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Online-Handel holt auf
Weihnachten wird digital

Einkaufszentren und Fußgängerzonen haben dem Online-Handel die weihnachtliche Atmosphäre voraus.
Einkaufszentren und Fußgängerzonen haben dem Online-Handel die weihnachtliche Atmosphäre voraus. FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Düsseldorf. Sogar der Weihnachtsbaum wird immer häufiger online gekauft. Ein Fünftel der Kunden besorgt Geschenke im Internet. Von Erich Reimann

Über 800 000 Christbäume könnten die Deutschen in diesem Jahr über das Internet kaufen. Das erwartet der Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger und sagt dem Geschäft mit den Tannenbäumen eine ähnliche Entwicklung voraus wie dem vorweihnachtlichen Handel insgesamt. Denn laut einer aktuellen Umfrage kaufen die Verbraucher in Deutschland ihre Weihnachtsgeschenke immer öfter im online. Dem stationären Handel drohen deshalb im gerade beginnenden Weihnachtsgeschäft trotz guter Konsumstimmung Umsatzeinbußen. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung EY in der Auswertung ihrer Befragung „Weinachtgeschenke 2018“.


Der Umfrage zufolge kauft inzwischen gut jeder fünfte Verbraucher seine Geschenke online. Zum Vergleich: Vor einem Jahr war dieser Anteil nur halb so hoch. Punkten könne der Online-Handel nicht nur mit der Verfügbarkeit rund um die Uhr. Auch die Möglichkeit, die überfüllten Innenstädte zu meiden, und die größere Auswahl kämen bei vielen Konsumenten gut an.

Zusätzlich profitiere der Online-Handel davon, dass die Deutschen inzwischen zu Weihnachten seltener zu traditionellen Geschenken wie Büchern oder Kleidung greifen. „Heute werden immer häufiger besondere Erlebnisse, Veranstaltungsbesuche und Reisen verschenkt“ berichtet Thomas Harms von EY. Diese Art von Geschenken werde in erster Linie im Internet gekauft.



Zwar besorgt sich laut der Umfrage eine knappe Mehrheit der Deutschen Weihnachtsgeschenke nach wie vor am liebsten bei den Einzelhändlern vor Ort – vor allem, weil sich die Ware dort besser beurteilen lasse und sofort mitgenommen werden könne. Allerdings sinke die Zahl der Einkaufsstraßen-Fans rapide. Vor einem Jahr hätten noch mehr als zwei Drittel der Befragten angegeben, einen Shopping-Bummel dem Einkauf im Netz vorzuziehen. Rund ein Viertel der Befragten habe in der aktuellen Studie hingegen keine besonderen Vorlieben genannt.

Punkten können die Fußgängerzonen und Einkaufszentren gegenüber dem Online-Handel vor dem Fest vor allem mit Weihnachtsatmosphäre. Rund 44 Prozent der Verbraucher gaben an, vorweihnachtliche Veranstaltungen und Weihnachtsmärkte seien ein Anreiz für einen Einkaufsbummel. Nur sieben Prozent der Befragten empfanden sie als störend.

Besonders beliebt sind die Läden vor Ort bei Personen, die älter als 66 Jahre sind, so EY. Demnach bevorzugen 81 Prozent der Befragten dieser Altersgruppe den stationären Handel, während auf den Versandhandel im Internet nur vier Prozent setzen. Am liebsten kauften die 36 bis 45-Jährigen im Netz ein ein (36 Prozent). Die jüngste Generation zeige jedoch, dass nicht allein das Alter dafür entscheidend ist, wo Kunden am liebsten einkaufen. So gehen 43 Prozent der unter 35-Jährigen besonders gerne in Kaufhaus und Co. auf Geschenkejagd und nur ein Drittel online.

Am häufigsten werden der Umfrage zufolge auch in diesem Jahr Geld und Geschenkgutscheine unter dem Weihnachtsbaum liegen. Knapp 60 Prozent der Befragten wollten sich so die Suche nach dem passenden Geschenk ersparen. Gerade die ältere Generation gehe immer mehr dazu über, Geld zu verschenken. Häufig fehle den Älteren der Zugang zu den von der Digitalisierung geprägten Wünschen der Enkelgeneration, erklärt Harms.

Ob im Internet oder im Kaufhaus – die Deutschen planen der Studie nach, mehr Geld als in den vergangenen zehn Jahren für Geschenke auszugeben. Demnach steigt der durchschnittliche Betrag von 266 Euro im Jahr 2017 um sechs Prozent auf 282 Euro.