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Kein Anschluss an diesem Gerät

Smartphones und Kopfhörer : Kein Anschluss an diesem Gerät

Wer alte Kopfhörer mit neueren Smartphones nutzen will, hat oft ein Problem: Immer mehr Modelle verzichten auf die bisher verbreiteten Buchsen für Klinkenstecker. Ein Neukauf ist jedoch nicht unbedingt erforderlich.

Wer sich heutzutage Kopfhörer für sein Smartphone kaufen will, muss auf den Anschluss achten: Immer mehr Geräte kommen ohne die runde Buchse für 3,5-Milimeter-Miniklinkenstecker aus. Wer an Apples iPhones seit dem iPhone 7 einen Kopfhörer anschließen will, braucht beispielsweise ein digitales Modell mit sogenanntem Lightning-Anschluss. Auch Googles neue Pixel-2-Smartphones oder Motorolas Z2 Force haben nur noch einen ovalen „USB-C“-Anschluss, in den keine Klinkenstecker passen.

Wer auf ein solches Smartphone umsteige, müsse sich jedoch nicht zwangsläufig neue Kopfhörer kaufen, sagt Jan Plogsties, Audiospezialist beim Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen. Denn mit einem Adapter könnten die alten analogen weitergenutzt werden. Bei der Tonqualität mache dies kaum einen Unterschied. Hersteller wie Apple, Google oder Motorola legten ihren klinkenlosen Smartphones gleich passende Adapter bei.

Hierzulande wurden laut Home Electronics Markt Index Deutschland (HEMIX) in den ersten drei Quartalen des letzten Jahres rund 8,4 Millionen Kopfhörer verkauft. Trotz zunehmender Verbreitung der neuen Anschlüsse raten sowohl Plogsties als auch Hartmut Gieselmann von der Fachzeitschrift „c’t“ zu Kopfhörern mit Klinkenstecker und dem Einsatz eines Adapters, um sich nicht zu sehr einzuschränken. Ein Kopfhörer mit Lightning-Stecker könne beispielsweise ausschließlich mit Apple-Geräten genutzt werden. Gieselmann rät iPhone-Besitzern, die trotzdem auf ein Modell mit digitalem Anschluss umsteigen wollen, darauf zu achten, dass der Kopfhörer das „MFI“-Logo von Apple trägt. „Das ist eine Garantie dafür, dass der Kopfhörer mit iPhone-Modellen kompatibel ist“, so Gieselmann. Bei USB-C-Modellen für Android-Smartphones gebe es solch ein Siegel hingegen nicht.

Eine weitere Möglichkeit, solche Anschlussprobleme zu umgehen, sind Kopfhörer mit kabelloser Übertragung, etwa mittels Bluetooth. Allerdings, schränkt Plogsties ein, sei das aktuell verbreitete drahtlose Übertragungsverfahren nicht sehr effizient. Die Verbindung könne leicht gestört werden und eine Nutzung so stark einschränken. Außerdem müsse ein zusätzliches Gerät mit Strom versorgt werden, denn auch die Kopfhörer selbst müssen bei dieser Variante aufgeladen werden.

Auch sind laut der Experten die drahtlosen Modelle in der Regel deutlich teurer als die Kabelvarianten. Rund die Hälfte des Kaufpreises gehe für die kabellose Übertragung drauf, schätzt Gieselmann. Bei vielen Modellen müssten Nutzer außerdem Einbußen bei der Klangqualität hinnehmen.

Sowohl Gieselmann als auch Plogsties raten bei dieser Variante zu Modellen, die Musik über das sogenannte aptX-Verfahren ans Smartphone senden. Denn Musikdateien müssen komprimiert werden, damit sie kabellos übertragen werden können. Das trifft zwar auch auf den aptX-Übertragungsweg zu, die anschließende Dekomprimierung der Dateien ermöglicht aber eine fast verlustfreie Übertragung der Audiosignale. Dies führt den Experten zufolge zu einer deutlich besseren Klangqualität. Nutzer müssen sich dafür beim Kauf eines neuen Smartphones oder neuer Kopfhörer vergewissern, dass beide Geräte aptX unterstützen. Das lässt sich an einem entsprechenden Symbol auf der Packung oder in den Datenblättern des Gerätes erkennen. Unterstützen beide Geräte aptX, wird es automatisch aktiviert.

Für Smartphone-Hersteller hat es vor allem finanzielle Vorteile, den analogen Kopfhöreranschluss Schritt für Schritt zu verdrängen: „Die Hersteller erschließen sich so ein neues Lizenz- und Einnahmeprogramm“, so Plogsties. Apple etwa verdiene an jedem mit dem MFI-Siegel versehenen Gerät mit.

Trotzdem könnten die digitalen Schnittstellen laut der Experten auch für Verbraucher künftig Vorteile haben. So könnte etwa das Telefon bald den Kopfhörer erkennen und den Ton dementsprechend anpassen.