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Ich sehe was, was du nicht siehst

Ich sehe was, was du nicht siehst

Die Mobilfunk-Industrie schwankt zu ihrer wichtigsten Messe zwischen Sorge um die Zukunft und Euphorie im Angesicht neuer Geschäftsaussichten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg nutzt den Mobile World Congress, um für seine Mission zu werben.

Die Mobilfunk-Industrie sucht neue Geschäftsmodelle . Beim Mobile World Congress , der aktuell in Barcelona stattfindet, rückten diesmal vor allem das Internet der Dinge und die virtuelle Realität in den Mittelpunkt. Zugleich stellt sich die Branche auf einen radikalen Wandel ein. Es gebe nur zwei Alternativen, erklärt Manager Ralph de la Vega vom amerikanischen Telekom-Riesen AT&T. Entweder man krempele sein Geschäft um, oder man werde damit umgekrempelt.

Facebook-Satellit für Afrika

Facebook-Chef Mark Zuckerberg verkündete auf der weltgrößten Mobilfunk-Messe Neuigkeiten zu seiner Initiative Internet.org an, die Menschen in Entwicklungsländern einen besseren Internet-Zugang ermöglichen soll. Facebook werde in diesem Jahr seinen ersten Satelliten zur günstigen Internet-Versorgung entlegener Gebiete in Afrika starten. Dafür werde gerade eine zweite Test-Drohne mit Antennen gebaut. Internet.org ist allerdings auch umstritten. Kritiker sehen dadurch zum Teil die Netzneutralität beeinträchtigt.

Chefs führender Mobilfunk-Anbieter bekräftigten ihre Forderung nach besseren Bedingungen für ihr Geschäft und weitere Investitionen in Netze. Die Politik müsse sicherstellen, dass es in der digitalen Welt keine dominanten Konzerne gebe, sagte Vodafone-Chef Vittorio Colao, ohne Google beim Namen zu nennen.

Die Mobilfunk-Anbieter kritisieren schon seit Jahren, dass sie Milliarden in den Netzausbau investieren, jedoch keinen Anteil an den Erlösen von Online-Firmen wie Facebook oder Google bekommen, die diese Infrastruktur auslasten. Zuckerberg entgegnete erneut, erst die Online-Dienste machten die Tarife der Netzbetreiber für die Kunden interessant.

Zugleich eröffne sich der Branche die Möglichkeit auf ein neues Geschäft, betonte Ralph de la Vega. Die ganzen vernetzten Geräte müssten miteinander verbunden werden und das sei genau das, was man mache. Zugleich werde es mit dem Internet der Dinge in wenigen Jahren zehn Mal mehr vernetzte Maschinen als Menschen auf der Welt geben.

Samsung setzte bei der Präsentation seiner neuen Smartphones massiv auf virtuelle Realität und bekräftigte damit einen zentralen Trend der Messe. Unter anderem präsentierte der Konzern auch eine 360-Grad-Kamera. Das kugelförmige Gerät namens Gear 360 nimmt mittels zweier Weitwinkellinsen 360-Grad-Panoramen auf, die sich mit Smartphones oder in Verbindung mit sogenannten Datenbrillen anschauen lassen. Auch andere Hersteller wie LG oder Lenovo zeigen hier Brillen, mit denen man in virtuelle Welten eintauchen kann. Smartphone-Spezialist HTC kündigte den Marktstart seines High-Tech-Headsets Vive für April an.

Neue Technologien für Autos

Ford will in den kommenden Jahren die Investitionen in Technologien für selbstfahrende Autos verdreifachen, wie Konzernchef Mark Fields in Barcelona ankündigte. Dabei gehe es zunächst etwa um Technik für Stau-Assistenten und vollautomatische Einparkhilfen. "Wir stehen an der Schwelle einer Revolution der Mobilität. Und wir wollen Autobauer und Mobilitäts-Dienstleister sein", sagte Fields. Zur Kundenbindung startete der Konzern ein Programm, bei dem Teilnehmer verschiedene Vergünstigungen bekommen. In Deutschland zählt zu den Partnern des Programms der Anbieter für die organisierte gemeinschaftliche Nutzung eines Autos, des sogenannten Carsharings, Flinkster. Der Anbieter gehört zur Deutschen Bahn.

Der Mobile World Congress , das wichtigste Treffen der Mobilfunk-Branche, läuft noch bis Donnerstag. Im vergangenen Jahr brachte die Fachmesse die Rekordzahl von 93 000 Besuchern nach Barcelona . In diesem Jahr dürften es kaum weniger sein.