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Heftige Kursschwankungen beim Bitcoin
Das Bankkonto fährt Achterbahn

Die Berg- und Talfahrt der Digitalwährung Bitcoin hält Anleger in Atem.
Die Berg- und Talfahrt der Digitalwährung Bitcoin hält Anleger in Atem. FOTO: dpa / Jens Kalaene
Saarbrücken. Der 26-jährige Luke Wells aus Saarbrücken hat Bitcoins gekauft. Trotz sinkender Kurse beweist er starke Nerven. Von Nina Scheid

In den vergangenen Monaten verging kaum ein Tag, an dem die Internet-Währung Bitcoin keine Schlagzeilen machte: Entweder stieg ihr Wert rasant an oder der Kurs stürzte drastisch ab. Experten warnen bereits seit geraumer Zeit vor einem Zusammenbruch des Marktes, und tatsächlich hat sich der Wert des Kryptogeldes zum Jahreswechsel fast halbiert. Wer hier investiert, braucht gute Nerven.


Trotzdem gibt es Menschen, die ihr Geld in digitalen Währungen anlegen. So wie Luke Wells. Der 26-jährige IT-Berater aus Saarbrücken hat seit Mitte Dezember rund 36 000 Euro in Kryptowährungen investiert. Den Großteil in Bitcoins, aber auch andere Währungen wie Ripple und IOTA waren dabei. Er stieg ein, als man für eine Bitcoin rund 13 000 Euro bezahlen musste. Unmittelbar darauf erreichte der Kurs sein Allzeit-Hoch von 16 000 Euro – nur um kurz darauf wieder abzusacken. Bis heute hat sich der Kurs nicht erholt. Im Gegenteil: Sechs Wochen nach dem bisherigen Höhepunkt ist eine Bitcoin weniger als die Hälfte wert.



36 000 Euro in ein Spekulationsobjekt wie Kryptowährungen zu investieren ist riskant: Seit Monaten warnen Banken und Wirtschaftsexperten davor, dass die Bitcoin-Blase platzen werde und es nur eine Frage der Zeit sei, bevor Anleger ihr Geld verlieren. Auch Luke Wells hat bislang herbe Verluste auf seinem Bitcoin-Konto. Eine solche Summe hat er nach eigener Aussage jedoch nicht leichtfertig ausgegeben: „Ich habe mich intensiv mit der Thematik der Kryptowährungen befasst, bevor ich investiert habe“. So habe er sich etwa im Vorfeld darüber informiert, welche Tauschbörsen das Digitalgeld anbieten und welche seriös seien, welche Internet-Währungen angeboten werden und wie ihre Verschlüsselungstechnik, die sogenannte Blockchain-Technologie, funktioniert.

Seit er Geld investiert hat, schaut Luke Wells täglich nach, wie der Kurs aktuell steht. Der studierte Betriebswirt erklärt, er habe zuvor noch nie in diesem Umfang investiert, auch nicht in Aktien. Trotzdem wittere er in Kryptowährungen nicht nur das schnelle Geld, so wie viele andere: „Es gibt zwei Gruppen von Anlegern: die, die vom rasanten Anstieg des Bitcoins gehört haben und jetzt möglichst schnell sehr reich werden wollen. Für die ist die ganze Sache nur ein Trend, den sie gerne mitmachen möchten. Und es gibt diejenigen, die wirklich an das Konzept der Digitalwährungen glauben“, so Wells.

Er selbst zählt sich zur zweiten Gruppe, denn er glaubt, dass sich der Kurs in den nächsten Jahren stabilisieren und sich das Digitalgeld als Alltagswährung etablieren könnte. Deshalb habe er nicht vor, seine Anteile zu verkaufen, selbst wenn der Bitcoin in den nächsten Wochen erneut Höhenflüge hinlegen sollte. „Irgendwann, wenn ich genug Gewinn gemacht habe, würde ich das Geld vielleicht dazu nutzen, ein Haus zu kaufen“, so Wells. Bis dahin mache er sich nicht allzu viele Sorgen über die aktuelle Kursentwicklung. Momentan sieht der IT-Berater keinen Grund, seine Bitcoins zu verkaufen.

