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Apps für Urlauber
Handys finden auch ohne Netz zum Ziel

Ob mitten in Deutschland oder an entlegensten Orten – mit Offline-Karten zeigen Handys, wo es lang geht.
Ob mitten in Deutschland oder an entlegensten Orten – mit Offline-Karten zeigen Handys, wo es lang geht. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Hannover/Gelsenkirchen. Mit den richtigen Apps ersetzen Smartphones Navigationssysteme auch da, wo es keinen Handy-Empfang gibt. Von Benjamin Krüger und dpa

Schon in Deutschland ist in ländlichen Gegenden der Mobilfunkempfang deutlich schlechter als in der Stadt. In entlegenen Urlaubsregionen sollten Reisende sich also darauf einstellen, gar keine Datenübertragung nutzen zu können. Selbst wenn es möglich ist, kostet es oft viel Geld, denn außerhalb der EU fallen in vielen Ländern hohe Roaming-Gebühren an. Wer im Ausland sein Smartphone zur Navigation nutzen möchte, sollte deshalb zu Hause vorsorgen. Offline-Karten, also solche, die nicht auf eine Internetanbindung angewiesen sind, geben Reisenden auch ohne Handy-Empfang die nötigen Informationen.


Weit verbreitet ist das auf nahezu allen Androidgeräten vorinstallierte Programm Google Maps. Die App hat einen riesigen Umfang, da sie von den Daten gespeist wird, die Google- und Android-Nutzer täglich ins Netz funken. Das sorgt für eine laufend aktualisierte Navigation mit den neusten Informationen über Staus.

Karten samt Informationen lassen sich in der Maps-App von ­Google auch auf dem Telefon speichern. So sind die Daten auch ohne Internetverbindung verfügbar. Dazu müssen Nutzer im Menü der Anwendung den Punkt „Offlinekarten“ wählen und anschließend einen eigenen Kartenausschnitt auf der Weltkarte suchen und eingrenzen. Navigieren ist fortan in diesem Gebiet auch ohne Empfang möglich. Google bietet zusätzlich die App Trips an, die Informationen und Tipps zu einer geplanten Reise heraussucht und sich mit Google Maps ergänzt. Für die Verwendung von Google Maps ohne Netzanbindung müssen Nutzer mit einem Googlekonto angemeldet sein.



Neben Google Maps gibt es etliche spezialisierte Karten-Apps. Alexander Spier vom Fachmagazin „c’t“ empfiehlt zum Beispiel Karten und Navigation der Anwendung ­OsmAnd. Sie decken neben einfachen Straßenkarten auch Skigebiete oder Seekarten ab und geben angepasste Routen für Fußgänger, Autofahrer, Skifahrer oder Boote aus. Zu diesen ergänzenden Informationen gehören auch kleine Wanderwege oder Abfahrten, Restaurants und Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Die App greift auf frei verfügbare Karten und Informationen zurück und ist kostenlos. Weitere Alternativen sind die kostenlosen Apps Here WeGo des Anbieter Here oder
MapFactor GPS Navigation Maps von MapFactor. Neben universellen Karten-Anwendungen gibt es auch ortsbezogene Apps, die manche Reiseziele selbst anbieten.

Voraussetzungen für diese Programme sind ein zeitgemäßes Smartphone mit GPS-Empfang und ein ausreichender Speicherkapazität. Nutzer müssen die Karten, die einige Hundert Megabyte groß sein können, vor der Reise herunterladen. Wer das Kartenmaterial über eine WLAN-Verbindung herunterlädt, spart teures Datenvolumen.

Die Navigation mit den Apps funktioniert nur, wenn die Apps die Berechtigung haben, auf den Standort des Smartphones zuzugreifen und GPS aktiviert ist. Das „Global Positioning System“ benötigt keine Internetverbindung, nicht einmal Telefonnetz. GPS ist sehr zuverlässig, funktioniert aber nicht in Gebäuden oder Tunneln.

In Offline-Karten steht immer nur nur das parat, was Nutzer vorab heruntergeladen haben. Alexander Spier empfiehlt, bei längeren Aufenthalten im Reiseland die SIM-Karte eines einheimischen Anbieters zu kaufen. Darüber hinaus können Urlauber vor Ort immer häufiger frei zugängliche WLAN-Netze nutzen, etwa um frisches Kartenmaterial herunterzuladen. „Dabei sollten Reisende aber darauf verzichten, sensible persönliche Daten einzugeben, beispielsweise zum Einloggen in E-Mail-Konten“, sagt Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Es bestehe bei freiem WLAN immer das Risiko, dass Daten mitgelesen und dann von Cyber-Kriminellen missbraucht würden, so Schönbohm.