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Hobby-Forscher entdecken ein bizarres Sonnensystem

Bonn. Einstein@Home heißt ein Internetprojekt, dessen Teilnehmer Rechenleistung ihrer Computer der astronomischen Forschung zur Verfügung stellen. Dabei ist jetzt ein verblüffendes Doppelsternsystem entdeckt worden. np

Teilnehmer des Internet-Projekts Einstein@Home haben bei der Analyse der Daten eines Radioteleskops 25 000 Lichtjahre von der Erde entfernt ein höchst ungewöhnliches Sonnensystem entdeckt. Es besteht aus zwei ausgebrannten Sternen. Diese sogenannten Neutronensterne haben ungefähr die Masse unseres Zentralgestirns, aber nur etwa 20 Kilometer Durchmesser. Ihr Abstand ist so gering, dass sie nur fünf Stunden für eine Umkreisung benötigen, erklärt das Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Nur ein gutes Dutzend solcher Systeme sei bisher bekannt.



Neutronensterne sind Überreste gewaltiger Sternexplosionen, bei denen ein Himmelskörper ungeheurer Dichte zurückbleibt, der sich durch sein extremes Magnetfeld bemerkbar macht. Dieser Winzling hat etwa die Größe eines Kometen, aber die Masse eines kleinen Sterns. Die Materie von Neutronensternen hat eine so gewaltige Dichte, dass ein Kubikzentimeter eine Million Tonnen wiegen kann.

Neutronensterne senden wie rotierende Leuchtfeuer ständig stark gebündelte Radiostrahlung ins Weltall. Wird die Erde davon getroffen, kann dieser Stern mit Hilfe großer Radioteleskope als pulsierende Radioquelle aufgespürt werden.

Gefunden wurde dieses Doppelsternsystem von einem riesigen PC-Netzwerk, das Messwerte des Radioteleskops Arecibo in Puerto Rico untersuchte. Die Rechner waren im Rahmen des Internetprojekts Einstein@Home per Internet zusammengeschaltet worden. Das Einstein-Projekt vereint insgesamt die Leistung von 50 000 Rechnern. Zusammen bilden sie einen der 60 leistungsfähigsten Supercomputer der Welt, so das Max-Planck-Institut.

einsteinathome.org