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Fußballstars gehen auf Social-Media-Plattformen häufig zu weit

Auf Instagram, Twitter und Co. : Die digitalen Eigentore der Fußballstars

Prominente Kicker sorgen in den sozialen Netzwerken immer wieder für Entrüstung. Wie gehen sie damit um?

Der Umgang mit den Sozialen Netzwerken wird immer öfter zu einer Gratwanderung. Das zeigt der jüngste Wirbel um ein Internet-Video des Fußballers Franck Ribéry. Der Spieler von Bayern München hatte vor wenigen Wochen im Netz für Empörung gesorgt, als er ein Video auf Instagram und Twitter teilte, das ihn in einem Restaurant in Dubai zeigt, wo ihm ein mit Blattgold überzogenes Steak serviert wird. Das löste eine extrem heftige Debatte aus. Ribéry feuerte auf Twitter nicht minder heftig zurück. Von seinem Verein wurde der Profifußballer wegen der Ausfälle angeblich zu einer hohen Geldstrafe verdonnert. Thomas Müller nahm seinen Vereinskollegen Ribéry in der Debatte in Schutz. Die Sache mit dem Gold-Steak ist für ihn der beste Beweis:„Mit den sozialen Medien ist es nicht so einfach“, sagt der deutsche Fußball-Nationalspieler.

„Die Gesellschaft legt fest, was man darf und was nicht“, sagt Bayern-Star Müller, dem Millionen Menschen auf Twitter, Facebook und Instagram folgen. Es werde dort oft gepöbelt und das zum Teil „unter aller Kanone“. Durch die Anonymität im Internet sinke die Hemmschwelle. Der Trainer des SC Freiburg, Christian Streich, ist aus diesem Grund nicht in den Sozialen Netzwerken unterwegs. „Mir ist das zu viel Aggression“, sagt er.

Fotos oder Videos können schnell eine Welle der Entrüstung herbeiführen. Bilder vom neuen Auto, teuren Klamotten oder extravaganten Restaurantbesuchen gefallen nicht jedem. Mancher Spieler wirkt in dieser Situation überfordert oder auch zu selbstbewusst. „Wenn man drei Millionen Anhänger auf Twitter hat, entsteht ein Machtgefühl“, sagt der Hamburger Digital-Berater Martin Fuchs. Der ehemalige Handballer Stefan Kretzschmar indes prangerte zuletzt an, für Leistungssportler gebe es keine Meinungsfreiheit mehr.

Fuchs bezweifele, dass die Fußballvereine keinen Einfluss darauf nehmen, was ihre Spieler in den Sozialen Netzwerken veröffentlichen. Er gehe davon aus, dass es seit langem klare Leitlinien im Profifußball gebe. „Ich habe das Gefühl, dass die Vereine die Spieler an der kurzen Leine halten“, so Fuchs.

Laut Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV), gibt es in den Musterarbeitsverträgen der Profis klare Regeln zu öffentlichen Äußerungen der Spieler. Der Umgang mit diesen Regelungen werde in der Praxis aber unterschiedlich gehandhabt. „Aufgrund der Vielfalt an Möglichkeiten, sich auf den sozialen Medien zu äußern, ist es insbesondere für kleinere Clubs nicht leicht, die Kontrolle darüber zu behalten, was einzelne Spieler dort tun“, gibt Baranowsky jedoch auch zu bedenken. Von Seiten der Deutschen Fußball Liga gebe es keine Richtlinien für Soziale Netzwerke, die an die Vereine weitergegeben würden, bekräftigt der VDV-Geschäftsführer.

Auch bei Bundesligisten und beim Deutschen Olympischen Sportbund, gebe es offiziell keine klar umrissenen Richtlinien, was im Internet veröffentlicht werden dürfe und was nicht. Einzelne Clubs, wie die TSG Hoffenheim, behelfen sich mit einer Empfehlungsliste. Fotos von den Sportklamotten, die nicht vom Ausrüster kommen, sollten laut Vorgaben des Vereins besser nicht veröffentlicht werden.

Beim Hamburger Sportverein haben die Profis selbst einen Strafenkatalog erstellt. Falls Spieler wiederholt Bilder aus der Kabine oder dem Mannschaftsbus öffentlich machen, müsse in die Mannschaftskasse eingezahlt werden.

Wer Facebook-, Twitter- oder Instagram regelmäßig mit neuen Infos, Bildern und Videos bespielen will, hat damit viel Arbeit. Ein Aufwand, den viele Spieler nicht komplett allein übernehmen. „Spitzenspieler werben nicht selten für private Sponsoren und lassen deshalb ihre Auftritte in den Sozialen Netzwerken in der Regel von Beratungsunternehmen betreuen. Manche Spieler stellen Inhalte aber auch selbst ein“, sagt Baranowsky. „Die Fußballer sollten zumindest wissen, was auf ihren Konten passiert“, meint Fuchs. Sonst drohe schnell die nächste Entrüstungswelle.

(dpa)