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Ratgeber Handy-Kauf
So viel darf das Smartphone kosten

Wer großen Wert auf eine gute Kamera legt, muss beim Handy-Kauf etwas tiefer in die Tasche greifen.
Wer großen Wert auf eine gute Kamera legt, muss beim Handy-Kauf etwas tiefer in die Tasche greifen. FOTO: Christin Klose/dpa-tmn / Christin Klose
Hannover/Berlin. Geräte der Spitzenklasse werden immer teurer. Die Flaggschiff-Modelle der großen Marken kosten 1000 Euro und mehr. Gute Handys mit den wichtigsten Funktionen sind jedoch viel günstiger zu haben. Von Pauline Sickmann

Smartphone ist nicht gleich Smartphone. Das zeigen schon die gewaltigen Preisunterschiede. Einsteigergeräte sind zum Teil für unter 100 Euro zu haben, in der Mittelklasse kostet ein Smartphone zwischen 250 und 500 Euro. Oberklassemodelle sind preislich ab 600 Euro angesiedelt – und werden stetig teurer. Die neuesten Geräte kosten weit über tausend Euro. Aber muss so viel Smartphone überhaupt sein?


Das komme ganz darauf an, welche Ansprüche ein Nutzer an sein Gerät stellt, sagt Alexander Spier vom Computer-Fachmagazin „c’t“. Über die aktuelle Technik verfügten Einsteigergeräte zwar nicht. Wer wenige Apps nutze, nur gelegentlich im Internet surfe und hin und wieder telefonieren wolle, sei aber mit einem Handy ab etwa 150 Euro gut bedient.

Abstriche müssen Nutzer in diesem Bereich bei der Kamera machen. Außerdem seien die Geräte meist nicht sehr schnell: die Anzeige kann gelegentlich ruckeln, da der Arbeitsspeicher relativ klein ist, der Prozessor nicht sehr leistungsfähig. Auch beim Design müssen Käufer von Einsteigermodellen zurückstecken, da günstigere Modelle häufig aus Kunststoff gefertigt sind. Der Vorteil daran ist jedoch, dass die Geräte dadurch unempfindlicher sind und nicht so schnell kaputtgehen.



Wer ein neues Smartphone kaufen will, sollte sich nicht von der Megapixel-Angabe der Kamera blenden lassen, rät Alexander Emunds vom Telekommunikationsportal „Teltarif.de“. „Ob die Kamera gute Fotos macht, hängt viel mehr von dem Zusammenspiel der verbauten Technologien und der Software ab.“

Andere technische Richtwerte eigneten sich für Käufer besser als Orientierungshilfe: Wer viele Fotos und Videos speichern wolle, brauche einen entsprechend großen internen Speicher. „Da sind 16 Gigabyte sehr wenig“, sagt Emunds. Zu bedenken sei auch, dass schon das Betriebssystem sowie die Apps einen großen Teil des Speichers belegten. Viele Smartphones böten jedoch die Möglichkeit, Speicher per Micro-SD-Karte nachzurüsten. Gleichwertig ersetzen könne so ein externes Speichermedium die Kapazität an internem Speicher aber nicht, weil der schneller arbeite. Große Dateien wie Fotos und Videos ließen sich aber gut auf eine Speicherkarte auslagern.

Wer Wert auf schnelles Internet legt, sollte darauf achten, dass das Smartphone den aktuell schnellsten Mobilfunkstandard LTE (4G) und mindestens den WLAN-Standard „n“ unterstützt. Noch schneller ist nur das sogennante ac-WLAN – dieses wird bei günstigeren Smartphones oft nicht verbaut, sondern ist erst bei Mittel- und Oberklasse-Smartphones zu finden.

Da oft auch am Display gespart wird, sollten Käufer auf eine Auflösung von mindestens 720 Bildpunkten in der Breite achten, empfiehlt Emunds. Welche Auflösung optimal sei, hänge letztendlich aber von der Display-Größe ab. Je größer das Display ist, desto höher sollte auch die Auflösung sein.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass günstigere Smartphones über ein dunkleres Display haben. Wer sein Gerät häufig draußen zum Navigieren benötigt oder im Sommerurlaub am Strand darauf lesen möchte, ist deshalb mit einem Einsteigergerät mit geringer Displayhelligkeit nicht gut bedient.

In der Mittelklasse werden die Leistungen der Smartphones besser: Die Programme laufen flüssiger, die Bildschirme haben eine höhere Auflösung und sind heller. Je nach Modell verfügen diese Handys über schnellen Prozessoren tolle Kameras. Käufer könnten in dieser Preisklasse entscheiden welches Merkmal ihnen besonders wichtig sei, erklärt Spier.

 Entsprechende Modelle gibt es bereits ab 250 Euro. Da Geräte mit Googles Betriebssystem Android recht schnell im Preis sinken, kann es sich lohnen, etwas ältere Modelle zu kaufen, die bereits einige Monate auf dem Markt sind.

Wer auf neueste Funktionen wie Gesichtserkennung Wert lege, müsse etwas tiefer in die Tasche greifen, sagt Christian van de Sand von der Stiftung Warentest. „Vor einigen Jahren war das bei den Fingerabdrucksensoren so. Mittlerweile sind die vermehrt auch in Mittelklassegeräten verbaut“, stellt er fest. Gleiches gelte zum Beispiel für die sogennanten Notch-Displays. Diese füllen zwar fast die gesamte Fläche eines Displays aus, müssen aber Lautsprecher, Selfie-Kamera und andere Sensoren in einer gut sichtbaren Aussparung unterbringen, die in den oberen Rand des Bildschirms hineinragt.

Oberklasse-Smartphones laufen reibungslos und sind für alle Situationen gerüstet. Deshalb rücken zusätzliche Spielereien in den Vordergrund. Dazu gehören das Laden ohne ein Netzteil direkt anschließen zu müssen oder die kontrastreichen OLED-Bildschirme. Deutliche Unterschiede zu günstigeren Smartphones zeigen sich in der Premiumklasse vor allem bei der Kamera.

Generell sollten Käufer vor allem auf eines achten: Sicherheitsaktualisierungen. „Die Geräte von Apple werden beispielsweise sehr lange mit Updates versorgt“, sagt Emunds. Das liege unter anderem daran, dass Apple sowohl Hersteller der Smartphones als auch der Software ist, mit der die Handys laufen. Viele Android-Geräte erhielten dagegen schon nach kurzer Zeit keine Aktualisierungen mehr. Das sei nicht nur bei günstigen Geräten der Fall, sondern könne auch bei teuren Modellen zum Problem werden, so Emunds. Käufer sollten sich deshalb informieren, ob das Wunschgerät über ein aktuelles Betriebssystem verfüge.

Grundsätzlich sind die Hersteller im Hinblick auf Software-Aktualisierungen nicht sehr transparent, so Emunds. Bei Oberklasse-Smartphones könnten Käufer zwar davon ausgehen, dass sie beispielsweise die nächste Version des Betriebssystem aufspielen können. Bei Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones empfehle es sich jedoch zuerst im Netz zu recherchieren, wie lange die Hersteller das Gerät auf dem neuesten Stand halten wollen.