Handymasten im Tarndesign

Handymasten im Tarndesign : Warum Handymasten Tarnkappen tragen

Damit Sendeanlagen nicht auffallen, werden sie verkleidet. Es bleibt die Frage, ob die Strahlung die Gesundheit gefährdet.

Funklöcher will fast niemand. Mobilfunkmasten aber auch nicht. Hauseigentümer und Mobilfunkanbieter haben eine Lösung gefunden, die aber nicht jedem gefällt. Sie tarnen die Masten, lassen sie wie etwas anderes aussehen. So kann sich hinter unscheinbaren Schornsteinen eine Mobilfunkantenne verbergen. Kaminattrappen sind nur eine Möglichkeit, um Funkanlagen zu kaschieren. Bäume, Palmen, gar Kirchenkreuze können in Wahrheit ein Sendemast sein. Der Kamin werde besonders häufig als Verkleidung für Mobilfunkmasten benutzt, erklärt der Münchner Ingenieur Hans Ulrich, der Kommunen bei der Wahl des richtigen Standorts für Sendeanlagen berät. Aber möglich sei alles.

Versteckte Mobilfunksendemasten gibt es laut dem Mobilfunkanbieter Vodafone etwa im Passauer Rathausturm, dem Tagungszentrum Schloss Hohenkammer nahe München, in Getreidesilos und in Freizeitparkattraktionen. Nur zehn Prozent der Stationen in Bayern seien freistehende Masten, erklärt Vodafone. Die restlichen seien in Gebäude integriert.

Die Deutsche Funkturm GmbH, eine Tochtergesellschaft der Telekom, die Funkstandorte baut und vermarktet, schätzt, dass in Gebäuden versteckte Antennen ebenso häufig sind wie die kaminartigen Ummantelungen. Eine dritte Möglichkeit sei, Antennen in der Umgebungsfarbe anzustreichen. „Wenn wir die Wahl hätten, würden wir immer einen einfachen, freistehenden Standort für Handymasten wählen“, sagt Unternehmenssprecher Benedikt Albers. Doch diese Wahl haben die Mobilfunkbetreiber nicht immer. Gemeinden und Grundstückseigentümer entscheiden mit, und Mobilfunkanlagen seien nicht gerade beliebt. Regelmäßig protestieren Bürger gegen geplante Masten in ihrer Umgebung. Gleichzeitig werde der Ruf nach einem flächendeckenden Netz immer lauter.

Ob ein Mobilfunkmast in der Nähe steht, können Bürger über eine Onlinekarte der Bundesnetzagentur herausfinden. Die Anzeige ist allerdings nicht exakt, ein Standort kann laut Behörde um bis zu 80 Meter verschoben sein. Auch erklärt die Bundesnetzagentur, dass die Zahl der in der Datenbank angegebenen Antennen von der der am Funkmast installierten Antennen abweichen könne, da stets nur Sende- nicht aber Empfangsantennen berücksichtigt würden.

Viele sorgen sich beim Ausbau der Funknetze um eine mögliche Strahlenbelastung, etwa der Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte. Dass Mobilfunkmasten getarnt werden, sei nicht okay, sagt eine Sprecherin des Münchner Vereins. Bedeutsam für elektrosensible Menschen seien aber vor allem strahlungsarm gestaltete Wohnungen und Arbeitsplätze sowie das Vermeiden handyreicher Umgebungen wie Straßenbahnen. Hauseigentümer müssen Mieter auf Anlagen aufmerksam machen, wie es vom Deutschen Mieterbund Bayern heißt.

Doch wie wirkt elektromagnetische Strahlung auf den Körper? Elektromagnetische Felder gehören zur nichtionisierenden Strahlung, erklärt das Bundesamt für Strahlenschutz. Die Photonen dieser Art der Strahlung besitzen im Gegensatz zur ionisierenden Strahlung nicht genügend Energie, um Atome und Moleküle zu ionisieren, das heißt aus der Hülle Elektronen herauszuschlagen und damit positiv geladene Teilchen (Ionen) zu erzeugen. Das bedeute unter anderem, dass im Gegensatz zum Beispiel zur Röntgenstrahlung ihre Energie zu gering sei, um das Erbmaterial direkt zu schädigen und damit unmittelbar an der Entstehung von Krebs beteiligt zu sein, versichert das Amt.

Elektromagnetische Felder können aber auf andere Weise der Gesundheit schaden, so die Behörde. Durch hochfrequente elektromagnetische Felder, wie sie etwa im Mobilfunk verwendet werden, könne biologisches Gewebe erwärmt werden. Jedoch verringere sich die elektromagnetische Strahlung sehr schnell, wenn man sich von der Quelle entferne, im Fall des Mobilfunks also von der Antenne einer Mobilfunksendeanlage, so das Bundesamt für Strahlenschutz.

Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand reichen die international festgelegten Höchstwerte aus, um vor nachgewiesenen Gesundheitsrisiken zu schützen, sagt das Bundesamt für Strahlenschutz. Allerdings seien manche Risiken nicht endgültig geklärt. Daher rät die Behörde, dass Handynutzer sich so wenig elektromagnetischer Strahlung wie möglich aussetzen.

(dpa)
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