IT-Bereich für vier Prozent der globalen Klimagas-Emissionen verantwortlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Filme für 80 Prozent des Datenvolumens verantwortlich : Videos haben Auswirkung auf das Weltklima

The Shift Project stellt in einer Untersuchung fest, dass die Informationstechnologie für vier Prozent der Emissionen verantwortlich ist.

Die Treibhausgase, die insgesamt durch die Informationstechnologie (IT) wegen ihres Stromverbrauchs ausgestoßen werden, belaufen sich derzeit auf vier Prozent aller weltweiten Emissionen von Kohlendioxid (CO2), Methan oder Ozon – alles Gase, die für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden. Wenn dieser Anteil weiter kräftig steigen würde – derzeit um neun Prozent pro Jahr – wäre 2025 eine Quote von acht Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der gemeinnützigen französischen Organisation „The Shift Project“, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Klimawandel und die Abhängigkeit der Wirtschaft von fossilen Brennstoffen zu begrenzen.

Zum Vergleich: Die Herstellung von Computern, Smartphones oder Fernsehern, das Arbeiten an Bildschirmen und Surfen im Internet sowie das Betreiben von Rechenzentren und Netzwerken übertrifft wegen des Energieverbrauchs schon heute bei weitem die Emissionen der gesamten Luftfahrt, die es auf zwei Prozent bringt. Wenn in fünf Jahren der IT-Anteil bei acht Prozent liegen würde, wäre der digitale Treibhausgas-Ausstoß so hoch wie der des weltweiten Autoverkehrs, so die Shift-Project-Forscher in einer Studie.

Das kann ihnen natürlich nicht egal sein, und sie wollen Wege aufzeigen, um den Ressourcenverbrauch der IT zu begrenzen, „gleichzeitig aber die wertvollsten gesellschaftlichen Beiträge digitaler Technologien bewahren“. Um exemplarisch zu zeigen, wo die Schwerpunkte liegen und wo Einsparpotenziale möglich sind, haben sich die Autoren den riesigen Bereich der Videos vorgenommen. Denn digitale Filme sind inzwischen für 80 Prozent des weltweiten Datenflusses verantwortlich. 60 Prozent davon sind Online-Videos, die jederzeit abrufbar sind. Allein diese erzeugen ein Prozent der globalen Klimagas-Emissionen.

Der Löwenanteil der Online-Streifen – nämlich 34 Prozent – kommt von Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon Prime oder speist sich aus dem Angebot anderer Mediatheken, die Film- und Serienfreunde massenhaft nutzen. Den zweitgrößten Anteil haben den Shift-Project-Autoren zufolge Porno-Videos. Diese Inhalte bringen es auf einen Anteil von 27 Prozent. Dahinter folgen auf Rang drei mit 21 Prozent die von Privatleuten meist über Youtube ins Netz gestellten Videos. Die übrigen 18 Prozent umfassen die Videos auf den sozialen Medien wie Facebook oder Instagram.

Zu den 60 Prozent jederzeit verfügbaren Online-Videos kommen weitere 20 Prozent, bei denen Video-Kameras Live-Bilder über das Internet versenden. Dazu zählen unter anderem Video-Telefonate, etwa über Skype, die Video-Überwachung im öffentlichen Raum, telemedizinische Anwendungen oder so genannte Camgirls, bei denen sich junge Frauen unter Spanner-Beobachtung auf Betten räkeln.

Am Ende bleiben nur noch 20 Prozent Internet-Nutzung, die nichts mit Videos zu tun haben. Dahinter steckt in erster Linie der weltweite E-Mail-Verkehr, sämtliche Messenger-Dienste wie zu zum Beispiel WhatsApp oder die Datenspeicherung für das Vorhalten von Internet-Seiten.

Bei Shift Project weiß man auch, dass ein großes Einspar-Potenzial bei der Internet-Nutzung kaum möglich ist. Aufrufe zum Verzicht wegen der hohen Klima-Belastung durch Videos bringen wenig, so die Autoren der Studie. Die Lösung liege in der intelligenten Nutzung der Technologie. Auch kleine Schritte könnten etwas bewirken. Sie schlagen unter anderem vor, Videos nicht in der allerhöchsten Auflösung wie etwa 8K mit mehr als 33 Millionen Bildpunkten abspielen zu lassen; manchmal würden auch 480p (201.000 Bildpunkte) reichen. Zudem regen sie an, dass die Autoplay-Funktionen auf den Webseiten nicht mehr so häufig eingesetzt werden sollte, um das automatische Abspielen von Videos beim Aufrufen der Seiten zu verringern. Für alle, die über den eigenen ökologischen Fußabdruck durch den Internet-Gebrauch Bescheid wissen wollen, empfiehlt Shift Project den Carbonalyser, ein Browser-Add-on, der zeigt, wieviel CO2 der letzte Web-Besuch verursacht hat und wie hoch der Stromverbrauch war. Zum Vergleich sind auch die Autokilometer mitgezählt, die man alternativ hätte zurücklegen können.

Bei einer kritischen Auseinandersetzung mit der Video-Auswirkung auf das Weltklima darf ein Erklär-Video nicht fehlen. Es ist zweieinhalb Minuten lang und wer es sich anschaut, stößt knapp zehn Prozent CO2 in die Luft. „Dieses Video ist schlecht für den Klimawandel“, heißt es im Begleittext. Aber dennoch: „Danke fürs Anschauen“.

www.theshiftproject.org/en/article/unsustainable-use-online-video/