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Gefährliches Jobangebot

Gefährliches Jobangebot

„Finanzagenten gesucht: Hohe Verdienstmöglichkeiten bei geringem Zeitaufwand.“ Mit solchen Stellenanzeigen locken Cyber-Kriminelle ahnungslose Opfer in die Falle. Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Das hatte sich Schreiner Thorsten K. anders vorgestellt. Er war gerade Vater geworden, nahm aber eine neue, schlechter bezahlte Stelle an. Ein Nebenverdienst musste her. Auf seiner Suche im Internet stößt er auf eine Anzeige, als Finanzagent zu arbeiten. Bei geringer Arbeitszeit wird ein gutes Einkommen versprochen. Der Schreiner soll dafür Gelder auf seinem Konto in Empfang nehmen und ins Ausland weiterleiten. Er darf einen Anteil der Summen einstreichen. Nach kurzer Bewerbungs-Phase kann er die Stelle antreten.

Doch statt zusätzlichem Einkommen hagelt es jede Menge Ärger. Die Bank des Schreiners meldet sich bei ihm: Auf seinem Konto sei eine verdächtige Summe eingegangen, die sich nicht zuordnen ließe. Die Bank setzt einen Geldwäsche-Beauftragten ein. Einige Zeit darauf steht auch noch die Polizei vor der Tür, denn gegen ihn ist ein Strafbefehl ergangen. Der junge Familienvater wird vor Gericht zitiert und zu einer Geldstrafe verurteilt.

Betrugsmasche Finanzagent

Immer wieder locken Internet-Betrüger ahnungslose Verbraucher mit dem Jobangebot, als Finanzagent zu arbeiten. Meist wird ein Monatsverdienst zwischen 3000 und 4000 Euro versprochen, bei maximal acht Stunden Arbeit in der Woche. "Spätestens bei den Summen, die angeboten werden, sollten alle Alarmglocken schrillen", sagt Ursula Wendels-Christian von der Abteilung Geldwäsche der Landespolizei Saarland. Auf das Konto der Finanzagenten werden online Summen überwiesen. Die können sich in der Woche zwischen 5000 und 70 000 Euro bewegen. Anschließend hebt der Finanzagent das Geld ab und überweist es per Bargeldtransfer auf ein anderes Konto. Als Provision darf er zehn bis 20 Prozent einbehalten. Doch bei dieser Arbeit drohen Geld- und Haftstrafen. Es handelt sich nämlich um Geldwäsche . Ziel der Cyber-Kriminellen ist es, Herkunft und die Wege von Geldern zu verschleiern.

Für Heiko Rittelmeier ist der Fall des Schreiners keine Seltenheit. Er betreibt die Seite computerbetrug.de. Dort berichten Verbraucher immer wieder, wie sie in einer Notsituation auf die Angebote als Finanzagent zu arbeiten, eingingen. "In den meisten Fällen nehmen Menschen ohne Arbeit diese Jobs an", sagt er. Sobald Verbraucher auf die Stellenanzeigen eingehen, startet ein vermeintliches Bewerbungsverfahren.

Der Agent zahlt die Rechnung

Doch woher stammen die Summen, die der Finanzagent waschen soll? In jüngster Zeit von Firmen-Konten, weiß Kommissarin Wendels-Christian. Bei der "Chef-Masche" geben sich Kriminelle per E-Mail als Vorgesetzte aus. Sie gaukeln dem Angestellten etwa in der Buchhaltung vor, sie seien Abteilungsleiter. Für ein neues geheimes Projekt, benötigten sie die Freigabe eines bestimmten Budgets, das auf ein besonderes Konto überwiesen werden müsse.

Ein solcher Fall ist im August beim Autozulieferer Leoni aus Nürnberg bekannt geworden. Unbekannte Täter hatten mit gefälschten Dokumenten und E-Mail-Adressen laut Unternehmen rund 40 Millionen Euro ergaunert.

"Die Hintermänner sind für die deutsche Justiz außer Reichweite", sagt Ursula Wendels-Christian. Sie wüssten, wie sie ihre Spuren verwischen. Doch grob lassen sich die Diebe in Osteuropa verorten. Die Finanzagenten seien grundsätzlich das letzte Glied in der Kette der Cyber-Kriminellen. Und sie müssten auch für den finanziellen Schaden aufkommen, da sie sich der Geldwäsche schuldig gemacht haben. Die Banken der Betrogenen erstatten zwar die Gelder wieder, klagen die Summen aber bei den Finanzagenten ein. "Sollte der Nutzer bemerken, dass er als Agent arbeitet, sollte er sofort einen Anwalt aufsuchen und mit den Behörden kooperieren", rät Rittelmeier.

computerbetrug.de