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Internetangebote von Ärzten werden im Saarland immer beliebter

Digitalisierung der Medizin : Jeder Dritte nutzt die Online-Sprechstunde

Internet-Angebote von Ärzten wie Terminbuchung oder Online-Rezepte werden im Saarland immer beliebter.

Die Digitalisierung macht auch vorm Arztbesuch keinen Halt. Gerade in der Corona-Pandemie nimmt diese Entwicklung Fahrt auf und trifft bei einem großen Teil der Patienten, aber auch bei vielen Ärzten auf positive Resonanz. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Deutschland (Bitkom) hat bereits ein Drittel der Bevölkerung online einen Arzttermin vereinbart. Im Vorjahr lag der Wert noch bei rund einem Viertel. Zudem könne sich nach Angaben von Bitkom ein weiteres Drittel vorstellen, im Internet einen Termin zu buchen. Rund zwei Drittel hätte ebenfalls Interesse, sich digital krankschreiben zu lassen, sei es per E-Mail, Messenger oder Smartphone-Applikation. Für knapp die Hälfte der Befragten wäre nach Angaben von Bitkom auch die Kommunikation mit Ärzten oder Krankenhäusern über digitale Kanäle wünschenswert.

Wie schnell sich die Digitalisierung umsetzen lässt, ist noch nicht ganz deutlich. Bei einer Suche über Jameda, einer Internet-Suchmaschine für Ärzte in Deutschland, zeigt sich, dass in Saarbrücken bislang nur zwei Hausärzte die Möglichkeit anbieten, im Internet einen Termin zu vereinbaren. Bei beiden Ärzten können auch Videosprechstunden gebucht werden.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland haben allerdings seit der Corona-Krise immer mehr Ärzte und Psychotherapeuten eine Genehmigung für Videosprechstunden beantragt. Ende 2019 hatten drei Ärzte im Saarland eine entsprechende Genehmigung erhalten. Aktuell verfügen 524 Ärzte und Psychotherapeuten im Saarland über die notwendigen Voraussetzungen für eine Videosprechstunde. Genauere Angaben, ab wann die Ärzte ihre Dienste per Video anbieten, gibt es nicht. Nach Angaben von Stiftung Warentest benötigen Ärzte für das Videoangebot lediglich einen Videodienstanbieter, der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifiziert ist. Zudem müssen Ärzte und Patienten über die technische Ausrüstung verfügen – einen Bildschirm mit Kamera, Mikrofon, Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Gesetzlich Versicherte müssen nach Angaben von Stiftung Warentest nicht extra zahlen, wenn ein Arzt per Videosprechstunde behandelt.

Im dritten Quartal 2020 wurden bereits über 3900 Videosprechstunden abgehalten, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes. Rund 75 Prozent wurden dabei von Psychotherapeuten gehalten. 17 Prozent entfielen auf Hausärzte, die restlichen verteilen sich auf die übrigen Fachgruppen.

Auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes berichtet die Hausärztin Martina Hoffmann-Kümmel aus Ottweiler über ihre Erfahrungen mit den Videosprechstunden. Seit Oktober 2019 betreut die Allgemeinmedizinerin ein bis zwei Patienten in der Woche über eine Videosprechstunde. Zu diesen Patienten gehören vor allem Stammpatienten, die Angst vor einer Corona-Infektion hätten sowie ehemalige Patienten, die weggezogen seien. Der Hauptvorteil liege nach Angaben der Medizinerin darin, dass Patienten, die nur etwas besprechen wollen, nicht extra in die Praxis kommen brauchen. Davon werde aber laut Hoffmann-Kümmel immer noch zu wenig Gebrauch gemacht.

Neben immer mehr Ärzten und Psychologen, die einen Antrag auf Videosprechstunden gestellt haben, bestehen noch weitere Möglichkeiten des virtuellen Arztbesuchs. Zu den bekannteren Anbietern in Deutschland gehören Teleclinic, Kry, Zava und Fernarzt. Bei den beiden letztgenannten können Patienten neben einer Videosprechstunde auch eine Rezeptanfrage stellen. Doch nur Teleclinic hat bislang sein Angebot auf gesetzlich Versicherte erweitert. Diese können nun zu gewissen Sprechzeiten – montags bis sonntags zwischen sieben und 19 Uhr – auch ohne zusätzliche Kosten eine Videosprechstunde besuchen. Allerdings verweist das Unternehmen darauf, dass bislang nur Privatrezepte ausgestellt werden dürfen, weswegen die Kosten für die Medikamente von den gesetzlich Versicherten selbst übernommen werden müssen.