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Riesige App-Auswahl
Geburtstage vergessen war gestern

Ein digitaler Kalender ist deutlich übersichtlicher sein als ein vollgekritzelter Papier-Begleiter, zumal Nutzer auf dem Handy die Wahl zwischen Monats-, Wochen- und Tagesansicht haben.
Ein digitaler Kalender ist deutlich übersichtlicher sein als ein vollgekritzelter Papier-Begleiter, zumal Nutzer auf dem Handy die Wahl zwischen Monats-, Wochen- und Tagesansicht haben. FOTO: dpa-tmn / Robert Günther
München/Hannover. Handy-Kalender sind übersichtlich und erinnern an alle Termine. Einige Apps werben auch mit ausgefalleneren Funktionen. Von Pauline Sickmann

Ein klassischer Terminkalender bietet spätestens am Jahresende einen hässlichen Anblick. Der Einband ist abgegriffen, die Einträge unleserlich. Wer vom analogen auf einen digitalen Kalernder umsteigt, hat’s leichter. Zu den Vorteilen gehören die einfache Handhabung, Erinnerungsfunktionen und Schnittstellen zu anderen Diensten.


„Digital lässt sich ein Termin leicht löschen oder verschieben“, sagt Jörg Geiger vom Technikmagazin „Chip“. Außerdem lassen sich die Terminkalender über das Internet synchronisieren, das heißt sie sind auch auf dem Heimrechner oder dem Tablet immer aktuell.

Als Standardanwendungen sind Kalender bei Betriebssystemen wie Windows, iOS, Android und MacOS vorinstalliert. Die Programme bieten eine Reihe nützlicher Funktionen, wie sich wiederholende Termine und Erinnerungen, verschiedene Darstellungsformen oder etwa die Verknüpfung mit Google Maps. Auch das Anlegen mehrerer Kalender ist bei den meisten mitgelieferten Anwendungen möglich. Ehepaare können so zum Beispiel ihre beruflichen Termine separat von den Familienaktivitäten eintragen. Die Termine können auch per E-Mail an anderen versandt werden.



Doch der Markt für Kalender-­Apps ist riesig: Wer neben seinem ­iCloud- oder Google-Konto weitere E-Mail-Adressen nutzt, kann etwa die dort integrierten Kalender verwenden. In den App Stores gibt es zudem jede Menge Anwendungen für unterschiedliche Bedürfnisse. Während einige stark an den Papierkalender angelehnt sind, verfolgen andere ungewöhnlichere Ansätze.

So steht bei der App Time Tree die gemeinsam verbrachte Zeit mehrerer Personen im Mittelpunkt der Planung. Dadurch haben beispielsweise Familien Überblick über die Termine jedes Mitglieds. Außerdem enthält die App einen integrierten Chat.

Der Business Calendar 2 ist mit 4,75 Euro in der Pro-Version recht teuer, verfügt aber über besonders viele Funktionen. Durch diese lasse sich viel Arbeit ersparen, sagt Geiger. So gebe es die Möglichkeit, neben Terminen auch To-do-Listen anzulegen. Die Aufgaben darauf ließen sich in Unteraufgaben aufteilen und nach Dringlichkeit sortieren. Eine Wettervorhersage ist ebenfalls integriert.

Die 5,49 Euro teure App ­Fantastical 2 für iOS ist unkonventionell: Termine und Aufgaben können diktiert werden. Tippt oder sagt der Nutzer „Mittagessen mit Laura morgen um 14 Uhr“ generiert die App den Termin.

Cornelia Dlugos vom Magazin „t3n“ erwartet, dass es in Zukunft immer mehr Programme geben werde, die mit Spracheingabe umgehen können. Alexa, Siri und andere Sprachassistenten würden zudem stetig weiterentwickelt und daher künftig immer besser funktionieren.

Noch können sich Nutzer allerdings nicht hundertprozentig auf die Spracherkennung der Assistenten verlassen. Ein Kontrollblick verhindert Missverständnisse und Terminkollisionen. Zuverlässiger ist die Eingabe am Rechner. „Dort hat man den größten Bildschirm und deshalb den besten Überblick“, sagt Geiger. Gerade bei langfristiger Planung sei es hilfreich, einen PC zu verwenden.

Wichtig ist jedoch nicht nur die App, sondern auch das verwendete Dateiformat, sagt Alexander Kuch vom Telekommunikationsportal „teltarif.de“. Über die Formate CalDAV und iCal ließen sich unabhängig von einzelnen Herstellern wie Google oder Apple Kalenderdaten austauschen. Auch der Microsoft-Exchange-Standard werde von fast allen Kalenderprogrammen akzeptiert. „Bei der Wahl einer Kalender-App sollte man also darauf achten, dass diese mindestens einen der genannten Standards unterstützt“, rät Kuch.

Generell ist auch möglich die Kalender ohne Internetverbindung zu nutzen. Die Termine würden dann ausschließlich auf dem jeweiligen Gerät gespeichert, erklärt Kuch. Das garantiere Datenschutz, sofern das Smartphone nicht verloren gehe. Andererseits hätten Nutzer in diesem Fall von anderen Geräten keinen Zugriff. Ein Nachteil der Online-Synchronisation sei, „dass die Anbieter theoretisch die Kalenderdaten mitlesen können“, so Kuch.

Generell empfehle es sich, bei einer Kalender-App darauf achten, welche Zugriffsberechtigung diese fordert, rät Dlugos: „Benötigt eine App etwa Zugriff auf die Anrufliste, ohne eine Funktion zu bieten, die die Liste nutzt, sollte man sich nach einer Alternative umschauen.“