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Hass im Netz sollte nicht ignoriert werden

Hilfe bei Hass im Internet : Hass im Netz sollte nicht ignoriert werden

In Kommentaren, Foren und sozialen Netzwerken ist der Ton oft beleidigend und sogar bedrohend. Betroffene können sich aber wehren.

Wer in sozialen Netzwerken aktiv ist, stößt schnell auch auf Hass und Hetze. Hassrede wird das Beleidigen, Hetzen und Diskriminieren im Internet genannt.

Wer Hass im Netz beobachtet, kann auf verschiedene Weise dagegen vorgehen. „Das Wichtigste ist, Hass nicht stehenzulassen“, sagt Simone Rafael, Chefredakteurin der Belltower News von der Amadeu Antonio Stiftung, die sich für die Stärkung der Zivilgesellschaft einsetzt. „Nicht zu reagieren sieht immer aus wie Zustimmung.“ Außerdem verfestigten sich bei fehlender Gegenrede die Positionen der Hassredner.

Wer sich gegen Hass positionieren will, kann andere ansprechen und sich so Unterstützung holen, rät Rafael. Und wer einen Unternehmensaccount betreut, sollte konsequent moderieren und gegebenenfalls Beiträge mit Hassinhalten löschen. Wer Inhalte selbst nicht löschen kann, kann zumindest die Verantwortlichen der Seite darauf aufmerksam machen oder die Meldefunktionen der sozialen Netzwerke nutzen. Wer selbst von Hass im Netz betroffen ist, dem rät Rafael zu einer mehrstufigen Strategie. „Der erste Schritt ist die Beweissicherung.“ Hier genügt es, ein Bildschirmfoto zu machen und sich die Adresse der Webseite zu notieren.

Danach können Betroffene die Beiträge löschen. „Man muss das nicht ertragen“, betont Rafael. Wer besonders akut von Hassrede betroffen ist, kann in einem nächsten Schritt Freunde oder Kollegen bitten, den eigenen Account für einige Zeit zu betreuen. Bei strafrechtlich relevanten Inhalten sollten Opfer Anzeige erstatten. Allerdings fällt nur ein kleiner Teil unter das Strafgesetz. 

Von Staatsseite gibt es mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz Bemühungen, die strafrechtlichen Prozesse zu vereinfachen, um besser an die Daten der Täter über die Netzwerke heranzukommen.

Trotzdem ist es für die Opfer digitaler Gewalt nicht immer einfach, rechtliche Konsequenzen zu erwirken. Beispielsweise urteilen Richter sehr unterschiedlich, sagt Rafael. „Denken wir nur an den Fall Renate Künast, bei dem herabwürdigende sexuelle Sprache als Sachbezug bewertet wurde.“ Trotz dieser Unsicherheiten sei eine Anzeige ihrer Meinung nach wichtig, um in den Polizeistellen ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Wer merkt, dass ihn die Angriffe im Netz sehr belasten, sollte das nicht mit sich selbst ausmachen, sondern seine Probleme teilen. Die Folgen könnten andernfalls für Betroffene schwerwiegend sein, von einem Ausstieg aus der Debatte bis hin zu psychischen Störungen. „Die Folgen sind ähnlich wie in der richtigen Welt.“

Unter Hassrede werde ganz allgemein digitale Gewalt verstanden, die über Sprache, Worte oder Bilder verbreitet wird und die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreitet, sagt Nadine Eikenbusch, Referentin für die EU-Initiative Klicksafe bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen.

Dazu zählten Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus. Auch Sexismus und die Ablehnung von Homosexualität fielen darunter. „Die Attackierten werden aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung verachtet, beleidigt und bedroht“, sagt Eikenbusch.

Verleumdung, Beleidigung und Volksverhetzung seien nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt und könnten angezeigt oder bei Beschwerdestellen wie „Hassmelden“ oder den Beschwerdestellen der Landesanstalten für Medien gemeldet werden.

Diskriminierende, gewaltverherrlichende und menschenverachtende Äußerungen gegenüber Personen oder Bevölkerungsgruppen sind keineswegs neu, sagt Birgitt Riegraf, Soziologin und Präsidentin der Universität Paderborn: „Sie haben durch das Internet und die digitalen Medien allerdings eine neue Dimension erreicht.“

(dpa)