Hass und Hetze sind im Netz alltäglich

Hass und Hetze sind im Netz alltäglich

Ein Großteil der deutschen Internetnutzer empfindet Hasskommentare als wachsendes Problem. Wer sie bemerkt, ignoriert sie allerdings meistens. Strafanzeigen und Gegenrede kommen oft nur von direkt Betroffenen.

Wüste Beschimpfungen, rassistische Beleidigungen , Gewaltandrohungen: Hasskommentare im Netz sind längst keine Randerscheinung mehr. Jeder neunte Internetnutzer in Deutschland war laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage schon Ziel solcher Übergriffe, wurde beleidigt, bedroht oder in anderer Weise persönlich angegangen.

Rund drei Viertel der Befragten haben nach eigenen Angaben einen starken Anstieg von Hetze im Netz festgestellt, jeder Zehnte immerhin einen leichten Anstieg. Die Mehrheit betrachtet Hassparolen im Netz als echtes Problem. Acht von zehn Befragten fürchten, dass aus Hassbotschaften eines Tages echte Gewalt werden könnte, sieben von zehn fürchten eine Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas. "Hasskommentare im Internet sind ein Problem, das uns alle betrifft", sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer von Bitkom.

Als Lösungsansätze wünschen sich die Befragten: bessere Infos zum Verhalten im Netz (86 Prozent), Sperrung von aggressiven Nutzern (80 Prozent), Abschalten von Kommentarfunktionen bei Bedarf (77 Prozent), mehr Gegenrede durch andere Kommentatoren (72 Prozent) und mehr Einsatz der Strafverfolgungsbehörden (70 Prozent).

Bei allem Problembewusstsein ist die Masse der Netznutzer Hasskommentaren gegenüber aber nach wie vor passiv eingestellt. Zumindest solange sie nicht selbst betroffen sind. Fast acht von zehn Nutzern reagieren nicht aktiv auf Hetze oder Beleidigungen . Meldung an den Seitenbetreiber erstatten 16 Prozent, jeder Vierzehnte hält mit eigenen Beiträgen dagegen. An Polizei oder Staatsanwaltschaft wendet sich jeder Hundertste.

Betroffene von Hetze und Beleidigung wenden sich in mehr als jedem zweiten Fall an Seitenbetreiber, etwa ein Drittel schreibt auch aktiv gegen Hetze an. 19 Prozent der Nutzer wenden sich an die Behörden.

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