Geisterjagd im Wohnzimmer

New Castle · Luis Hernan hat eine Methode entwickelt, unsichtbaren Datenfunk in Kunstwerke zu verwandeln. Dazu hält er verschieden starke WLAN-Signale mithilfe einer App auf Fotos fest.

 Mit der App Kirlian Device mobile und einem Fotoapparat können Nutzer unsichtbaren Datenfunk visuell erkennbar machen. Heraus kommen bunte und farbenfrohe Bilder. Foto: Luis Hernan

Mit der App Kirlian Device mobile und einem Fotoapparat können Nutzer unsichtbaren Datenfunk visuell erkennbar machen. Heraus kommen bunte und farbenfrohe Bilder. Foto: Luis Hernan

Foto: Luis Hernan

Bunte Fäden ziehen sich durchs Wohnzimmer, formen in der Küche einen großen Wirbel und werden im Flur immer heller, bis sie schließlich ganz verblassen. Was aussieht wie von Geistern hinterlassene Spuren, sind in Wirklichkeit WLAN-Signale, die mithilfe einer App und einer Kamera sichtbar gemacht wurden.

Die Idee dazu hatte Luis Hernan, Doktorand an der New Castle University in England. "Es gibt bereits einige Projekte, die sich damit beschäftigt haben, unsichtbaren Datenfunk auch visuell erkennbar zu machen", erzählt Hernan. Doch der Engländer wollte anders an das Thema herangehen. Für den Designer stand nicht der technische, sondern vor allem der künstlerische Aspekt im Vordergrund. Sein Ziel war es, die elektromagnetischen Strahlen in ein Kunstwerk zu verwandeln und so ein besseres Verständnis für den Raum zu entwickeln, in dem Menschen und Geräte interagieren. "Dieser Raum ist beispielsweise ein Haus. Es ist bestimmt jeder schon mit dem Laptop durch die Wohnung gewandert und hat verzweifelt nach einem besseren WLAN-Signal Ausschau gehalten," sagt Hernan.

Um den unsichtbaren Datenfunk, der uns umgibt, sichtbar zu machen, hat er eine spezielle Methode entwickelt, mit der WLAN-Signale auf Fotos eingefangen werden können. Zur Darstellung benötigt er einen Fotoapparat und die App Kirlian Device mobile. Den Namen für die Anwendung hat der Engländer in Anlehnung an die sogenannte Koronaentladung-Fotografie ausgewählt. Denn mit dem fotografisches Verfahren zur Darstellung von elektrischer Entladung ist es ebenfalls möglich, etwas Unsichtbares zu visualisieren.

Hernan erklärt: "Die Anwendung überwacht ständig das Funksignal, welches ein Smartphone empfängt. Dann wandelt sie das Signal in verschiedene Farben um und färbt den Handy-Bildschirm." Je nach Stärke des Signals ändern sich die Farben, bei sehr hoher Signalstärke färbt sich das Display der App beispielsweise rot, bei schwachem Netz färbt es sich blau. "Anschließend muss man das Smartphone mit der laufenden App durch den Raum bewegen und den Weg des Geräts mit einem Fotoapparat aufzeichnen", erläutert Hernan. Wenn keine Kamera zur Verfügung steht, können die Bilder auch mit einem zweiten Handy geschossen werden. Wichtig sei es in jedem Fall, eine lange Belichtungszeit einzustellen, denn hierdurch können die wechselnden Farben der App und somit die Stärke der Strahlung auf einem Foto festgehalten werden.

Hernan selbst hat einige Aufnahmen auf digitalethereal.com veröffentlich. Außerdem stellt der Doktorand das Projekt auf seiner Webseite noch einmal detailliert vor. Nutzer, die sich mit der Entwicklung von Programmen auskennen, finden dort auch den Quellcode der Anwendung. Wer zuhause selbst einmal auf Geisterjagd gehen und die bunten WLAN-Fäden sichtbar machen möchte, kann die kostenlose Android-Anwendung Kirlian Device mobile direkt von Hernans Internetseite oder aus dem Google Play Store installieren. Der Engländer berichtet stolz: "Bisher wurde die App bereits zwischen 60 000 und 100 000 Mal heruntergeladen."

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