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Halb Tier, halb Pflanze

Halb Tier, halb Pflanze

Wien. Sie ist weder Tier noch Pflanze, sondern ein Organismus, der Eigenschaften beider Welten vereint.

Evolutions- und Entwicklungsbiologen der Universität Wien haben bei der Analyse des Erbguts der Seeanemone eine verwirrende Vielseitigkeit genetischer Eigenschaften entdeckt.

Einerseits habe die Seeanemone mit 18 000 Genen ein ähnlich komplexes Erbgut wie der Mensch (21 000 Gene) und nutze in ihren Zellen komplizierte Mechanismen der Genregulation, die aus dem Tierreich bekannt sind. Andererseits verwende sie Verfahren der Proteinregulierung, die sonst ausschließlich in Pflanzenzellen vorkommen.

Proteine werden in allen Zellen nach den in der Erbsubstanz DNA gespeicherten Informationen erzeugt. Dabei unterscheiden sich Tier- und Pflanzenzellen unter anderem durch biochemische Steuersubstanzen in den Zellen, sogenannte MicroRNAs, deren Aufbau und Wirkungsweise extrem voneinander abweichen. Zu ihrer Überraschung, so die Wiener Forscher um Professor Ulrich Technau, erscheint die Seeanemone unter diesem Blickwinkel betrachtet wie eine Pflanze. Die Forscher gehen davon aus, dass die hochkomplizierten Verfahren der Genregulation wenigstens 600 Millionen Jahre alt sind und auf gemeinsame Vorfahren von Mensch, Fliege und Seeanemone zurückgehen.