In Seniorenheimen werden Videospiele zu therapeutischen Zwecken getestet

Spielekonsole für Heimbewohner : Heime testen Videospiel als Therapie für Senioren

Für die Bewohner eines Seniorenheims in Bad Kreuznach ist es ein ganz neues Freizeitangebot. Sie können in den kommenden Monaten regelmäßig virtuelle Motorradfahrten unternehmen und sich mit einem Kegel- und Tischtennis-Simulator beschäftigen.

Bei einer Vorführung im Foyer der Einrichtung gelingt es der 92-jährigen Christel Naunheim mit einer energischen Handbewegung vom Rollstuhl aus sogar, auf dem Großbildschirm vor ihr alle neun Kegel umzuwerfen. „Ich war vor 20 Jahren selbst oft kegeln“, erzählt sie später. Ob Videospiele in Pflegeheimen herkömmliche Bewegungstherapien ersetzen können, wird gerade in einigen Bundesländern getestet.

An dem bundesweiten, von der Barmer Krankenkasse finanzierten Modellprojekt beteiligen sich auch drei Einrichtungen aus Rheinland-Pfalz. Im Saarland soll es am Donnerstag starten. Erste Tests hätten positive Auswirkungen auf Stand- und Gangsicherheit der hochbetagten Spieler belegt, sagt Barmer-Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis.

Zum Einsatz in Pflegeheimen wurden sechs Spiele entwickelt. Alle Spielaktivitäten werden mit Körperbewegungen gesteuert und sind auch für Menschen geeignet, die im Rollstuhl sitzen. „Wir haben in manchen Einrichtungen schon ganze Kegelsportgruppen“, sagt Stev Klapschuweit, Vertriebsleiter des Hamburger Spieleentwicklers „Retro Brain R & D“. Die Erfinder der Spielekonsole „Memorebox“ hoffen, dass sich durch den Einsatz auch das allgemeine Wohlbefinden von Altenheimbewohnern steigern lässt. Ziel der Videospiele sei es, den Menschen eine Therapie anzubieten, ohne dass sie dies als störend empfinden.

So sei es etwa für Parkinson-Patienten nötig, regelmäßig bestimmte Bewegungsübungen zu absolvieren. „Wir machen die Therapie als Spiel erfahrbar“, sagt Klapschuweit. Damit möglichst viele Senioren ein Erfolgserlebnis spüren, sind die Spiele so programmiert, dass mit Hilfe einer Kamera die Beweglichkeit der Spieler und das Ausmaß körperlicher Beeinträchtigungen automatisch eingeschätzt werden können. Entsprechend setze das Programm die Schwierigkeit der Spiele herauf oder herunter.

Die Auswirkungen der therapeutischen Spiele auf das Wohlbefinden werden von der Berliner Universitätsklinik Charité, der Humboldt-Universität und der Berliner Alice-Salomon-Hochschule wissenschaftlich begleitet. Dabei wird die körperliche und geistige Verfassung von Heimbewohnern, die sich regelmäßig drei Stunden pro Woche mit der Spielekonsole beschäftigen, mit einer nicht spielenden Kontrollgruppe verglichen. Es gebe erste Anfragen von Privatpersonen, die die Spielkonsolen für sich oder Angehörige erwerben wollten. Bislang sei das aber noch nicht möglich.

(dpa)
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