Komplizierte Partnerwahl

Komplizierte Partnerwahl

Knapp die Hälfte der weiblichen Berggorillas bleibt ihr ganzes Leben ihrer Geburtsgruppe treu. Sie leben damit immer mit ihren Vätern zusammen, häufig dominante Männchen der Gruppe. Um Inzucht zu vermeiden, nutzen die Weibchen einen einfachen Trick.

Linda Vigilant ist eine Expertin für Berggorillas. Seit 1999 untersucht die Genetikerin des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Ruanda immer wieder Kotproben von Menschenaffen. Es ist der einzig mögliche Gentest, um bei den 97 Tieren, die sie untersucht, die Vaterschaft zu bestimmen. Ein anderer Vaterschaftstest kommt bei einem bis zu 200 Kilogramm schweren Gorilla kaum in Frage.

Die Forscherin fand heraus, dass sieben von zehn Nachkommen einer Gorilla-Gruppe, in der mehr als ein Männchen lebt, vom dominanten Alpha-Männchen gezeugt wurden. Das war zu erwarten, deckt es sich doch mit den Beobachtungen der Wissenschaftler zum Sexualverhalten der Tiere. Weit interessanter war jedoch, dass das Alpha-Männchen einer Gruppe niemals Vater eines Nachkommens der eigenen Tochter war. Das führt zur Frage: Woher wissen Väter und Töchter um ihre Blutsverwandtschaft?

Obwohl weibliche Gorillas viel kleiner sind als männliche, spielen sie die aktive Rolle bei der Partnerwahl , und die Initiative zum Geschlechtsverkehr geht häufig von den Weibchen aus, erläutert das Max-Planck-Institut. Doch gerade Töchter dominanter Männchen wählen, wenn es um die Fortpflanzung geht, ganz gezielt niederrangige Männchen ihrer Gruppe aus, die darüber hinaus wesentlich jünger als ihre Väter sind, so die Forscherin. Dominante Männchen bevorzugen als Partnerinnen wiederum ältere Weibchen, die bereits erfahrene Mütter sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass unter diesen Umständen ein dominantes Männchen Nachwuchs mit der eigenen Tochter zeugt, sei damit praktisch gleich Null.

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