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In 15 Minuten zum Experten - dank Blinkist

Kostenpflichtiger Inhalt: Smartphone-App : In einer Viertelstunde zum Experten

Die Smartphone-App Blinkist bietet die Möglichkeit, Zusammenfassungen von Sachbüchern zu lesen oder zu hören.

Die Lektüre eines Buchs erfordert Zeit. Ein Band am Tag ist schon was für Profis. Vier Bücher in einer Stunde? Unmöglich zu schaffen. Zumindest war es das, bevor die Smartphone-App Blinkist auf den Markt kam – eine digitale Bibliothek, in der sich mehr als 3000 Sachbücher stapeln, deren Inhalte jeweils auf ihre Kernaussagen, sogenannte Blinks, verdichtet wurden. Diese Kurztexte werden den Nutzern zum Lesen sowie als Audiotitel angeboten, die sich so in etwa 15 Minuten Expertenwissen aneignen können.

Das Berliner Start-up wurde 2012 von Holger Seim, Tobias Balling, Niklas Jansen und Sebastian Klein gegründet. Aus eigenem Bedürfnis heraus. „Wir haben alle immer viel gelesen. Aber als wir nach dem Studium angefangen haben, zu arbeiten, hatten wir das Gefühl, keine Zeit mehr dafür zu haben. Gleichzeitig beobachteten wir damals, dass wir und die Leute um uns herum mehr und mehr auf Smartphones lesen“, erzählt der ehemalige Unternehmensberater Jansen. Der Antrieb, das eigene Problem zu lösen sowie ein Format für die neuen Lesegewohnheiten der Menschen zu entwickeln, sei die Motivation für Blinkist gewesen.

Heute, acht Jahre später, verzeichnet das Unternehmen 13 Millionen Nutzer. Wie viele davon die kostenlose Variante nutzen, bei der nur der täglich wechselnde „Blink des Tages“ gehört und gelesen werden kann, und wie viele das kostenpflichtige Premium-Angebot, darüber macht Blinkist auf Anfrage unserer Zeitung keine Aussage. Die Wirtschaftszeitschrift brand eins aber nennt in einem vor einigen Monaten erschienenen Artikel genaue Zahlen: Das Unternehmen habe weltweit mehr als eine halbe Million zahlender Abonnenten. Bei knapp 13 Euro Monats- oder 80 Euro Jahresgebühr dürfte Blinkist laut brand eins Einnahmen erzielen, die bereits gut die Hälfte des Umsatzes der gesamten deutschen Hörbuchbranche erreichen.

Die Idee der vier Gründer hat eingeschlagen: Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 160 Mitarbeiter, ein Team aus Redakteuren, Experten und professionellen Sprechern. „Wer sich als Experte bewirbt, muss ein spezifisches Fachgebiet abdecken können und im Rahmen einer Testaufgabe seine analytischen Fähigkeiten beweisen“, sagt Jansen. Und am besten auch fließend englisch sprechen. Denn nur etwas mehr als ein Drittel der Bücher ist in deutscher Sprache geschrieben, der Rest in Englisch. Weitere Sprachen ins Angebot aufzunehmen, sei zurzeit nicht geplant, berichtet der Gründer.

In der Blinkist-Bibliothek finden Nutzer verschiedenste Titel quer durch alle Bereiche des populären Sachbuchs: Politik, Wirtschaft, Technik, Ratgeber und Biografien. Von Michael Lüders’ Buch „Wer den Wind sät“ über westliche Interventionen im Nahen und Mittleren Osten bis hin zu Thomas Pletzingers Werk „The Great Nowitzki“, das von der Karriere des Ausnahmesportlers Dirk Nowitzki erzählt.

Das Berliner Unternehmen will aber ausdrücklich nicht als Konkurrent zu Verlagen erscheinen. Das Verhältnis sei gut, da „viele Verlage Blinkist als Plattform nutzen, um ihre Werke einem breiteren Publikum vorzustellen“, berichtet Niklas Jansen. Mit den meisten deutschen Verlagen arbeite Blinkist sogar direkt zusammen. Sie selbst würden nicht viel Zeit damit verbringen, auf die Konkurrenz zu schauen. Der Fokus auf die Kunden sei wichtiger. Aber es gibt sie, wenn auch nur außerhalb der Bundesgrenzen.

Das Unternehmen Getabstract beispielsweise, das bereits 1999 in Luzern gegründet wurde. Der Schwerpunkt der Schweizer liegt hauptsächlich auf Büchern, die sich mit Wirtschaftsthemen beschäftigen. Ein Starter-Abo gibt es dort zwar schon für 100 Euro im Jahr, wer aber auf die komplette Bibliothek zugreifen will, muss mit 300 Euro schon um einiges tiefer in die Tasche greifen.

Ein weiterer Konkurrent ist Instaread. Das amerikanische Unternehmen hat auch Belletristik im Angebot, allerdings umfasst die Bibliothek des 2016 gegründeten Start-ups bislang nur etwa tausend Titel. Ein anderer junger Mitbewerber ist 12min aus Brasilien, doch auch dessen Angebot an Büchern ist mit einigen hundert Titeln noch sehr überschaubar.

blinkist.com/de