injizierten sechs Borderline-Patientinnen einmal Botox in die mittlere untere Stirn. Das habe ausgereicht, um ihren seelischen Zustand zu verbessern, berichtet die MHH. "Botox dämpft negative Emotionen und wirkt dadurch stabilisierend", erklärt Krüger. Es lähme die Muskeln zwischen den Augenbrauen, der Bereich, in dem sich negative Emotionen zeigen. Indem das Botulinumtoxin verhindere, dass diese Gefühle Ausdruck finden, wirke es offenbar wiederum auf die Intensität dieser Emotionen zurück.

"Gesichtsausdruck und psychisches Befinden sind eng verbunden", erläutert Dr. Marc Axel Wollmer von der Asklepios-Klinik Nord-Ochsenzoll. Die Ergebnisse sollen nun in einer Studie überprüft werden. Dass Botulinumtoxin gegen andere seelische Erkrankungen wirken kann, hatten die beiden Psychiater bereits vor einigen Jahren berichtet.

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