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Maßanzüge für den Mars

Maßanzüge für den Mars

Was trägt man künftig auf dem Mars? Die Antwort auf diese Frage wird für künftige Astronauten lebenswichtig sein. Sicher ist bereits: Mit den heutigen Modellen der Raumanzüge würden sie auf dem Roten Planeten nicht weit kommen.

Keine Frage: Der Beruf des Astronauten ist gefährlich. Doch dass zu den vielen Möglichkeiten, bei einer Weltraummission ums Leben zu kommen, auch das Ertrinken gehört, hätte wohl niemand erwartet. Doch genau das ist dem italienischen Esa-Astronauten Luca Parmitano beinahe widerfahren. Die Ursache war ein Fehler seines Raumanzugs.

Bei Reparaturarbeiten außerhalb der Internationalen Raumstation begann alles damit, dass der Esa-Astronaut Feuchtigkeit im Nacken spürte. Kurz darauf sah er freischwebende Wassertropfen im Helm. Es bildete sich ein dünner Wasserfilm auf der Innenseite des Visiers, das ihm die Sicht nahm. Die Nasa rief Parmitano sofort zurück. Als er in der ISS den Raumanzug auszog, hatte er bereits 1,5 Liter Wasser im Helm. Er habe befürchtet, beim nächsten Luftzug Flüssigkeit einzuatmen, beschrieb Parmitano später die Situation.

Fehler in der Klimaanlage

Wie sich herausstellte, stammte das Wasser aus dem Wärmeregulierungssystem des Raumanzuges. Wie und warum es in den Helm gelangte, blieb unklar. Seit der Panne im Juli 2013 wurde der Anzug noch mehrmals von Astronauten getragen - bis sich beim 35. Weltraumspaziergang des US-Flugingenieurs Timothy Kopra wieder Wassertropfen im Helm bildeten und wieder ein Außenbordeinsatz abgebrochen werden musste. Nun wird der Nasa-Anzug ausgetauscht. Ursprünglich ging die Nasa von 30 Jahren Haltbarkeit für diese Hightech-Anzüge aus, die eigentlich eine Mikro-Raumstation für eine Person sind. Die Panne in der Erdumlaufbahn war allerdings ein vergleichsweise harmloses Ereignis, wenn man auf die künftig geplanten Weltraumaktivitäten schaut. Bei einem Aufenthalt auf dem Mars könnten die Astronauten Raumanzüge nicht so einfach wechseln. Auf der extrem staubigen Marsoberfläche sind zudem völlig andere Weltraummonturen verlangt als in der Umlaufbahn. Die heutigen, 135 bis 165 Kilogramm schweren Anzüge für Außenbordtätigkeiten auf der ISS sind für den Mars-Einsatz ungeeignet, erklärt Parmitano. Auch wenn die Schwerkraft auf dem Mars nur 40 Prozent der irdischen beträgt, würde ein ISS-Anzug dort immer noch rund 60 Kilogramm wiegen.

Als im Jahr 2007 sechs Kosmonauten im russischen Zentrum für Biomedizinische Forschungen bei Moskau für eine 500-tägige Marsreise trainierten, hatten sie Prototypen eines künftigen Raumanzugs dabei. Er war so konzipiert, dass er die Raumfahrer nur mit 25 Kilogramm belastete. Zum Vergleich: Auf dem Mond hatten die Astronauten der Apollo-Missionen 15 Kilo zu tragen.

Noch nicht untersucht ist bisher die Frage, wie lange Marsanzüge den Umweltbedingungen auf dem Roten Planeten überhaupt trotzen könnten. Dazu zählen Staubstürme, die Nanopartikel in kleinste Poren eindringen lassen und Helmvisiere stumpf machen können. Die salz- und chlorhaltigen Substanzen im Marsboden zerfressen zudem gewöhnliche Textilien. Die Schneider künftiger Mars-Anzüge haben also jede Menge Arbeit vor sich.

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Erste Entwürfe der US-Raumanzüge für Mondmissionen der 1960er Jahre glichen einer Mülltonne mit Fenstern. Foto: Nasa Foto: Nasa

Hintergrund Raumanzüge sind praktisch kleine Raumfahrzeuge, die Menschen vor den extremen Temperaturschwankungen und der kosmischer Strahlung des Weltraums schützen sollen. Sie bestehen aus mehreren Gewebeschichten, festen Verbundwerkstoffen und Leichtmetallen. Die Beweglichkeit darin ist eingeschränkt. Astronauten vergleichen sie mit iner Ritterrüstung. An Bord der ISS stehen Astronauten und Kosmonauten Raumanzüge der Nasa und der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos zur Verfügung. Sie unterscheiden sich in der Konstruktion und der Haltbarkeit. Während die Nasa von einer Haltbarkeit von 30 Jahren bei regelmäßiger Wartung ausgeht, sieht Roskosmos einen Ersatz nach zehn Einsätzen vor. US