Massive Open Online Courses: Die Online-Universität für Zuhause

Massive Oopen Online Courses : Vorlesung im Wohnzimmer

Offene Onlinekurse machen Wissen jedermann zugänglich. Die Auswahl an Internetlehrgängen ist groß.

Das Jahr 1969 war geprägt von epochalen Ereignissen. Vor 50 Jahren flogen die ersten Menschen auf den Mond und beim Woodstock-Festival wurde Musikgeschichte geschrieben. Mit Willy Brandt hatte Deutschland erstmals einen Sozialdemokraten als Bundeskanzler. Deutscher Fußballmeister wurde – wen wundert‘s – Bayern München.

Doch kaum jemand weiß, dass vor 50 Jahren auch die Geburtsstunde des Internets schlug. Am 29. Oktober 1969 wurden in Kalifornien vier Computer zusammengeschaltet, eine Vernetzung, die sich „heute zu einer einmaligen, weltumspannenden Infrastruktur entwickelt hat“, erklärt Professor Christoph Meinel, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam. Aus diesem Anlass bietet das Institut einen offenen Kurs zum Thema „Die Technologie, die die Welt veränderte – 50 Jahre Internet“. Die Vorträge Lehrgang beschäftigten sich nicht nur mit der Geschichte des Internets und wie es im Verlauf der vergangenen fünf Jahrzehnte die Welt geprägt hat. Meinel geht auch der Frage nach, wie diese weltumspannende Informationsplattform 2069 – also 100 Jahre nach seiner Geburtsstunde – beschaffen sein könnte.

Diese und etliche weitere Lerneinheiten des Potsdamer Instituts stehen online jedem Wissbegierigen offen. Es reicht eine kurze Anmeldung auf dem Open Campus des HPI (open.hpi.de). Mit einem weiteren Klick wird bestätigt, dass man für den Kurs angemeldet ist und kann auf die Inhalte zugreifen.

Solche Bildungsangebote bieten auch viele andere Hochschulen und Institute an, die sich mit den unendlich vielen Facetten des Internets und anderen Themen beschäftigen. „Moocs“ heißen diese Lernwelten, bei denen der ganze Globus zum Hörsaal wird. Die Abkürzung steht für Massive Open Online Courses, internetbasierte Kurse, die sich an eine unbegrenzte Zahl von Teilnehmer richten und für alle offen und kostenlos sind.

Solche Lehrgänge sind strukturiert wie Vorlesungen oder Seminare an Hochschulen mit einem festen Start- und Enddatum. Die Kursmodule werden wöchentlich für den Lernenden freigeschaltet. Meist bestehen sie aus Videos, Skripts und Hausaufgaben oder Tests, in denen das Gelernte abgefragt wird. Von Vorteil ist, dass der Kursteilnehmer selbst entscheiden kann, wann er das bereitgestellte Material bearbeitet. Auch der Austausch mit anderen Teilnehmern über soziale Medien ist ausdrücklich gewünscht, um einen virtuellen Campus zu schaffen und weiterführende Lerninhalte zur Verfügung stellen zu können. Am Ende kann nach einer Abschlussprüfung ein Zertifikat erworben werden, das meist kostenpflichtig ist.

Etliche deutsche Hochschulen verfügen inzwischen über ein umfangreiches Onlinekurs-Angebot. So zum Beispiel die Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München mit Themen wie „Industrie 4.0: Den Wandel einleiten und erleben“, ein Kurs, der sich mit internetbasierten Fertigungstechniken der Zukunft beschäftigt.

Solche Seminare bieten auch Hochschulen an, die man nicht sofort auf dem Schirm hat. Beispielsweise die Leuphana Universität Lüneburg oder die Fachhochschule Lübeck. Die Universität des Saarlandes arbeitet in diesem Bereich mit dem Saarbrücker IT-Unternehmen IMC zusammen, das Lernsoftware entwickelt.

Offene Onlinekurse sind nicht auf Deutschland beschränkt. Interessierte können sich auch international anmelden, so zum Beispiel an den US-Eliteuniversitäten Harvard und Stanford. Eine Übersicht über solche Plattformen bietet die Seite www.bildungsserver.de.

Über das größte Angebot in Deutschland verfügt jedoch das HPI. Das Potsdamer Institut stellt nicht nur eine breit gefächerte Themenvielfalt zur Verfügung. Es betreibt auch die Plattform Mooc-House. Dort können Unternehmen und öffentliche Einrichtungen Kursinhalte bereitstellen, um ihre Mitarbeiter, aber auch Studierende oder andere Interessierte aus dem Umfeld zu unterrichten beziehungsweise weiterzubilden. Außerdem kooperiert das HPI mit der Kursplattform des Walldorfer Software-Riesen SAP. Das ist nicht weiter verwunderlich. HPI-Gründer Professor Hasso Plattner ist einer der Gründungsväter von SAP. Der Software-Konzern bietet dort Interessierten die Möglichkeiten, „sich zu den neuesten Innovationen der SAP auszubilden und zu lernen, wie man im digitalen Zeitalter besteht“, heißt es in der Eigendarstellung.

Zurück zum HPI-Kurs „50 Jahre Internet“. Der Lehrgang läuft sechs Wochen und endet am 8. Dezember. Die Teilnehmer erfahren, wie und warum sich das „Netz der Netze“ in den vergangenen fünf Jahrzehnten zum „unverzichtbaren Rückgrat der Gesellschaften“ entwickelt hat und heute vier Milliarden Menschen erreicht. Pro Woche sollten die Teilnehmer – je nach Vorwissen – drei bis sechs Stunden zum Lernen einplanen, rät Kursleiter Meinel. Hinzu kommt eine Stunde Bearbeitungszeit für die benotete Hausaufgabe. Wer ein qualifiziertes Zertifikat erwerben will, muss sich zusätzlich für die Abschlussprüfung anmelden, 59,50 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) zahlen – und: büffeln, büffeln, büffeln.

www.open.hpi.de

www.bildungsserver.de

mooc.house

open.sap.com

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