Herzforscher zweifeln am Rotwein-Effekt

Rotwein, so er in Maßen getrunken wird, galt bisher bei gesunden Menschen als gut für Herz und Kreislauf. Doch eine Studie aus der Republik Tschechien lässt nun erstmals Zweifel an dieser Wirkung aufkommen.

Düsseldorf . Das Geheimnis eines langen Lebens liegt in der richtigen Ernährung. Dabei spielen, so die Erkenntnisse der Medizin, Flavonoide eine Rolle, sekundäre Pflanzenstoffe, die das Herz-Kreislauf-System schützen. Flavonoide kommen zum Beispiel in Äpfeln und Kohl vor, aber auch im Kakao von Bitterschokolade und Rotwein. Folglich galt Rotwein bei mäßigem Genuss als gut fürs Herz. Doch nun berichtet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die in der Vergangenheit selbst das Loblied auf den Wein sang, es sei nötig, über das Thema neu nachzudenken.

Eine Studie aus Tschechien sät Zweifel an der behaupteten Wein-Wirkung. Sie komme zum Ergebnis, dass regelmäßiger, moderater Konsum von Rot- und Weißwein über ein Jahr das Atherosklerose-Risiko nicht verändert. Auch die These, dass Weinkonsum die Konzentration des guten HDL-Cholesterins im Blut erhöhe, habe sich nicht bestätigt. Die tschechischen Forscher hatten 146 Testpersonen mit leichtem bis mittlerem Atherosklerose-Risiko ein Jahr regelmäßig Pinot Noir oder Chardonnay-Pinot verabreicht - Frauen fünfmal pro Woche 0,2 Liter, Männern 0,3 Liter.

Beim Kakao habe dagegen eine Studie des Uniklinikums Düsseldorf bestätigt, dass Flavonoide gesund sind, so die DGK. Nach einem Monat hätten sich bei den 100 Testpersonen, die an dieser Studie teilnahmen, Gefäßfunktionen, Blutdruck- und Cholesterinwerte verbessert. Ihr statistisches Risiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben, sei um 43 Prozent gesunken.