| 12:44 Uhr

Fernsehen via Internet
Kabel und Sat-Schüssel war gestern

Das klassische Fernsehprogramm kann auch auf einem Smartphone oder Tablet laufen.
Das klassische Fernsehprogramm kann auch auf einem Smartphone oder Tablet laufen. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Hannover/Mainz. Fernsehen kann auch über das Internet empfangen werden. Je nach Anbieter sogar unterwegs vom Smartphone aus. Von Benjamin Krüger (dpa)

Streaming von Filmen und Serien über das Internet hat sich bereits etabliert. Daneben hat es aber auch das normale Fernsehen ins Netz geschafft. Bei verschiedenen Anbietern können Nutzer das aktuelle Fernsehprogramm statt über Kabel- oder Satellitenanschluss über das Internet streamen. Diese Angebote sind besonders für zwei Zuschauergruppen interessant: Wer weder Kabelanschluss noch Sat-Schüssel hat oder die Umstellung des Antennenfernsehns auf DVB-T2 nicht mitmachen wollte, kann so Fernsehen via Internet empfangen. Bei einigen Anbietern kann außerdem auch unterwegs Fernsehen geschaut werden. Nur im Ausland muss aus Lizenzgründen meist auf das heimische TV-Programm verzichtet werden.


Derzeit bieten zwei Gruppen TV-Streaming an: Die großen Internet-Anbieter, die Fernsehen nur über ihre eigenen Netze zur Verfügung stellen, und solche, die über jede Internetverbindung genutzt werden können. Zu den Internet-Anbietern mit TV-Angebot zählen etwa die Telekom, Vodafone und 1&1. Bei ihnen kann nur online fernsehen, wer auch ihren Internetanschluss gebucht hat. Das hat technische Gründe: „Um einen störungsfreien Empfang zu gewährleisten, sind Verteilernetze und Empfangsboxen genau aufeinander abgestimmt“, erklärt Nico Jurran vom „c’t“-Fachmagazin. Bei diesem sogenannten IP-TV läuft der Stream daher stabil. Kunden müssen dafür aber einen eigenen Receiver besitzen, den sie vom Anbieter mieten oder kaufen können.



Die Telekom beginnt mit der Option EntertainTV preislich bei fünf Euro. 1&1 startet ab zehn Euro mit IP-TV-Optionen, ebenso wie Vodafone bei seinem GigaTV-Angebot. Alle bieten gegen Aufpreis auch Premium-Pakete, die etwa mehr Programme und mehr HD-Sender bieten.

Ein Nachteil beim IP-TV können die Vertragslaufzeiten sein. Oft liegen diese bei zwölf oder sogar 24 Monaten. Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt daher, genau hinzuschauen. „Die Tarife der Anbieter sind oft undurchsichtig“, warnt der Experte. „Es lohnt sich, sich diese erklären zu lassen."

Wer Internet-TV mit verschiedenen Endgeräten oder auch unterwegs nutzen möchte, kann auf Dienste wie Zattoo, Magine TV, TV Spielfilm oder Waipu.tv zurückgreifen. Sie funktionieren unabhängig vom Internet-Anbieter. Eine konstante Übertragungsqualität kann jedoch nicht garantiert werden. Eine Ausnahme will Waipu.tv sein. „Waipu.tv kann auf das Glasfasernetz des Betreibers Exaring zugreifen“, erklärt Nico Jurran von „c’t“. „Dadurch sind sie selbst bei Stoßzeiten kaum von Störungen betroffen.“ Waipu.tv startet ab fünf Euro und bietet dafür 75 Sender sowie 25 Stunden Online-Aufnahmespeicher.

Anbieter Zattoo hat kein eigenes Netz und empfiehlt deshalb eine Bandbreite von mindestens 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) für eine optimale Streaming-Qualität. 80 Sender streamt Zattoo kostenlos, schaltet dabei aber eigene Werbung. Der Premium-Zugang mit 98 Sendern, davon 58 in HD, und der Möglichkeit, bis zu 30 Sendungen aufzunehmen, kostet zehn Euro pro Monat.

Den gleichen Preis ruft TV Spielfilm für Werbefreiheit, HD und zusätzliche Sender auf. In dessen kostenlosem Paket sind mehr als 50 Sender gratis. Auch Magine TV ist als Basisangebot mit 30 Sendern kostenfrei. In der Premiumversion gibt es die Möglichkeit, 45 Sender für zehn Euro oder 65 Sender für 20 Euro monatlich hinzuzubuchen. Aufnahmen oder zeitversetztes Fernsehen sind nicht möglich.

Sowohl Zattoo als auch Magine TV oder TV Spielfilm lassen sich entweder im Browser öffnen oder mit Apps für Android und iOS nutzen. Die Waipu.tv-Nutzung läuft derzeit ausschließlich über App. Darüber hinaus stecken die Dienste teils auch in Spielkonsolen, Smart-TVs, Streamingboxen und -sticks.