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Hacker schreiben Geschichte

Berlin. Kunst und Technik sind ein Widerspruch? Von wegen. Beim Hackathon in Berlin zeigen Vertreter beider Welten unter dem Motto „Coding da Vinci“, wie sich Daten von Kultursammlungen und Museen in Computer-Anwendungen einsetzen lassen. Katharina Klasen

Kunst und Wissenschaft miteinander vereinen - das war das Ziel des sogenannten Kultur-Hackathons, der dieses Jahr unter dem Motto "Coding da Vinci" in Berlin stattfand. Für gewöhnlich treffen sich auf einem Hackathon Programmierer und Softwareentwickler , um gemeinsam neue Anwendungen wie Apps und Computerspiele zu entwerfen. Kultur-Hackathons, wie es sie bereits in den USA und den Niederlanden gibt, gehen einen Schritt weiter: Die Teilnehmer müssen in ihren Innovationen Technik und Kultur vereinen. Dafür erhalten sie Bilder, Audio- und Videodateien, die Kultureinrichtungen wie Archive, Bibliotheken und Museen zur Verfügung stellen.

Projektleiterin Helene Hahn erklärt: "Wir möchten mit Coding da Vinci kulturinteressierte Menschen und kulturelle Einrichtungen mit Programmierern und Softwareentwicklern vernetzen." Hand in Hand sollten die 150 Teilnehmer aus ganz Deutschland aus den digitalen Beständen des deutschen Kulturerbes nützliche und kreative Anwendungen kreieren. Insgesamt zehn Wochen lang hatten sie Zeit, ihre Ideen umzusetzen. Heraus kamen letztendlich 17 Projekte mit ganz unterschiedlichen Verwendungen.

Viele Teams widmeten sich der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Drei Gruppen beschäftigten sich mit der "Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums", welche die Nazis zwischen 1938 und 1941 zusammenstellten und die rund 5 000 Titel und 1 000 Autoren enthält. Sie entwickelten die App Verbotene Autoren. Nutzer der Anwendung können sich per Handy über die Schriftsteller und Bücher informieren, die im Dritten Reich verboten waren. Ein anderes Team rief die Seite verbrannte-und-verbannte.de ins Leben, auf der neben vielen Informationen exemplarisch die Lebensläufe und Werke von Erich Kästner und Annette Kolb dargestellt werden. Innovation zeigt auch die Aktion "Lebendige Liste": Um gegen das Vergessen anzukämpfen, veröffentlichen die Initiatoren täglich auf Twitter einen Eintrag aus der NS-Verbotsliste.

Zudem entstanden Applikationen, die schlicht unterhaltsam sein sollen. Mit der App Ethnoband können Nutzer virtuell auf indonesischen Musikinstrumenten spielen. Dafür verknüpften die Entwickler Bild- und Tonaufnahmen aus der Sammlung des Ethnologischen Museums in Berlin miteinander. Die iPad-App EthnoTier lädt vor allem Kinder dazu ein, mit Musikinstrumenten und Tierstimmen ein digitales Orchester zu gründen. Mit der Anwendung Alt-Berlin können Interessierte die Entwicklung Berlins entdecken und zum Beispiel auf Fotos Gebäude von früher und heute vergleichen.

Lustig ist auch die Anwendung zzZwitscherwecker. Die App weckt ihre Nutzer jeden Morgen mit einem anderen Vogelgezwitscher. Der Wecker gibt jedoch erst Ruhe, wenn sein Besitzer das Gezwitscher der entsprechenden Vogelart zuordnen kann. So sollen Nutzer spielerisch ihr Wissen über Vögel erweitern.

Überhaupt hat sich Coding da Vinci vorgenommen, mithilfe von Apps, und Spielen neue Wege in Sachen Kulturvermittlung zu beschreiten. Bildung und Wissen sollen anschaulich und verständlich dargestellt werden.



Zum Thema:

Auf einen BlickAuf Kultur-Hackathons treffen sich Programmierer und Kulturinteressierte, um Anwendungen zu entwickeln, die Kunst und Technik miteinander verbinden. Bei der Veranstaltung in Berlin gaben dafür 16 Institutionen ihre Datenbestände zur Nutzung frei. Darunter die Berlinische Galerie , die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und das Landesarchiv Baden-Württemberg. Initiiert hat das Projekt die Stiftung Open Knowledge Foundation in Kooperation mit der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung und Wikimedia. Der Titel "Coding da Vinci" wurde gewählt, weil Leonardo da Vinci wie kein Zweiter Kunst und Wissenschaft vereinte. Infos zur Veranstaltung und den Projekten gibt es auf codingdavinci.de. kk