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Obwohl die Vorfälle kaum zugenommen haben
In Deutschland wächst die Angst im Netz

Die wirklichen Gefahren im Internet sind für viele Menschen nur schwer einzuschätzen.
Die wirklichen Gefahren im Internet sind für viele Menschen nur schwer einzuschätzen. FOTO: dpa / Lino Mirgeler
Berlin. Eine neue Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Unsicherheit im Internet zunimmt. Dabei sind die tatsächlichen Bedrohungen nahezu gleich geblieben. Von David Seel

Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet ist heute wichtiger denn je geworden. Das haben spätestens die zahllosen Cyber-Angriffe der vergangenen Jahre gezeigt. Wer sich in der vernetzten Welt nicht sicher bewegt, wird schnell Opfer von Hackern, Erpressern und sonstigen Kriminellen, die das World Wide Web längst für ihre betrügerischen Zwecke entdeckt haben. Dass es beim Thema IT-Sicherheit hierzulande noch Nachholbedarf gibt, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Vereins „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN).


Die wichtigste Zahl des Berichtes, der „DsiN-Sicherheitsindex“, bildet die aktuelle Sicherheitslage von deutschen Internetnutzern auf einer Skala von null bis 100 ab. Der Index berechnet sich aus vier Faktoren. Tatsächliche Vorfälle wie Hackerangriffe oder Betrugsfälle, aber auch die gefühlte Angst der Nutzer im Umgang mit Online-Diensten, wirken sich negativ auf den Indexwert aus. Auf der anderen Seite wird der Wert höher, je besser sich die Nutzer mit den Gefahren im Netz auskennen und je mehr sie tatsächlich tun, um sich vor ihnen zu schützen. Der Index liegt in diesem Jahr bei 60,9 Punkten und damit 0,2 Punkte niedriger als im Vorjahr. Die Bedrohungslage ist also leicht gestiegen.

Der Verein sieht die Ursache für die Verschlechterung vor allem in der wachsenden Angst vor Cyber-Kriminellen. „Ausschlaggebend hierfür ist eine gestiegene Verunsicherung der Verbraucher“, lautet ein Fazit der Untersuchung. Die Zahl der tatsächlichen Sicherheitsvorfälle sei dagegen im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben.



Das Wissen um IT-Sicherheit ist allerdings laut DsiN im Durchschnitt gestiegen und liegt auf dem höchsten je gemessenen Wert. Die Kenntnisse würden auch entsprechend umgesetzt: „Im Verlauf der letzten Jahre ist die Bereitschaft zur Anwendung von Schutzmaßnahmen kontinuierlich gestiegen“, so der Verein. Das treffe allerdings nicht auf alle Teile der Bevölkerung gleichermaßen zu.

Denn DsiN unterscheidet – je nach Wissen und Verhalten der Nutzer – auch zwischen verschiedenen Verbrauchertypen. An der digitalen Spitze stehen die vom Verein sogenannten „bedachtsamen Nutzer“. Das seien Menschen, die sowohl über ein ausgeprägtes Wissen um die Gefahren im Netz verfügten, als auch fähig seien, dieses souverän anzuwenden. Sie seien zwar 10 bis 30 Stunden pro Woche online, stünden neuen Angeboten im Internet aber häufig skeptisch gegenüber, so DsiN. Meist seien sie zwischen 40 und 49 Jahren alt und kämen auf einen Anteil von 15 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Gefolgt werden sie von den „Antreibenden Nutzern“, die häufig neue digitale Angebote ausprobieren und laut DsiN 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Antreiber seien durchschnittlich zwischen 20 und 49 Jahren alt. „Sie sind aufgeschlossen gegenüber neuen Diensten und bewegen sich zugleich dank überdurchschnittlich gutem Wissen und Verhalten bereits recht sicher im Netz“, charakterisiert DsiN diese Gruppe. „Mit 56 Prozent weisen sie den höchsten Anteil weiblicher Nutzer auf.“

Auf fast 33 Prozent kommen die „gutgläubigen Nutzer“. Das seien Menschen, die sich der Risiken im Internet zu wenig bewusst seien und daher auch kaum Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Sie seien in diesem Jahr verstärkt in die Fänge von Cyber-Kriminellen geraten und auch ihr subjektives Gefährdungsgefühl sei gestiegen. Ähnlich erging es den „Fatalistischen Nutzern“, laut DsiN 15 Prozent der Bevölkerung. Sie seien sich zwar im Klaren über die Gefahren im Netz, ignorierten sie aber weitgehend.

Abgeschlagen auf dem letzten Platz liegen die „außenstehenden Nutzer“, die auf einen Anteil von sieben Prozent an der Bevölkerung kommen. Sie hätten so gut wie keine Ahnung von Computern und Smartphones und bewegten sich extrem unsicher im Internet. „Außenstehende weisen starke Defizite bei der Kenntnis sowie der Anwendung von Schutzmaßnahmen auf“, so DsiN. Knapp 60 Prozent dieser Gruppe sei über 50 Jahre alt und meist männlich, der Anteil der Frauen sei in dieser Gruppe mit 39 Prozent am geringsten.

Aus Sicht von DsiN ist die Situation kritisch. „Wir sehen einen deutlichen Aufklärungsbedarf, um sicheres Verhalten in der Bevölkerung zu fördern und Unsicherheiten abzubauen“, sagt der DsiN-Vorstandsvorsitzende Thomas Kremer „Um digitale Kompetenzen zu vermitteln, brauchen wir das Engagement aller Akteure“, so seine Forderung.