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Konkurrenz für .com und .de

Konkurrenz für .com und .de

Wer eine eigene Webseite mit exotischer Endung betreiben will, zahlt dafür teilweise das Zehnfache der durchschnittlichen Kosten. Denn große Domains wie .de sind meist günstiger als kleine. Dennoch zahlen manche Nutzer gerne den höheren Preis.

Den Anfang machte die Hauptstadt: Als erste Stadt weltweit ging Berlin im März mit einer eigenen Internetdomain an den Start. Rund 40 000 Internetadressen sind inzwischen für die Endung .berlin registriert. Längst haben andere Städte und Regionen nachgezogen. Die Endung .hamburg ging am Mittwoch ans Netz. Für .saarland können sich Firmen seit Juli registrieren lassen, ab Ende Oktober können Privatleute ihre Webseite mit der neuen Endung anmelden.

Vergeben werden sogenannte Toplevel Domains (TLD) wie .berlin von der Internet-Organisation Icann, die seit 1998 die begehrten Kürzel verwaltet. Eine zentrale Verwaltung der TLD ist nötig, um Dopplungen zu vermeiden: Das Internet funktioniert nur, wenn Adressen weltweit einmalig sind. 2013 hat die Icann die Vergabe neuer Toplevel-Domains eingeleitet. Seither gibt es reichlich Konkurrenz für die klassischen Endungen wie .com, .de oder .fr. Exakt 581 Adressendungen gibt es mittlerweile, von ".ac" (die Endung für den Inselstaat Ascension) bis ".zw" für Simbabwe. Dazwischen tauchen auch jene Domain-Endungen auf, die keinem Land zuzuordnen sind. Die bekannteste dürfte wohl .com sein, mittlerweile gehören aber auch Exoten dazu, etwa .coffee, .kaufen oder .vodka.

Genauso groß wie die Auswahl ist auch die Preisspanne. Beim Anbieter 1und1 kostet eine .de-Domain 99 Cent im Monat, wer dagegen eine .to-Domain registriert, zahlt mehr als das Zehnfache. 14,99 Euro monatlich wird für das Kürzel des Inselstaats Tonga verlangt.

Ein Grund für die enormen Preisunterschiede , so Stefanie Welters vom Deutschen Network Information Center (Denic), sei die unterschiedliche Auslastung: Toplevel-Domains mit mehr als 15 Millionen Adressen seien für die Anbieter im Unterhalt günstiger, als kleine Domains wie .berlin, die bisher erst rund 40 000 Mal registriert wurden. Der Denic verwaltet die deutsche Adressendung .de. "In unserem Fall sind die Fixkosten pro Adresse deutlich geringer als für kleinere Domains mit weniger Nutzern wie .saarland", sagt Welters.

Ein weiterer Grund für die Kostenunterschiede sind die Verwaltungsstrukturen der Domains in verschiedenen Ländern. Während der Denic in Deutschland als Genossenschaft nicht profitorientiert arbeitet, haben andere Staaten die Verwaltung ihrer länderspezifischen Adressendungen in die Hände von Firmen gegeben. Die verlangen höhere Einkaufspreise von den Domainanbietern - Kosten, die dann an den Kunden weitergereicht werden.

Die technische Funktion des Domainsystems ist schnell erklärt: Es verhindert, dass sich die Nutzer die komplizierten Ziffernkürzel merken müssen, die tatsächlich für die Adresse eines Computersystems im Internet stehen. Organisationen wie Denic sorgen dafür, dass Buchstaben und Zifferncodes fehlerfrei zusammengeführt werden.

Viele Nutzer zahlen gerne den höheren Preis, denn manch teure Domain bietet auch Vorteile. Snobs werden sie sich zulegen, weil sie exklusiver wirken. Es gibt auch andere Motive. So sei es nahezu unmöglich, die Person zu finden, die hinter einer .to-Domain steckt, erklärt Thomas Hoeren, Professor für Medienrecht an der Uni Münster. "Man muss in jedem Einzelfall auf Auskunft klagen, wobei die Durchsetzung entsprechender Urteile im Ausland nicht funktioniert", erklärt er.

Manchmal führen aber auch ganz banale Gründe zu einer exotischen Adressendung. So verwenden Fernsehsender gerne das länderspezifische Kürzel .tv des Inselstaats Tuvalu.

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Auf einen Blick:Bevor neue Internetadressen öffentlich angeboten werden, haben Markeninhaber Zeit, sich ihre geschützte Adresse zu sichern. Die neue Endung .saarland ist zum Beispiel erst ab dem 30. Oktober für jeden verfügbar. Die Domain kostet zwischen 20 und 25 Euro pro Jahr. Eine Liste der Anbieter und weitere zur Registrierung notwendige Infos finden Nutzer auf der Seite des Vereins dotSaarland e.V. lip
www.nic.saarland