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Landung auf Lunas Rücken

Landung auf Lunas Rücken

Der Wettlauf der Supermächte in den 1960er Jahre zum Mond ist Geschichte. Nun hat China den Erdtrabanten als prestigeträchtiges Weltraumprojekt für sich entdeckt. Geplant ist die erste Landung auf der völlig unerforschten Mondrückseite.

Peking. Warum in die Tiefen Sonnensystems fliegen, wenn es noch so viele Geheimnisse im erdnahen Weltraum zu lüften gibt? Nach diesem Motto bereitet die chinesische Raumfahrtagentur neue Mondmissionen vor. Eine Reise zum Erdtrabanten gilt nach kosmischen Maßstäben als Kurzstrecke: Der Mond ist im Schnitt 384 000 Kilometer von uns entfernt. Zum Vergleich: Der Abstand zu den nächsten Planeten beträgt im günstigsten Fall 41 Millionen Kilometer (Venus). Mars kommt der Erde niemals näher als 78 Millionen Kilometer.

Da der Mond in sogenannter gebundener Rotation um die Erde kreist, wendet er uns immer dieselbe Seite zu. Die Rückseite des Erdtrabanten kennen wir deshalb erst seit 1959, als die russische Sonde Lunik-3 erstmals Fotos schickte. Niemals waren dort aber Roboter oder Astronauten am Boden.

Der Mond hat zwei Gesichter

Nun plant die chinesische Raumfahrtagentur eine Mission zur unerforschten Mond-rückseite. Wu Weiren, Chefingenieur des chinesischen Mondprogramms, berichtete im chinesischen Staatsfernsehen über Pläne der Mondmission Chang'e 4. Die Mondrückseite unterscheidet sich erheblich von der erdzugewandten Hemisphäre. Auf den Fotos der Rückseite fällt vor allem auf, dass dort die riesigen, mit erstarrter Lava gefüllten Formationen fast komplett fehlen. Der Mond hat also zwei Gesichter.

Es gibt Theorien zur Mond-entstehung, die erklären, wie es dazu kommen konnte. Doch um sie zu überprüfen, sind in jedem Fall Landungen auf der Rückseite notwendig. Nach diesen Theorien entstand der Mond in der Frühzeit unseres Sonnensystems, als sich die Planeten bildeten. Vor über vier Milliarden Jahren kollidierte die Erde nach diesen Vorstellungen mit einem Planeten , der etwa die Größe des Mars hatte. Aus der Trümmerwolke dieser Kollision bildeten sich mehrere Erdsatelliten, die am Ende zum Mond verschmolzen. Nach Computer-Simulationen der Universität von Kalifornien in Santa Cruz führte dabei die Kollision mit einem Brocken von der Größe des indischen Subkontinentes zu einer Verschiebung der da noch flüssigen Magma-Massen im Inneren des Ur-Mondes.

Das Magma wurde auf die dem Einschlag gegenüberliegende Seite des Mondes gedrückt, wo es sich wie eine Decke über die Krater legte und erstarrte. Die Erd-Gravitation bewirkte im Laufe vieler Jahrmillionen, dass sich die Rotation des Mondes um die Erde und die um seine Achse anglichen. Heute führt der Mond eine vollständige Umdrehung um sich selbst während eines Erdumlaufs aus. Die Seite mit der größeren Masse weist stets zur Erde - es ist die Seite mit den von Lava überzogenen Flächen.

Wie dick ist die Kruste des Mondrückens? Nachdem chinesische Forscher im Dezember 2013 einen fahrbaren Roboter namens Yutu ("Jade-Kaninchen") auf der Mondvorderseite absetzten, planen sie um das Jahr 2020 mit Chang'e 4 die erste Landung auf Lunas Rücken. Die Herausforderungen dieser Mission sind viel größer, weil es dabei keine direkte Funkverbindung zur Erde gibt. Der Landeapparat muss seine Daten über einen Relaissatelliten im Mond-Orbit übertragen. Als mögliches Ziel gilt der Tsiolkowski-Krater, der die Größe Bayerns hat. Bei Chang'e 5 ist dann vorgesehen, Mondmaterial zur Erde zu holen.

Nasa plant Observatorium

So sieht das Modell des Yutu-Roboters aus. Ein solches Fahrzeug soll auf der Mondrückseite landen. Foto: Seidenfaden. Foto: Seidenfaden
So soll die Mondsonde DARE aussehen, die nach elektromagnetischen Signalen aus dem All suchen soll. Foto: Nasa. Foto: Nasa
Diese Zeichnung zeigt ein Teleskop, das die US-Raumfahrtagentur Nasa auf Mond bringen möchte. Foto: JSC/Nasa. Foto: JSC/Nasa

Aus Messungen der Dicke der Gesteinskruste auf der Rückseite ließe sich die bisherige Theorie der Mondentstehung überprüfen, so die US-Planetenforscherin Maria Zuber vom Massachusetts Institute of Technology kürzlich im Journal "Earth Planetary Science Letters". Die Mondrückseite bietet sich darüber hinaus aber auch für astronomische Forschungen an. Denn hier könnten astronomische Geräte ohne jede Störung durch irdische Funkwellen auf allen Frequenzen auf schwache Signale aus dem Weltraum horchen. Die amerikanische Raumfahrtagentur Nasa plant deshalb für die fernere Zukunft ein Mondobservatorium namens DARE (Dark Ages Radio Explorer) auf der Mondrückseite.