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Beliebteste Spieleplattform
Handy-Hersteller entdecken die Zocker

Für Spiele wie Pokémon Go, die eine Internetverbindung brauchen, ist ein großer Akku wichtig.
Für Spiele wie Pokémon Go, die eine Internetverbindung brauchen, ist ein großer Akku wichtig. FOTO: dpa / Piroschka Van De Wouw
Berlin. Es gibt immer mehr Smartphones speziell für Spieler. Dabei kommt es nicht nur auf einen schnellen Prozessor an. Von Benedikt Wenck (dpa)

  Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Smartphone-Hersteller auf diese Nische stürzen: Wie schon bei Spiele-Laptops sollen nun auch Handy-Modelle mit besonderen Eigenschaften und futuristischem Design die Zocker locken. Aber was können diese Telefone und wer braucht sie?


Der Markt für diese Geräte ist jedenfalls groß: Im Sommer stellte der Branchenverband Game eine Analyse des Marktforschungsunternehmens Growth from Knowledge (GfK) vor, nach der Smartphones mittlerweile den PC als beliebteste Spiele-Plattform in Deutschland abgelöst haben. Demnach nutzen mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland ihr Smartphone zum Spielen.

Der Vorteil der Handys gegenüber Konsolen oder Heimrechnern sei, dass die meisten Menschen eines besitzen und es auch immer dabei haben, erklärt David Gillengerten vom Smartphone-Fachportal „Inside-Handy.de“. Zudem liefen in der Regel alle Spiele-Apps aus den offiziellen Anwendungs-Plattformen auf allen halbwegs aktuellen Smartphones. Mindestvoraussetzungen, etwa beim Prozessor, gebe es nicht.



Wozu dann ein Spezial-Handy? „Die Hersteller versuchen, ihre Gaming-Smartphones mit einer Ausstattung zu legitimieren, die das Spielen erleichtern oder einfach besser machen soll“, erklärt Gillengerten.

Da wäre zum Beispiel der für Laptops und PC-Zubehör bekannte Hersteller Razer, der seinem ersten Spiele-Smartphone gerade einen Nachfolger spendiert hat. Das Razer Phone 2 verfügt über ein Display mit einer Bildwiederholrate von 120 Hertz. Das soll das Spielerlebnis flüssiger machen. Punkten kann das Gerät wie der Vorgänger mit einem besonders großen Akku mit 4000 Milliamperestunden (mAh) Kapazität. Deutliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger stellen der Staub- und Spritzwasserschutz (IP67) sowie die von Laptops übernommene Kühltechnologie Vapor Chamber dar. Diese soll die Wärme vom Prozessor mittels einer verdampfenden Flüssigkeit ableiten.

Neu auf dem Markt ist auch das ROG Phone von Asus. ROG steht für Republic of Gamers und ist eine eigene Marke für Videospielgeräte des Herstellers aus Taiwan. Es fällt vor allem äußerlich auf: Mit vielen stumpfen Winkeln im Design und einem in bunten Farben leuchtenden Logo auf der Rückseite erinnert es an Spiele-Laptops. Darüber hinaus hat es an der Seite zusätzliche USB-C-Anschlüsse. Darüber kann das Handy zum einen leichter geladen werden, wenn es horizontal gehalten wird. Zum anderen lässt sich daran Zubehör anschließen, etwa ein externer Kühler oder ein zusätzlicher Bildschirm.

Es geht aber auch dezenter – etwa mit dem Honor Play von Huawei. Der chinesische Hersteller betont in der Vermarktung vor allem die Prozessorleistung. Auch normale Top-Smartphones ab 450 Euro seien zum Zocken jedoch meistens gut geeignet, sagt Gillengerten. 

Dass man sich kein spezielles Spiele-Handy zulegen muss, wenn man viel Leistung zum Zocken sucht, zeigt auch ein Vergleich von spezialisierter Smartphones mit den Flaggschiff-Modellen verschiedener Handy-Hersteller im Fachmagazin „connect“. Die Geräte wurden auf ihre Leistungsfähigkeit hin überprüft – etwa die Akkulaufzeit bei Videowiedergabe oder die Schnelligkeit des Prozessors anhand eines sogenannten Grafik-Benchmarks. Dieser misst, wie gut ein Gerät eine zu diesem Zweck programmierte Spielesimulation darstellen kann. Das Fazit: Auch die Top-Telefone ohne speziellen Zocker-Fokus, wie das Samsung Galaxy S9+ oder das Apple iPhone X, sind ideal fürs Spielen unterwegs. iPhones hätten den Vorteil, dass viele Handy-Spiele zuerst für iOS erschienen.

Allgemein ist es ratsam, beim Smartphone-Kauf auf einige Ausstattungsmerkmale besonders zu achten, wenn mit dem Gerät auch gespielt werden soll: Der Prozessor spielt bei der Leistungsfähigkeit die wichtigste Rolle. Samsung, Huawei und Apple produzieren eigene Chips für ihre Top-Smartphones, die genug Rechenleistung bereitstellen. Andere Hersteller verbauen in ihren Top-Geräten oft den Snapdragon 845 von Qualcomm. Dieser ist ebenfalls für grafisch anspruchsvolle Spiele geeignet.

Entscheidend ist zudem die Akkukapazität. Ein auf Hochtouren laufender Prozessor, ein durchgehend eingeschaltetes Display, aufgedrehte Lautsprecher – das verbraucht viel Energie. Es empfehlen sich daher Handys, deren Akkus sich mindestens in der Größenordnung von 3000 bis 4000 Milliamperstunden (mAh) bewegen.

Für das Asus Rog soll es als Zubehör unter anderem einen zusätzlichen Bildschirm sowie einen externen Kühler geben.
Für das Asus Rog soll es als Zubehör unter anderem einen zusätzlichen Bildschirm sowie einen externen Kühler geben. FOTO: Asus/dpa-tmn / Asus
Spiele mit anspruchsvoller Grafik laufen auch auf gewöhnlichen Top-Smartphones wie dem Samsung Galaxy Note 9
Spiele mit anspruchsvoller Grafik laufen auch auf gewöhnlichen Top-Smartphones wie dem Samsung Galaxy Note 9 FOTO: Carsten Koall/dpa / Carsten Koall