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In Eigenregie zum smarten Eigenheim

Viele Funktionen eines vernetzten Hauses lassen sich bereits heute bequem per Smartphone-App steuern. Die Bedienung von Heizkörpern, Rauchmeldern und Lampen im Smart Home ist beispielsweise mit relativ wenig Aufwand zu bewerkstelligen. Foto: AA+W/Fotolia
Viele Funktionen eines vernetzten Hauses lassen sich bereits heute bequem per Smartphone-App steuern. Die Bedienung von Heizkörpern, Rauchmeldern und Lampen im Smart Home ist beispielsweise mit relativ wenig Aufwand zu bewerkstelligen. Foto: AA+W/Fotolia FOTO: AA+W/Fotolia
Berlin. Wenn Geräte im Haushalt untereinander verbunden sind, kann das viel Zeit und Kosten sparen. Das komplett vernetzte Zuhause ist für die meisten Menschen zwar noch Zukunftsmusik, doch es gibt günstige Lösungen für Einsteiger. Simone Andrea Mayer

Das Smartphone regelt das Licht, das Tablet die Heizung, und die Rollläden steuern sich selbstständig, wenn die Sonne im Sommer auf die Fenster herabbrennt. Dazwischen springt der Ofen an, wenn sich die Mittagszeit nähert und brutzelt das vorbereitete Hähnchen. So sieht der Traum vom modernen Wohnen im vernetzten Haus (englisch: Smart Home) aus.



Das Haus reguliert Wärme und Lüftung, erledigt so manche Hausarbeit und ist immer ansprechbar - selbst wenn der Hausbesitzer tausend Kilometer weit weg im Urlaub ist. Doch ein komplettes Smart Home ist teuer und die Nachrüstung eines Altbaus aufwendig. Viele Funklösungen lassen sich aber auch vergleichsweise einfach und schnell einbauen.

Ein Beispiel dafür ist das Nachrüsten der Heizkörper mit automatischen Thermostatventilen. Programmierbare Modelle, die über den Tag verteilt die Heizung angepasst auf Ab- und Anwesenheiten der Bewohner regeln, gibt es schon für 20 bis 30 Euro. Modelle mit Fernzugriff via Smartphone oder Tablet kosten etwas mehr.

Dafür bieten sie allerdings eine ganze Menge Komfort und dadurch, dass sich die Heizung auf das tatsächliche Nutzungsverhalten anpassen lässt, können Verbraucher Heizkosten sparen. Nachts oder wenn alle aus dem Haus sind, wird die Temperatur beispielsweise heruntergeregelt. Die Stiftung Warentest hat Anfang 2017 programmierbare Thermostate geprüft und fast durchgehend gute Noten vergeben. Auch die Montage ist denkbar einfach. Das intelligente Gerät kommt einfach an den Platz des klassischen Drehknopfes, nur in manchen Fällen ist zusätzlich ein Adapter nötig.

Ebenso leicht installieren lassen sich vernetzte Rauchmelder. Brennt es etwa im Keller, erreicht der Alarm auch das Obergeschoss - und rettet nachts die schlafenden Bewohner. Denn reagiert ein Sensor im Haus auf Rauch oder Feuer, informiert er per Funk alle anderen Geräte die dann ebenfalls Alarm schlagen. Wie viele Rauchmelder sich vernetzen lassen, hängt von dem System des Herstellers ab, erläutert die Initiative Rauchmelder retten Leben.



Für viele Hausbesitzer stellt die Steuerung der Lampen den Einstieg in die Welt der Smart Homes dar, erklärt Bernd Dechert vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke. Mit Zwischensteckern und Unterputzlösungen lässt sich der gewohnte Lichtschalter ersetzen. Von der Couch aus können Bewohner nicht nur Licht anmachen, sondern Farbe und Helligkeit regeln.

Noch einfacher geht das mit dem Austausch der klassischen Leuchtmittel durch smarte Glühbirnen. Auch sie lassen sich direkt mit einer App anwählen, mit der zum Beispiel die Lichtfarbe eingestellt werden kann. Solche Birnen sind ab 30 Euro pro Stück zu haben.

Auch viele Elektrogeräte im Haus lassen sich ohne größeren Aufwand zumindest teilweise vernetzen: Steckdosenadapter, auch Smart Plugs genannt, ermöglichen dem Nutzer, die daran angeschlossenen Geräte per App an- oder auszuschalten. Bei manchen Programmen lässt sich ein individuelles Nutzerprofil hinterlegen. So schaltet sich zum Beispiel die so vernetzte Kaffeemaschine jeden Morgen pünktlich zur gleichen Zeit ein. Auch gut: Man kann stundenweise das Radio laufen lassen oder Licht anmachen, um Einbrecher abzuschrecken.

Manche der Smart Plugs messen auch den Stromverbrauch. So lässt sich zum Beispiel herausfinden, wie effizient der alte Kühlschrank noch ist oder wie viel Strom die Waschmaschine im Eco-Modus verbraucht.

So praktisch intelligentes Licht, vernetzte Überwachungskameras und Steckdosen sind, richtig schlau werden sie erst, wenn sie zusammenarbeiten. Und das ist das Gundproblem an den vielen Einsteigerlösungen für den unkomplizierten Einbau durch Hausbesitzer: Diese smarten Geräte arbeiten meist unabhängig voneinander.

"Ein komplettes Smart Home ist eher schwierig zu installieren, das ist nichts für den klassischen Heimwerker", erläutert Dechert. "Jede dieser Lösungen hat auch ihre eigene App zur Steuerung." Häufig sei es problematisch, solche Einzellösungen in ein funktionierendes Gesamtsystem zu integrieren, vor allem, wenn das bestehende Smart Home ausgebaut werden soll.

"Aber meist sind die Einzelgeräte der Einstieg für viele Hausbesitzer", erklärt der Experte. Er rät Verbrauchern, die sich Schritt für Schritt an ein vernetztes Haus herantasten möchten, daher Einzellösungen im Fachhandel zu erwerben und dabei vor allem darauf zu achten, dass diese sich später bequem in ein stimmiges Gesamtkonzept einbinden lassen. Und Falko Weidelt von der Initiative Elektro+ betont: Wolle man in die Elektroinstallation des Gebäudes eingreifen, sei das ebenfalls Aufgabe eines Profis.