Keine Experimente: Die neuesten iPhones bieten nichts Neues

Keine Experimente : Die neuesten iPhones bieten nichts Neues

Apple wagt mit seinen Smartphones keine Experimente. Die Konkurrenz hat inzwischen Exotischeres im Angebot.

Ein neues Jahr, ein neues iPhone. Die Präsentation der jüngsten Modelle am Dienstagabend hat gezeigt, dass der US-Technikkonzern auf Altbewährtes setzt und wenig Neues wagt. Bessere Kameras, schnellere Prozessoren, schärfere Bildschirme. Von radikaleren Ideen wie faltbaren Smartphones oder dem Einsatz des neuen, schnelleren Mobilfunkstandards 5G lässt das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino vorerst die Finger.

Das iPhone 11, das als Einstiegsmodell das aktuelle iPhone XR ersetzt, bekommt unter anderem einen Nachtmodus, der für gute Bilder bei dunklen Lichtverhältnissen sorgen soll. Und zum ersten Mal bekommt auch das günstigste iPhone-Modell eine Doppelkamera, die beispielsweise Weitwinkelaufnahmen ermöglicht.

Die Nachfolger der aktuellen Top-Modelle iPhone XS und XS Max tragen die Namen iPhone 11 Pro und Pro Max. Die Geräte verfügen nun über drei Kameraobjektive auf der Rückseite – mittlere Brennweite, Teleobjektiv und Ultra-Weitwinkel. Bei den Pro-Modellen sollen besonders hochwertige Aufnahmen durch die Auswertung mehrerer Bilder entstehen. Die Kameras nehmen dafür neun Fotos mit verschiedenen Einstellungen auf und setzen daraus ein Bild zusammen.

Das iPhone 11 kostet in Deutschland ab 799 Euro mit 64 Gigabyte Speicher und ist damit 50 Euro billiger als das XR bei seiner Einführung vor einem Jahr. Das Pro verkauft Apple ab 1149 Euro und das Pro Max ab 1249 Euro. Damit sind die Preise der Top-iPhones stabil geblieben. Die neuen Modelle kommen am 20. September auf den Markt.

Apple hat auch andere Neuerungen angekündigt, darunter neue Ausführungen der Computeruhr Apple Watch und des Tablet-Computers iPad. Auch diese Modelle bieten allesamt nur kleine Neuerungen. Die neuen Uhren kommen ebenfalls am 20. September auf den Markt. Das neue Einstiegsmodell des iPad-Tablets soll unter anderem einen etwas größeren Bildschirm bekommen.

Der Apple-Konzern hat immer mehr mit zurückgehenden Verkäufen seines wichtigsten Produktes, des iPhones, zu kämpfen. Besonders der chinesische Huawei-Konzern macht anderen Smartphone-Herstellern die Kunden streitig. Laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens IDC verkaufte Huawei im ersten Quartal dieses Jahres 59 Millionen Handys, gut 50 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das bringe das Unternehmen auf einen Marktanteil von 19 Prozent. Beim koreanischen Technikkonzern Samsung sanken die Smartphone-Verkäufe IDC zufolge im Jahresvergleich um acht Prozent auf knapp 72 Millionen Geräte. Bei Apple sei der iPhone-Absatz sogar um 30 Prozent auf 36 Millionen Geräte eingebrochen.

Hinzu kommt, dass auch günstigere Smartphones immer öfter mit Funktionen aufwarten können, die lange teureren Geräten vorbehalten waren, stellt das Marktforschungsinstitut Gartner fest. Daher haben Nutzer kaum einen Grund, sich ein teureres Gerät zuzulegen. Deshalb behalten Nutzer ihre Mobiltelefone immer länger. Derzeit seien es im Durchschnitt 2,6 Jahre und bis 2023 dürfte die Zeitspanne auf 2,8 Jahre wachsen, so das Marktforschungsinstitut. Für immer mehr Handynutzer spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Produkte wie das Fairphone versprechen, dass die Geräte ohne Ausbeutung von Arbeitern und ohne Schaden für die Umwelt hergestellt werden.

Auch steigen die Preise bei den Top-Smartphones immer weiter. Wer das beste Gerät eines Herstellers haben möchte, muss inzwischen weit mehr als 1000 Euro ausgeben. Die faltbaren Smartphones von Samsung und Huawei schlagen sogar mit über 2000 Euro zu Buche. Auf solche ungewöhnlichen Konzepte verzichtet Apple auch bei seiner neuesten Smartphone-Generation. Im Gegensatz zu den Geräten der Konkurrenz aus Fernost erhalten iPhone-Nutzer auch fürs Erste keinen Zugang zu dem neuen Mobilfunkstandard 5G. Allerdings gibt es in Deutschland derzeit ohnehin nur wenige Antennen-Standorte, die bereits mit 5G funken. Laut Gartner werden Smart­phones mit 5G-Technik im nächsten Jahr erst sechs Prozent aller verkauften Geräte ausma­chen. Den Durchbruch für die Technologie erwarten die Analysten erst 2023.

Samsungs Galaxy Fold lässt sich vom Smartphone zum Tablet-Computer aufklappen. Foto: dpa-tmn/Zacharie Scheurer
Geräte wie das Fairphone sollen umweltverträglich hergestellt worden sein. Foto: dpa-tmn/Christoph Dernbach

Daher setzt Apple immer mehr auf verschiedene Online-Dienste, um den Umsatz anzukurbeln. Mit Apple Music ist das Unternehmen auf dem Musikmarkt bereits etabliert. Mit dem Streamingdienst Apple TV Plus will der Konzern exklusive Filme und Serien anbieten. Erste Produktionen sollen am 1. November verfügbar sein. Ein Abonnement werde in Deutschland 4,99 Euro im Monat kosten. Damit unterbietet Apple die Konkurrenz. Im günstigsten Abo zahlen Nutzer bei Netflix, einem der weltweit größten Streamingdienste, 7,99 Euro im Monat. Mit Apple Arcade will der iPhone-Konzern auf dem Videospielmarkt mitmischen. Das Abo soll ebenfalls 4,99 Euro im Monat kosten und am 18. September starten.

(dpa)
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