Kinder kommen immer früher mit Smartphones und dem Internet in Kontakt

Smartphone nicht zu früh nutzen : Die Gefahren für junge Handynutzer

Kinder gehen ihre ersten Schritte im Internet oft schon im Grundschulalter. Die Risiken müssen den Eltern bewusst sein.

Das Smartphone gehört für viele Kinder schon in frühen Jahren zum Alltag. Mehr als jedes zweite Kind zwischen sechs und sieben Jahren nutzt zumindest ab und zu ein Smartphone. Das hat eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter 900 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren ergeben. Vor fünf Jahren sei es erst jedes fünfte Kind gewesen. Ab zehn Jahren ist das Smartphone laut Bitkom ein Muss. Drei von vier Kindern haben in diesem Alter bereits ein eigenes Gerät. Tablet-Computer seien vor allem bei den Kleinen gefragt. Acht von zehn der Sechs- bis Siebenjährigen nutzen Tablets zumindest gelegentlich, bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren seien es nur 53 Prozent.

Dabei sei das Telefonieren gar nicht das Wichtigste, so die Erhebung. 90 Prozent der Zehn- bis 18-jährigen Handynutzer streamen auf ihrem Handy Musik, 87 Prozent sehen sich darauf Videos an. Mehr als drei Viertel nutzen die Kamera für Fotos oder drehen eigene Videos, 60 Prozent seien damit in sozialen Netzwerken unterwegs. Mehr als die Hälfte der Befragten sagt, ein Leben ohne Handy können sie sich nicht mehr vorstellen. Im Elternhaus müssen viele aber zwischendurch auf das Gerät verzichten. Für zwei Drittel gelte zu Hause in bestimmten Situationen Handyverbot, so Bitkom.

Dass die moderne Technik immer früher bei den Kindern ankommt, hält Iren Schulz, Mediencoach bei der Initiave „Schau Hin!“ für problematisch. Ganz vom Smartphone und dem Internet fernhalten können Eltern ihr Kind nicht, sagt die Medienpädagogin. „Kinder sind sehr neugierig, sie gehen immer unbedarft auf die Dinge zu. In der Schule kommt der Druck durch die Mitschüler hinzu. Wenn alle anderen ein Smartphone haben, ist es schwer, dem eigenen Kind nicht auch eines zu kaufen“, so Schulz. Jedoch sollen die Eltern immer genau darauf achten, was ihr Kind im Netz tut. „Im Internet stoßen Kinder sehr schnell auf verstörende Inhalte, seien es Gewalt, Pornographie oder extreme politische Meinungen.“

Daher rät die Pädagogin, das Kind mit dem Smartphone oder Tablet-Computer nicht alleine zu lassen, sondern sich zu ihm zu setzen und ihm alles Schritt für Schritt zu erklären. Dabei sollen Eltern darauf achten, dass das Kind nicht stundenlang auf den Bildschirm starrt. Die Pädagogin rät außerdem, klare Grenzen zu setzen und Zeiten festzulegen, zu denen das Kind die Geräte benutzen darf. Dabei sollen die Eltern auch ihre Vorbildfunktion nicht vergessen, so Schulz. „Wer seinem Kind sagt, es solle nicht so viel Zeit mit dem Smartphone verbringen, sollte sich auch selbst daran halten und die eigene Nutzung des Geräts einschränken“, erklärt die Pädagogin.

Die meisten Kinder machen schon früh ihre ersten Schritte im Netz. Von den Sechs- bis Siebenjährigen nutzen laut Bitkom bereits 40 Prozent zumindest gelegentlich das Internet. Ab zwölf Jahren sind dann fast alle (97 Prozent) online. Mit Abstand am beliebtesten ist dabei, Videos zu schauen, sowohl bei den jüngeren Internetnutzern ab sechs Jahren (87 Prozent) als auch bei den Jugendlichen ab 16 Jahren (93 Prozent).

Drei von vier jugendlichen Internetnutzern zwischen 16 und 18 Jahren sind in sozialen Netzwerken aktiv und recherchieren Informationen rund um Schule und Ausbildung. Zwei Drittel hören Musik über das Internet und suchen nach Infos zu persönlichen Interessen. Ein Drittel der 16- bis 18-Jährigen kauft bei Onlinehändlern ein.

Für Kurznachrichten liegt Whatsapp in allen Altersklassen an der Spitze. Bei den Zehn- bis Elfjährigen ist die App TikTok, mit der Nutzer kurze Videos anfertigen und untereinander austauschen können, das beliebteste Netzwerk. Ein Viertel dieser Altersgruppe nutzt die App bereits. Ab dem zwölften Lebensjahr wird die Foto- und Videoplattform Instagram immer wichtiger. Unter den Zwölf- bis 13-Jährigen nutzen 44 Prozent die Plattform, bei den 14- bis 15-Jährigen sind es schon 70 Prozent, bei den 16- bis 18-Jährigen 73 Prozent. Auf Facebook sind zwei von vier der 16- bis 18-Jährigen unterwegs.

Wann sollten Kinder frühestens Smartphone und Internet nutzen? „Kinder im Grundschulalter sollten nicht unbeaufsichtigt im Netz unterwegs sein, ob mobil oder zu Hause“, sagt Medienpädagogin Schulz. Wenn Eltern nicht umhin kommen, dem Kind ein Handy zu kaufen, sollen sie dessen Nutzung einschränken. Das Kind solle weder eine Internet-Flatrate haben noch auf dem Gerät Käufe tätigen können. „Bis sie zwölf Jahre alt sind, können Kinder nicht verstehen, in was für einer Welt sie sich im Internet bewegen. Ihnen ist nicht klar, dass sie mit einem Klick Geld ausgeben oder Informationen von sich preisgeben können, die dann für immer im Internet bleiben.“

Zwei von fünf Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren geben an, dass sie bereits negative Erfahrungen im Web gemacht haben. Von den Älteren ab 16 bestätigen 22 Prozent, dass sie im Internet Dinge gesehen haben, die ihnen Angst gemacht haben. Bei den 14- bis 15-Jährigen sagt dies ein Viertel. Auch mit Beleidigungen und Mobbing im Netz sind einige in Berührung gekommen. Im Durchschnitt berichten 14 Prozent der Befragten ab zehn Jahren über solche Erfahrungen. Doch viele Kinder und Jugendliche sind der Meinung, dass sie sich verantwortungsbewusst im Internet bewegen. Zwei Drittel der Internetnutzer zwischen zehn und 18 Jahren achten laut der Bitkom-Umfrage darauf, welche Informationen sie über sich selbst ins Internet stellen. Und mehr als die Hälfte glaubt, sie habe im Blick, welche Informationen über sie im Internet sichtbar sind.

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