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Werbung auf Youtube, Instagram und Co.
Jeder Klick ist harte Arbeit

Losknipsen und schnell hochladen ist nicht genug, um als Influencer Erfolg zu haben.
Losknipsen und schnell hochladen ist nicht genug, um als Influencer Erfolg zu haben. FOTO: dpa-tmn / Josep Rovirosa
Köln/Kiel. Können allein genügt nicht. Wer mit Internet-Angeboten Geld verdienen will, braucht ein hohes Maß an Beharrlichkeit. Von Julia Felicitas Allmann und dpa

Sie stellen Bilder auf die Fotoplattform Instagram oder machen Videos für Youtube – und erreichen damit hunderttausende Menschen. Sogennante Influencer haben es geschafft, ein große Fangemeinden in sozialen Medien aufzubauen und daraus ein Geschäft zu machen. Johanna Sophie Misfeldt weiß, dass dahinter harte Arbeit steckt. Sie veröffentlicht unter dem Namen „mintundmeer“ auf einem Blog und bei Instagram regelmäßig Beiträge rund um Design, Einrichtung und Nachhaltigkeit. Im Foto-Netzwerk Instagram folgen ihr fast 40 000 Menschen. Seither bekommt sie regelmäßig Kooperationsangebote von Unternehmen, auch wenn das zunächst nicht ihr Ziel war.


Misfeldt begann vor etwa fünf Jahren, Instagram zu nutzen. „Weil ich Urlaubsfotos meiner Freunde sehen wollte“, sagt sie. „Dann fing ich an, Bilder aus meiner Wohnung zu teilen. Und mit der Zeit wurde der Kreis an Leuten, die mir folgten, immer größer.“ Irgendwann kamen die ersten Anfragen von Unternehmen, und sie verdiente das erste Geld.

Bei Misfeldt ermöglichen das – wie bei den meisten Influencern – vor allem Kooperationen mit Unternehmen. Diese wollen den Bekanntheitsgrad der Blogger und Youtuber für ihre Werbebotschaften nutzen und zahlen dafür. Eine Zusammenarbeit passt aber nicht immer. „Zunächst geht es darum, ein Konzept zu planen, mit dem sich das Produkt gut präsentieren lässt. Manchmal merke ich an diesem Punkt, dass es doch nicht funktioniert, und steige aus“, erzählt Misfeldt.



„Wenn alles passt, halte ich die Eckpunkte schriftlich mit dem Kunden fest und setze die Kooperation um.“ Sie erhält ein Produkt, testet es, fotografiert es, veröffentlicht einen Beitrag – und sorgt so im Idealfall dafür, dass ihre Follower zu Kunden der Firma werden.

Das geht nicht nur in den Bereichen Mode, Beauty, Reise oder Lifestyle, an die viele Menschen als erstes denken: „Praktisch jedes Thema ist möglich“, sagt Marlis Jahnke, Autorin des Buchs „Influencer Marketing“. Wichtig sei nur, eine echte Vorliebe für eine Sache zu haben und Expertise mitzubringen. Auch in den Bereichen Technik, Gartenarbeit oder Selbermachen gebe es viele Möglichkeiten.

Für einen überzeugenden Auftritt reiche Leidenschaft für ein Thema allein jedoch nicht aus: „Um erfolgreich zu sein, muss man eine gewisse Professionalität und Ausdauer mitbringen“, sagt Jahnke. „Ich sollte einen Plan erstellen, was ich wann poste. Ich muss bereit sein, das einzuhalten und mich selbst immer wieder zu zeigen.“ Außerdem müssten rechtliche Grundlagen eingehalten werden: zum Beispiel die Kennzeichnung von Beiträgen, die Werbung enthalten.

Und es seien je nach Plattform weitere Kenntnisse erforderlich, um gute Inhalte zu produzieren: „Ein überzeugendes Youtube-Video zu erstellen, ist gar nicht so einfach“, sagt Jahnke. „Und wer einen Blog betreibt, sollte in der Lage sein, professionelle Texte zu schreiben.“

Misfeldts Tipp für alle potenziellen Influencer lautet: „Nicht verkrampfen, sondern aus dem Bauch heraus agieren. Man sollte nicht versuchen, jemand zu sein, der man nicht ist.“ Natürlich sei es auch wichtig, regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen und sich mit seinen Anhängern auszutauschen. „Aber das ist ja auch das, was wirklich Spaß macht – es ist schließlich ein soziales Netzwerk.“

Jan Stranghöner, der eine Firma für Marketing leitet, rät dazu, technische Entwicklungen und aktuelle Trends zu verfolgen: „Die erfolgreichen Influencer haben die Chance genutzt, sich früh auf neuen Plattformen wie Snapchat oder Instagram zu positionieren“, sagt Stranghöner. Sie hätten die Funktionsweise dieser Netzwerke frühzeitig verstanden.

Jetzt existierten die Netzwerke zwar bereits, aber es entwickelten sich ständig neue Möglichkeiten. Aktuell sei zum Beispiel Instagram TV angesagt. Wer es schaffe, hier schnell eigene Beiträge einzustellen, habe vergleichsweise wenig Konkurrenz.

Stranghöner rät davon ab, seine Gefolgschaft künstlich durch Geld zu vergrößern oder sogenannte Chatbots einzusetzen. Das sind Programme, die vorgeben, menschliche Nutzer zu sein und beispielsweise automatisiert Beiträge kommentieren: „Dadurch nimmt man in Kauf, von der Plattform gesperrt zu werden.“ Wenn Nutzer merkten, dass getrickst wurde, sei die Glaubwürdigkeit verloren und der Ruf zerstört.

Wer mit seinen Beiträgen Geld verdienen möchte, braucht laut Jahnke nicht unbedingt zehntausende Follower. „Viele Marken finden es spannend, mit mehreren sogenannten Mikro-Influencern zusammenzuarbeiten“.

Um in den Fokus von Werbepartnern zu gelangen, könnten Influencer in spe einerseits Agentur-Netzwerken beitreten, die Kooperationen vermitteln. Andererseits sei es auch möglich, die Produkte von gewünschten Partnern unbezahlt – aber als Werbung gekennzeichnet – zu präsentieren. Ein solcher Beitrag könne das Interesse an einer künftigen bezahlten Zusammenarbeit wecken, erklärt Jahnke.