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Kritik, aber auch beruhigende Worte auf der DLD

Innovationskonferenz : Viel Kritik an US-Technikkonzernen auf Münchener Konferenz

Kritiker amerikanischer Technologieriesen haben auf der Innovationskonferenz Digital Life Design (DLD) in München eine grundlegende Neuordnung der Digitalwirtschaft gefordert.

Die Menschen sollten Eigentümer ihrer Daten sein. Die großen Konzerne, die das Internet beherrschen, müssten aufgespalten werden, sagte der Piraten-Politiker und Mitgründer der Seite Pirate Bay, Peter Sunde. Die philippinische Journalistin Maria Ressa warf Netzwerken wie Facebook vor, ihre Plattformen förderten den Aufstieg autoritärer Politiker.

Axel Voss (CDU), der eine zentrale Rolle bei der umstrittenen Reform des EU-Urheberrechts gespielt hatte, bemängelte unter anderem, dass aus Europa kein eigener Browser oder eine Internet-Suchmaschine komme. „Wenn Google morgen beschließt, seine Dienste für Europa abzuschalten, was würden wir auf dem Bildschirm sehen?“, fragte Voss. Sunde beklagte die Naivität der Web-Pioniere, die eine utopische Vorstellung von einem freien globalen Netz gehabt hätten. In Wirklichkeit habe sich herausgestellt, dass das Internet dann von wenigen großen Firmen kontrolliert werde.

Die Computerwissenschaftlerin Joy Buolamwini warnte, Diskriminierung und Rassismus im Alltag spiegelten sich auch in künstlicher Intelligenz wider und könnten bestehende Vorurteile verfestigen. Buolamwini hat in den USA eine Organisation gegründet, die sich dem Kampf gegen Ungerechtigkeit in Algorithmen widmet, die Algorithmic Justice League. „Ich wollte herausfinden, wie gut Programme zur Gesichtserkennung das Geschlecht erraten“, erklärt Buolamwini. Dabei sei herausgekommen, dass die Systeme bei schwarzen Frauen am schlechtesten funktionieren. Es gebe Anbieter, die ihre Fähigkeiten Behörden zur Verfügung stellen, um bestimmte ethnische Gruppen in Videos zu identifizieren. Auch das könne Rassismus fördern, sagte Buolamwini.

Eher beruhigende Worte zur Künstlichen Intelligenz fand Amazons Technikchef Werner Vogels. Er geht davon aus, dass lernende Computer noch lange auf menschliche Hilfe angewiesen sein werden. Das gelte sowohl für die Spracherkennung als auch maschinelles Lernen insgesamt, sagte Vogels in München. Um Computersysteme anzulernen, müssten Menschen zunächst 20 oder 30 Prozent der Daten für sie beschreiben. Dann analysieren die Maschinen auf dieser Basis den Rest. „Dieses Verhältnis kann sich mit der Zeit verschieben. Das Ziel ist natürlich, so viel wie möglich von diesem Prozess zu automatisieren.“ Die Menschen müssten trotzdem viele Fähigkeiten behalten. „Wenn die Autobatterie aufgibt und die Roboterwagen-Software sich abschaltet, sollte man besser in der Lage sein, selber zu fahren“, erklärte der Amazon-Technikchef.

(dpa)