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Kontakttagebücher sollen es erlauben, Infektionsketten nachzuverfolgen.

Kontaktverfolgung per App : Die wichtigste Waffe der Corona-Jagd

Kontakttagebücher sollen es im Fall einer Covid-19-Ansteckung erlauben, Infektionsketten lückenlos nachzuverfolgen. Jeder kann dabei helfen, in dem er seine Begegnugen mit anderen notiert. Verschiedene Apps sollen das vereinfachen.

Die Infektionszahlen in Deutschland sind mit Anbruch der kalten Jahreszeit stark angestiegen und damit auch die Gefahr, sich mit dem Corona-Virus unbemerkt zu infizieren. Das kann überall passieren – beim Einkaufen, bei einem Arztbesuch oder auch beim Spaziergang mit Freunden.Damit im Ernstfall alle Kontakte der vergangenen 14 Tage möglichst zügig an das zuständige Gesundheitsamt weitergeleitet werden können, rät der Virologe Christian Drosten bereits seit längerem dazu, ein Kontakttagebuch zu führen.

Stift und Papier sind dazu nicht unbedingt nötig – mittlerweile gibt es mehrere kostenlose Programme im Google Playstore und im Appstore von Apple, die unterstützen sollen, Aktivitäten und Begegnungen festzuhalten. Die SZ-Internet­redaktion hat eine Auswahl von kostenfreien Anwendungen für Smartphones zusammengestellt.

Cluster Diary: Einfacher Export

Mit einem Klick können Kontakte der letzten 14 Tage aus Cluster Diary exportiert werden. Foto: SZ

Einfach zu bedienen und gleichzeitig effektiv ist die App Cluster Diary, die für die Betriebssysteme iOS und Android angeboten wird. In einem digitalen Kalender können Nutzer unter jedem Tag eintragen, wem sie begegnet sind und wo sie sich aufgehalten haben. Zusätzlich gibt es die Option, alle Kontakte der vergangenen Tage in einer separaten Liste festzuhalten. Mit Zustimmung der Anwender kann die App auch auf das eigene Adressbuch zugreifen, um Kontakte direkt einzutragen. Kommt es zu einer Infektion, können die Daten der vergangenen 14 Tage mit einem Knopfdruck exportiert und an die zuständige Behörde weitergeleitet werden. Nach Angaben der Entwickler bleiben alle Daten ausschließlich auf dem Smartphone und werden weder verarbeitet noch extern gespeichert.

Kontakt-Tagebuch löscht Daten selbst

Die App Kontakt-Tagebuch erinnert den Nutzer täglich daran, die Datenbank zu pflegen. Foto: SZ

Die Anwendung Kontakt-Tagebuch für das Betriebssystem iOS kommt mit gleich zwei sehr nützlichen Funktionen: Zum einen haben Nutzer die Möglichkeit, per Push-Nachricht täglich daran erinnert zu werden, das Tagebuch zu pflegen. Zum anderen gibt es die Option, dass alle Einträge, die älter sind als 14 Tage, automatisch gelöscht werden – für die Nachvollziehbarkeit von Infektionen sind diese alten Einträge nicht mehr interessant. Eine Kalender-Funktion gibt es hier nicht, dafür eine Liste, die täglich aktualisiert werden kann. Auch bei dieser Applikation ist es möglich, die Daten zu exportieren. Das digitale Tagebuch zu nutzen, ist für Anwender mit keinen Kosten verbunden. Wer dem Entwickler eine Freude machen möchte, kann mit einem Klick 1,09 Euro als Dankeschön spenden.

Kontakttagebuch: Tägliche Erinnerung

Das Kontakttagebuch fragt ab, ob Nutzer sich drinnen oder draußen getroffen haben. Foto: SZ

Für Android gibt es das Kontakttagebuch, bei dem Nutzer ebenfalls eine tägliche Erinnerung zu einer individuell einstellbaren Uhrzeit aktivieren und Kontakte in einer Liste festhalten können. Bevor eine neue Begegnung abgespeichert werden kann, müssen Nutzer neben dem Namen der Beteiligten und dem Ort des Treffens angeben, ob die Begegnung in geschlossenen Räumen oder im Freien stattfand, ob genug Abstand eingehalten wurde und ob es sich bei dem Kontakt um einen Verwandten oder einen engen Freund handelt. Für eine Gruppenbegegnung gibt es ein separates Eingabefeld. Was bei der Nutzung dieser Anwendung etwas stört, ist die Werbung. Um die werbefreie Version nutzen zu können, müssen Nutzer 0,99 Euro zahlen.

Coronika informiert auch über Corona

Neben der Kontaktverfolgung gibt Coronika Tipps, was bei Krankheitssymp­tomen zu tun ist. Foto: SZ

Die App Coronika bietet nicht nur die Möglichkeit, Kontakte online festzuhalten und diese bei Bedarf schnell und einfach zu exportieren, sondern hebt sich im Vergleich mit ähnlichen Apps durch die Kategorie „Tipps“ ab. Dort können sich Anwender beispielsweise darüber informieren, wie sie ihre Hände waschen sollten und was bei Krankheitssymptomen zu tun ist. So soll die Ausbreitung des Virus reduziert werden. Außerdem gibt es bei dieser Anwendung mehrere Erinnerungsoptionen: Neben der täglichen Nachricht, das Tagebuch zu aktualisieren, gibt es die Möglichkeit, sich an das Desinfizieren des Smartphones und das regelmäßige Händewaschen erinnern zu lassen. Allerdings steht diese App nur für Android und nicht für iOS zur Verfügung.

Contact Diary sperrt Fremde aus

Neue Einträge können Contact Diary mit der Sprachassistentin von Apple diktiert werden. Foto: SZ

Eine weitere nützliche Anwendung für iOS-Nutzer ist das Contact Diary. Um Kontakte einzutragen, müssen Nutzer die App nicht einmal öffnen, sondern einfach nur Siri, der Sprachassistentin von Apple, einen vorher festgelegten Kurzbefehl diktieren. Schon wird der Eintrag automatisch angelegt. Damit niemand anderes als der Besitzer des Smartphones Zugriff auf das Tagebuch hat, gibt es die Option, die App mit der Gesichtserkennung oder dem Fingerabdruck zu öffnen. Außerdem können Nutzer einstellen, dass Begegnungen, die länger als 30 Tage zurückliegen, automatisch gelöscht werden. Kommt es zu einer Infektion, kann die Liste mit Kontakten schnell und einfach per E-Mail verschickt werden, damit die Behörden die Infektionskette rückverfolgen können.