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In jeder Krise gibt es Unternehmen, die von der Situation profitieren

Wer von Corona profitiert : Die Profiteure der Corona-Krise

Vor allem Streamingdienste, Videokonferenzen und Onlinehandel stehen bei Verbrauchern derzeit hoch im Kurs.

„Des einen Not ist des anderen Brot“, besagt eine Volksweisheit. Das gilt auch für die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen. Jede Krise hat ihre Profiteure. Ganz vorne mit dabei sind die großen US-Internetkonzerne wie Amazon, Facebook, Google, Microsoft und ihre Töchter Whatsapp, Youtube oder Skype. Sie sichern weltumspannend Kommunikation und sorgen für Unterhaltung in Zeiten sozialer Isolation.

Vor allem die Nachfrage nach Streamingdiensten ist so enorm, dass die großen Anbieter wie Marktführer Netflix, aber auch Youtube und Amazon Prime angekündigt haben, die Streaming-Qualität für Nutzer in der Europäischen Union zu verringern. Schon vor der Krise war der Ansturm auf die Anbieter riesig. Allein im vierten Quartal 2019 stieg die Anzahl der Netflix-Kunden weltweit um 8,8 Millionen auf 167 Millionen. In Deutschland gibt es etwa sechs Millionen Abonnenten. Auf eine ähnlich hohe Zahl kommt Amazon Prime, gefolgt von Diensten wie Sky Deutschland, Maxdome oder der Telekom-Tochter Videoload. Im Kampf um die deutschen Zuschauer mischt seit kurzem auch Disney plus mit, die Streamingtochter des US-Konzerns Walt Disney. Dessen Manager hoffen, dass wegen Corona und der damit verbundenen häuslichen Langeweile die Zahl der Abonnenten beim Markteintritt stärker steigt als anfangs prognostiziert. Allerdings hat auch der Branchenneuling schon angekündigt, die Bildqualität um 30 Prozent zu verringern, um Netzüberlastungen zu vermeiden.

Die Anbieter von Video-Konferenzen erleben ebenfalls eine vorher nie dagewesene Nachfrage. Ganz vorne mit dabei ist die amerikanische Video-App Zoom. Bis vor Kurzem war das Unternehmen aus Kalifornien noch weitgehend unbekannt in der Digitalwirtschaft. Die Software ist eigentlich auf Besprechungen in kleinen Unternehmen zugeschnitten. Inzwischen wird sie aber auch von Schulen, Kirchen und Vereinen eingesetzt. Bis zu 200 Millionen Nutzer seien im März an einem Tag auf Zoom aktiv gewesen, klagte Firmengründer Eric Yuan in einem Blogbeitrag. Das sei zu viel gewesen. Datenschutz-Lücken, die dadurch zutage traten, seien inzwischen geschlossen worden, versichert Yuan. Doch die Kritik ist noch nicht verstummt. Es sei immer noch unklar, was mit den Daten geschieht, die von Videokonferenz-Teilnehmern abgefragt würden, moniert die Zeitschrift Computerbild. Auch das ungeplante Hereinplatzen Außenstehender in eine Online-Besprechung sei weiterhin möglich. Es müsse dringend ein digitaler Warteraum eingeführt werden, so die Kritiker. Nur der Einladende dürfe entscheiden, wer diesen Warteraum verlassen und an den Besprechungen teilnehmen darf. Für alle, die sich nicht mit solchen Kinderkrankheiten bei der Konferenz-Technik herumplagen wollen, gibt es Alternativen wie beispielsweise Teamviewer, Slack oder Microsoft Teams.

Zum virtuellen Ausbruch aus der sozialen Isolation eignen sich auch Messenger-Dienste, die ebenfalls eine gesteigerte Nachfrage erleben. Bei Whatsapp ist zum Beispiel ein Smartphone-Videochat möglich, an dem bis zu vier Personen teilnehmen können. Wer die Apple-Welt bevorzugt, dem stellt der Konzern Facetime zur Verfügung. Der Dienst Google Hangouts bietet die Möglichkeit, geräteübergreifend miteinander zu kommunizieren. Einzige Voraussetzung ist ein Google-Konto. Gefragt ist auch der Alleskönner Skype. Weniger bekannt ist der Dienst Webex des Netzwerk-Ausrüsters Cisco und der Messenger Jitsi.

Doch es gibt auch andere Unternehmen, die von Corona profitieren. Einen Nachfrageschub erlebt die Firma Hellofresh, bei der Kochboxen online bestellt werden können. Das Berliner Unternehmen verschickt die Pakete mit den Lebensmitteln und entsprechenden Rezept-Vorschlägen. 2019 gingen mehr als 280 Millionen Mahlzeiten an weltweit drei Millionen Kunden raus. Der Kurs der Hellofresh-Aktie ist seit dem Corona-Börsencrash entgegen dem Trend nach oben geklettert.

Überhaupt haben die Paketdienste alle Hände voll zu tun – allen voran Amazon. Allein in den USA will der Versandriese 100 000 Arbeitsplätze schaffen. In Europa sollen die Stundenlöhne der Mitarbeiter um zwei Euro steigen. Doch deren Stress ist auch gewachsen. Denn Amazon liefert alles, was außerhalb der virtuellen Welt knapp und begehrt ist. Dazu gehören neben Atemschutzmasken, Schutzanzügen und Desinfektionsmitteln auch Nudeln, Reis und Toilettenpapier.