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Spionage-Apps fürs Handy
Smartphone-Spionage aus Eifersucht

Spionage-Apps sollen laut den Anbietern Eltern helfen, ihre Kinder zu überwachen. Die Verwendung in der Beziehung stellt einen Missbrauch dar.
Spionage-Apps sollen laut den Anbietern Eltern helfen, ihre Kinder zu überwachen. Die Verwendung in der Beziehung stellt einen Missbrauch dar. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
New York/Saarbrücken. Den Partner per App zu überwachen, ist ein zunehmend verbreitetes Phänomen – und kann strafbar sein. Von Maximilian Selent

„Eifersucht ist wie Salz: Ein bisschen davon würzt den Braten, aber zu viel macht ihn völlig ungenießbar“, schrieb einst der französische Philosoph Honoré de Balzac. Auch heutzutage sind kleine Eifersüchteleien Bestandteil vieler Beziehungen. Der flüchtige Blick auf das Handy des Partners ist gerade unter Jüngeren kein seltenes Phänomen mehr. Laut einer Untersuchung des Online-Dating-Portals Elitepartner hat bereits mehr als ein Drittel aller Befragten unter 30 Jahren heimlich Nachrichten gelesen, die eigentlich an den Partner adressiert waren. Jedoch greifen auch sogenannte Spionage-Apps immer mehr um sich. Sie lassen eine noch tiefgreifendere Überwachung zu.


Apps, die Partner ausspähen Die Apps, die Namen wie „Flexispy“, „Hellospy“ oder „Mspy“ tragen, gewähren nach Angaben der Hersteller Zugriff auf private Informationen eines fremden Smartphones. Die Programme können unter anderem GPS-Daten, Chat- und Browserverläufe sowie E-Mails und Fotos abschöpfen. Einige Anbieter offerieren gegen Aufpreis umfangreichere Dienste, mit denen das überwachte Smartphone mittels Live-Aufnahmen von Kamera und Mikrofon unbemerkt zur Wanze umfunktioniert werden kann. Um mit der Überwachung starten zu können, muss die entsprechende App zunächst auf dem Smartphone des Partners installiert werden. Im privaten Umfeld wie der Familie oder der Beziehung scheint das vergleichsweise einfach möglich, wie die Ergebnisse einer Umfrage des Softwareunternehmens Kaspersky nahelegen. Dort gaben 52 Prozent der 18 000 befragten Personen an, Passwörter oder PIN-Codes des Partners zu kennen.



Immer mehr Spionage-Apps Laut einer Untersuchung der New Yorker Universität sowie der Cornell Universität in diesem Jahr gibt es bereits hunderte solcher Überwachungs-Apps. Die Mehrzahl dieser Anwendungen würde zwar für andere Zwecke beworben, beispielsweise zur Überwachung eines minderjährigen Kindes oder als Diebstahlschutz. Den Forschern zufolge können diese Programme jedoch leicht für die heimliche Überwachung Erwachsener missbraucht werden. Dafür wirbt der Anbieter der App „HelloSpy“ sogar offen. Er preist seine Software als Möglichkeit zur „Aufdeckung von Untreue“ in der Ehe. Zum Zeitpunkt der Untersuchung der beiden Universitäten waren einige Spionage-
Apps nicht nur auf den Webseiten der Hersteller verfügbar, sondern auch im Google Play Store. Die Preise der Apps variieren – je nach Anbieter, Tarif und Dauer der Nutzung – zwischen 25 und 200 Euro.

Wie das Technik-Magazin Motherboard herausfand, haben in den USA bereits über 100 000 Nutzer derartige Apps installiert. Für Deutschland lägen noch keine verlässlichen Statistiken vor, jedoch könne hierzulande von mehreren tausend Nutzern ausgegangen werden, so Motherboard.

Schutz gegen Überwachung Für Laien ist es schwer zu erkennen, ob das eigene Smartphone ausspioniert wird. Laut der Computer-Fachmagazin „c’t“ gibt es allerdings einige Anzeichen, die auf Aktivitäten einer Spionage-App hindeuten könnten. Dazu gehöre beispielsweise ein ungewöhnlich hoher Akku- oder Datenverbrauch, der durch das ständige Aufzeichnen und Senden von Daten entstehe. In den Einstellungen eines Smartphones könne kontrolliert werden, welche App den gestiegenen Verbrauch verursache, so „c‘t“. Darüber hinaus empfehlen sowohl die Computerzeitschrift als auch Motherboard Smartphone-Nutzern zu überprüfen, ob ein „Jailbreak“ (iPhone) oder ein „Rooting“ (Android) auf ihrem Gerät durchgeführt wurde. Beide Verfahren bezeichnen ähnliche Vorgänge und ermöglichen die Installation von Drittanbieter-Apps, die nicht aus dem Apples App-Store oder dem Google Play Store stammen. Dazu zählen auch einige der Spionage-Programme. Um dies zu überprüfen, empfehle es sich, sein iPhone nach der „Cydia App“ zu durchsuchen. Diese deute auf einen „Jailbreak“ hin, so Motherboard. Mothboard rät Nutzern zudem, ihre Handy-Software regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen, da ein „Jailbreak“ auf aktualisierten Geräten deutlich schwerer durchzuführen sei. Android-Nutzer könnten, so das Technik-Magazin, mit einem „Root Detector“ herausfinden, ob ihr Handy entsprechend manipuliert worden ist.

Doch was tun, wenn das eigene Handy tatsächlich betroffen ist? Wer eine Spionage-App wieder loswerden möchte, kann laut „c’t“ und Motherboard sein Gerät auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Allerdings würden dann neben der Überwachungs-Software auch sämtliche anderen Daten gelöscht. Zum Entfernen von „FlexiSpy“ gebe es bereits eine eigene App namens „Flexikiller“, so Motherboard weiter.

Spionage ist strafbar Für Betroffene besteht außerdem die Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten, da die Installation einer Spionage-App ohne die Einwilligung der überwachten Person illegal ist. Betroffene könnten Anzeige erstatten, wenn die App gegen ihren Willen auf ihrem Handy installiert wurde, erklärt Christoph Clanget, Fachanwalt für Strafrecht. Er rät Betroffenen außerdem, zivilrechtlich gegen die Überwacher vorzugehen, um eine Unterlassung oder Schadensersatz erwirken zu können. Auch Dominik Brodowski, Junior-Professor für Straf- und Strafverfahrensrecht an der Universität des Saarlandes, weist auf die Rechtswidrigkeit der heimlichen Installation einer Spionage-App hin. „Die Installation einer Spionage-App kann nach dem Strafgesetzbuch gleich mehrere Straftatbestände erfüllen, darunter die Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und das Ausspähen von Daten“, so Brodowski. In der Folge könne dies eine Geldbuße oder eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren nach sich ziehen. Auch versichern beide Rechtsexperten, die Hersteller solcher Apps würden sich strafbar machen, wenn sie ihre Produkte explizit mit der heimlichen Überwachung von Lebensgefährten bewürben.

Neben den rechtlichen Aspekten sollten Nutzer auch die Datenschutzprobleme der Anwendungen beachten. Wie das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie mitteilt, sei dieser bei vielen Überwachungs-Programmen mangelhaft. Nicht nur der Nutzer der App, sondern auch Dritte könnten mit wenig Aufwand auf die Daten zugreifen, die auf unzulänglich gesicherten Servern abgespeichert würden.