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In Bewertungsportalen für Ärzte findet man nicht nur objektive Kritik

Bewertungsportale : Fragwürdige Bewertungen für Ärzte

Rezensionen in Internet-Foren sollen Patienten die Suche erleichtern. Allein darauf sollten sie sich nicht verlassen.

() In Gesprächen mit Freunden und Verwandten kommt häufig die Frage nach einem guten Arzt auf. Doch nicht immer hat das persönliche Umfeld einen guten Tipp parat. Daher suchen viele im Internet nach einer Antwort. Auf Bewertungsportalen werden Ärzte mit Sternchen oder Kommentaren bewertet. Darauf sollten sich Patienten nicht ausschließlich verlassen, rät Christiane Rock vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Die Portale bieten neben der Suche nach Ärzten auch Gesundheitsinformationen an. Wer einen Facharzt suche, erhalte dort einen ersten Überblick darüber, wo sich der nächste Facharzt befinde und welche Zusatzqualifikationen er habe, sagt die Verbraucherschützerin. Geht es aber um die Beurteilung der menschlichen und medizinischen Qualitäten, wird es schwierig. „Bei jedem Stern handelt es sich um eine subjektive Einschätzung, die häufig nicht nachprüfbar ist“, sagt Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, welche die freiberufliche Ärzte und Psychotherapeuten vertritt. Außerdem bewerten laut Stahl eher diejenigen, die meckern wollen. „Wer zufrieden ist, äußert sich seltener“, sagt er.

Am Ende kommt es darauf an, wie Arzt und Patient miteinander zurechtkommen, sagt Stahl. Gerade Mediziner stünden immer im persönlichen Kontakt mit ihren Patienten. „Und diese Beziehungen bestehen oft schon sehr lange.“ Das individuelle Vertrauensverhältnis spielt eine entscheidende Rolle.

Objektive Einschätzungen zur Qualität von niedergelassenen Ärzten gibt es kaum. „Die Menschen hätten wirklich großes Interesse an seriös überprüften Angaben zum Beispiel zur Behandlungsqualität, doch daran mangelt es“, kritisiert Jann Ohlendorf von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).

Bei den meisten Arztbewertungsportalen sind gewisse Zweifel an der Unabhängigkeit angebracht. Sie finanzieren sich laut Christiane Rock durch Werbung und durch die Bewerteten selbst. „Ärzte können sich hervorgehobene Positionen und damit die Darstellung ihrer Praxis kaufen“, erklärt Rock.

So wird den Ärzten eine bessere Trefferquote bei entsprechenden Anfragen über Suchmaschinen in Aussicht gestellt. Bei einem großen Bewertungsportal könnten Mediziner zum Beispiel zwischen verschiedenen Premium-Paketen wählen und individuelle Bewertungskriterien formulieren. Oder sie bekämen vom Portalbetreiber Texte erstellt. „Verbraucher können hier nur schwer beurteilen, was eine aussagekräftige Bewertung oder Werbung ist“, erklärt Christiane Rock.

Das kritisiert auch die UPD und rät zu Skepsis. „Es mangelt an Transparenz. Wie sind die Ergebnisse und Empfehlungen zu den Ärzten oder Praxen zu Stande gekommen?“, fragt UPD-Sprecher Jann Ohlendorf. Die meisten Portale machten unvollständige Angaben zur Menge, Herkunft und Aktualität der Arztdaten und -bewertungen.

Wie bei anderen Gesundheitsinformationen im Netz sollten Verbraucher schauen, welcher Anbieter hinter dem Portal steckt. Ist das nicht klar ersichtlich, lohnt ein Blick ins Impressum. Außerdem sollte hinter jeder Bewertung eine ausreichende Anzahl aktueller Einzelkritiken liegen. „Das erhöht die Aussagekraft“, sagt Christiane Rock. Daher empfehlen die Verbraucherschützerin und Jann Ohlendorf von der UPD die kostenlose und werbefreie Rechercheplattform Weisse Liste der Bertelsmann-Stiftung, die unter Schirmherrschaft der Bundespatientenbeauftragten Claudia Schmidtke steht. Verbraucherschützerin Rock rät, mehrere Portale zurate zu ziehen und die Bewertungen zu vergleichen, um ein besseres Bild zu bekommen.

www.weisse-liste.de

(dpa)