Luke Wells beobachtet einen anderen Punkt kritisch: die Sicherheit. Er macht sich Sorgen, Opfer eines Hackerangriffs zu werden. Seine Anteile an verschiedenen Digitalwährungen kauft er am Computer. „Es wurden im Internet bereits so viele Bitcoins gestohlen“, sagt er. Er spielt auf Angriffe wie auf die einst größte Bitcoin-Börse Mt. Gox im Jahre 2014 an. Damals wurden laut Berichten des Computermagazins heise online rund 850 000 Bitcoins gestohlen, 200 000 wurden später „durch Zufall wieder gefunden“. Mt. Gox musste daraufhin Insolvenz anmelden, Tausende Nutzer blieben auf ihren Verlusten sitzen. Auch weitere Börsen-Webseiten und ihre Kunden wurden Opfer von Hackerangriffen, darunter beispielsweise Bitfinex, wo 120 000 Bitcoins gestohlen wurden, und Tether, die Verluste der gleichnamigen Digitalwährung im Gegenwert von rund 31 Millionen US-Dollar verzeichnete.

Um sich vor einem Diebstahl zu schützen, will Luke Wells bald in einen sogenannten Ledger investieren. Das Gerät, das wie ein gewöhnlicher USB-Stick aussieht, speichert Bitcoins und andere Währungen extern ab. Wer kein solches Gerät nutzt, erhält über sogenannte Online- oder Desktop-Wallets Zugriff auf seine Anteile. Beim Online-Wallet werden die Bitcoins über Anbieter wie etwa Coinbase verwaltet. Der Nutzer kann über Computer oder eine Smartphone-App jederzeit auf sein Digitalgeld zugreifen. Mit einem Desktop-Wallet sind die Anteile hingegen durch eine Software auf dem eigenen Computer gespeichert. Durch einen Ledger will Wells seine Bitcoins zumindest vor Hackerangriffen aus dem Internet schützen. Wer das Gerät verliert, hat dann aber auch keinen Zugriff mehr auf seine Bitcoins.

Wer sein Geld in Bitcoins steckt, geht also immer auch ein großes Risiko ein – nicht nur wegen der Gefahr, Opfer eines Hackerangriffs zu werden, sondern auch wegen der Kursschwankungen. Auf der Internetseite bitcoin.org wird ausdrücklich davor gewarnt, seine Ersparnisse in die Kryptowährung zu investieren. Dort heißt es: „Der Preis eines Bitcoins kann innerhalb kurzer Zeit unvorhersehbar steigen oder fallen, da das Wirtschaftssystem sehr jung ist und die Umsetzung neuartig (…) Deshalb ist es nicht zu empfehlen, Ersparnisse in Bitcoin anzulegen. Bitcoin sollte als risikoreiche Vermögensanlage betrachtet werden und Sie sollten niemals Geld in Bitcoin anlegen, dessen Verlust Sie sich nicht leisten können.“

Im Saarland können Bitcoin-Besitzer bislang in einem Geschäft mit dem Digitalgeld bezahlen. Dass sich das bald ändern wird, bezweifelt Luke Wells. Er sieht die Kryptowährungen zumindest noch nicht als alltägliches Zahlungsmittel. „Die Transaktionskosten sind mir viel zu hoch, als dass ich etwa den Pizzalieferanten damit bezahlen würde.“ Aus demselben Grund akzeptieren auch viele Internet-Firmen, wie beispielsweise der Online-Computerspielehändler Steam, Bitcoins nicht mehr als Zahlungsmethode. Das Geschäft lohne sich derzeit einfach noch nicht.