Glücksspiele im Internet sind meist illegal

Glücksspiele im Internet : Wer online zockt, der pokert hoch

Glücksspiele im Internet boomen. Doch die meisten Webseiten sind in Deutschland eigentlich illegal. Daher machen sich auch die Nutzer der Plattformen strafbar.

Glücksspiel ist ein lukratives Geschäft – sowohl für den Staat als auch für private Anbieter. Laut einer Untersuchung des Handelsblatts Research Institute (HRI) erwirtschaftete der Glücksspielmarkt 2014 einen Umsatz von knapp 35 Milliarden Euro, also rund ein Viertel des Inlandsumsatzes der Automobilbranche und etwa doppelt so viel wie die pharmazeutische Industrie im Inland umgesetzt hat. Demnach haben 82 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen in Deutschland schon einmal an einem kommerziellen Glücksspiel teilgenommen.

Der Markt für Glücksspiele im Internet wird vor allem von nicht-regulierten Anbietern, also von solchen, die eine Glücksspielkonzession aus einem anderen EU-Land besitzen, und vom illegalen Schwarzmarkt dominiert. Das HRI schätzt, dass vier Fünftel der 2,3 Milliarden Euro Spielerträge, die der nicht-regulierte Markt pro Jahr erwirtschaftet, online verdient werden. Davon werde rund die Hälfte in Online-Casinos umgesetzt, gefolgt von Sportwetten mit 13 Prozent, Online-Lotterien mit elf Prozent und Poker mit fünf Prozent des Umsatzes.

„Online-Glücksspiel ist mit jährlichen Wachstumsraten von 15 Prozent einer der am schnellsten wachsenden Dienstleistungssektoren Europas“, wie die Zeitschrift für Wett- und Glücksspielrecht (ZfWG) berichtet. Allerdings hätten über 85 Prozent der 14 823 aktiven Glücksspielseiten in Europa keine Zulassung. Das liege unter anderem daran, dass sich staatliche Stellen schwer damit tun, einheitliche Regelungen zu schaffen, sagt Professor Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim.

Die gesetzliche Regulierung des Glücksspiels obliege in Deutschland den Landesregierungen, die 2011 im Glücksspieländerungsstaatsvertrag eine gemeinsame Richtlinie schaffen wollten. Das bis dahin geltende staatliche Glücksspielmonopol sollte darin aufgelöst werden. Stattdessen war geplant, Lizenzen testweise an 20 private Sportwettenanbieter zu vergeben. Doch schon seinerzeit herrschte Uneinigkeit: Schleswig-Holstein unterzeichnete den Staatsvertrag nicht und verabschiedete stattdessen ein eigenes Gesetz. 16 Anbieter erhielten so für fünf Jahre eine deutsche Glücksspiellizenz. Im Zuge der Landtagswahl 2012 verlor die damalige Landesregierung ihre Mehrheit, die Nachfolgeregierung beendete die Sonderregelung dann im Jahr 2013.

Ist Glücksspiel im Internet nun erlaubt oder nicht? Insbesondere beim Online-Glücksspielangebot sei eine klare Abgrenzung zwischen legal und illegal schwierig, da eine international verbindliche Vereinbarung nicht existiere, berichtet die ZfWG. Auch sei es gar nicht so einfach festzulegen, was genau denn Glücksspiel ist. So unterliegen beispielsweise sogenannte simulierte Glücks- und Gewinnspiele in sozialen Netzwerken wie Facebook in Deutschland keinerlei gesetzlicher Regulierung. Das liegt daran, dass nicht direkt Geld gesetzt wird. Die Nutzer spielen stattdessen mit virtuellen Währungen, die sie wiederum mit Geld kaufen. Dadurch seien sie im Grunde nahezu identisch mit klassischen Glücksspielen, erläutert Gerhard Meyer, Professor für Psychologie an der Universität Bremen.

Ebenfalls in einer rechtlichen Grauzone agieren Anbieter von Online-Sportwetten: Im Grunde muss sich jeder Anbieter in Deutschland die Genehmigung eines Bundeslands einholen – besitze der Anbieter keine Lizenz, sei auch die Teilnahme an dieser Wette strafbar, sagt Tilman Becker. Solche Lizenzen wären für Online-Anbieter von Sportwetten aber nie vergeben worden. Einzige Ausnahme ist der staatliche Anbieter Oddset, der laut ZfWG allerdings nur auf drei bis fünf Prozent Marktanteil bei den Sportwetten kommt. Den Rest des Geldes erwirtschaften die rund 130 anderen Webseiten, die Sportwetten in Deutschland über das Internet anbieten.

„Wer in Deutschland Casinospiele oder Poker über das Internet spielt, macht sich in der Regel strafbar“, sagt Tilman Becker. „In der Praxis sieht es so aus, dass es ohne Kläger auch keinen Prozess gibt.“ Allerdings gilt: „Da Glücksspiel im Internet illegal ist, haben Verbraucher keinerlei rechtliche Möglichkeiten, wenn beispielsweise Gewinne nicht ausgeschüttet werden oder es sonstige Probleme gibt“, mahnt der Experte.

Laut Becker zeichne sich dennoch ab, dass einzelne Bundesländer weiterhin ihren eigenen Weg bei der Regulierung des Glücksspiels gehen wollen. „Dies könnte die gesetzlichen Regelungen auch in anderen Bundesländern untergraben und dazu führen, dass die Regulierung in ganz Deutschland nicht mehr mit dem Europarecht vereinbar ist.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung